Tagesarchiv für 14. November 2017

RTZapper

Anne Will: Die Sexismus-Debatte – Ändert sich jetzt etwas?

Dienstag, den 14. November 2017
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MO 13.11.2017 | 20.15 Uhr | tagesschau24

Verona Pooth. Geil. Diese Schuhe! Und diese Beine! Und ihr Kleid! Sehr nice. Da muss man schon mal mit der Kamera entlang schwenken. Ist ja schließlich eine hübsche Frau, das kann man doch mal zeigen.

Dummerweise saß Verona Pooth bei “Anne Will”, und Anne Will diskutierte mit ihren Gästen über “Die Sexismus-Debatte – Ändert sich jetzt etwas?” Talkshow-Regisseur Rolf Buschmann hat auf diese Frage am Sonntagabend im Ersten (und in der Wiederholung am Montag bei tagesschau24) eine einfache Antwort gefunden: Nein. Denn Frauen sind sexy, und das muss man doch mal zeigen dürfen! So ließ er also, während die Pooth darüber sprach, welche Erfahrungen sie in der #metoo-Debatte gemacht hat, einmal über ihre Beine schwenken.
Den breitbeinig da sitzenden FDP-Rentner Gerhart Baum hat er allerdings nicht abzoomen lassen. Verstehe ich gar nicht – sah der etwa nicht so scharf aus, Herr Buschmann?

Verona Pooth selbst nahm es übrigens locker, dennoch ist der Fettnapf für die “Anne Will”-Leute besonders tief, die Entschuldigung folgte prompt, und Rolf Buschmann sagte, er habe einen Fehler gemacht. Aber vielleicht dachte er ja, er sei Regisseur bei irgendeiner RTL-II-Fleischbeschau. Da spielt Sexismus ja sowieso eher nicht so die Rolle.

RTelenovela

Rügen 2017 (17): Der Sänger und sein ignorantes Publikum

Dienstag, den 14. November 2017
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(16) -> 23.7.2017

Sonnabend, zur Primetime. Im Hotel in Sellin hat ein junger Sänger seinen Auftritt. Erstaunliche drei Stunden – mit zwei Pausen – wird er Songs spielen. Eigene und gecoverte.
Ich vermute mal, dass das ganz gut bezahlt wird, und eventuell wird ihm ja auch das Hotelzimmer gezahlt. Aber vor einem Hotelpublikum zu spielen, ist sehr hartes Brot.

Es ist 22.45 Uhr, als ich dazu stoße. Ich setze mich ein wenig an den Rand. Der junge Mann spielt, und es klingt gut. Aber längst nicht alle hören zu. Am Nachbartisch sitzt eine Gruppe Frauen. Sie hören nicht im Ansatz zu, sie sind ins Gespräch vertieft. Flüstern scheint auch irgendwie aus der Mode gekommen sein. Die Frauen stören, und es interessiert sie nicht. Als zwei der Frauen aufstehen und gehen wollen, verabschieden sie sich lauthals und verabreden sich für morgen. Ist das Ignoranz? Verachtung? Auf jeden Fall unverschämt.
Andere Leute gehen mitten im Lied. An anderen Tisch branden immer wieder lautere Gespräche auf.

Viele der Leute sehen den jungen Mann nur als Hintergrundgeräusch, und das ist repektlos. Aber so läuft das wohl, wenn man sich in den Hotelsessel fläzt, nicht für den Künstler zahlen muss und dann einfach mal losquatscht – und sich vielleicht noch von der Live-Musik gestört fühlt.

Als das Konzert kurz nach Mitternacht zu Ende ist, sitzen noch ein gutes Dutzend Menschen da. Der Musiker hat es tapfer zu Ende gebracht, und ich vermute mal, er wird an seine hoffentlich gute Gage gedacht und den Rest ausgeblendet haben.

RT im Kino

Simpel

Dienstag, den 14. November 2017

Als die Mutter (Anneke Sim Sarnau) stirbt, sind Ben (Frederick Lau) und sein Bruder Barnabas (David Kross) allein. Das ist eigentlich kein Problem, denn die beiden sind weit über 20. Aber Barnabas ist anders: Er ist geistig behindert und im Kopf auf dem Stand eines Dreijährigen. Ben nennt ihn “Simpel”.
Mit dem Tod der Mutter steht die Frage im Raum, wer sich eigentlich nun um Simpel kümmern darf. Eigentlich gibt es auch einen Vater (Devid Striesow), doch den haben sie 15 Jahre lang nicht gesehen, und der lehnt es ab, sich um ihn zu kümmern. Stattdessen will er, dass Simpel in ein Heim kommt. Das will Ben nicht hinnehmen – er will sich kümmern, wie auch schon in den Jahren zuvor.
Ben und Simpel hauen ab – sie trampen nach Hamburg. Ben will seinen Vater mit Simpel konfrontieren.

“Simpel” – dieser Film ist alles andere als simpel. Und das nicht nur wegen der beiden hervorragenden Hauptdarstellern. David Kross spielt den geistig behinderten jungen Mann geradezu ergreifend gut (ohne dass ich das fachlich einschätzen kann). Aber auch Frederick Lau ist einmal mehr großartig. Er spielt den jungen Mann, der sich um seinen Bruder kümmert, sich aufopfert.
Aber um diese Aufopferung geht es auch in diesem Film: Er stellt nicht nur Frage, wie man mit Menschen wie Barnabas am besten umgeht – das kommt immer ganz nebenbei, wenn zum Beispiel Ben gesagt wird, was Barnabas tun soll, und Ben antwortet, man könne das Barnabas ja selbst sagen.
Es geht aber auch darum, wie weit Pflege gehen kann. Kann man sich rund um die Uhr um einen geistig Behinderten kümmern? Bleibt da noch was vom eigenen Leben. Darauf gibt es schon bald eine Antwort. Bei Ben geht es darum, wie er mit dieser Antwort umgeht.
“Simpel” ist ein etwas anderes, ein hervorragendes Buddy-Movie.

Simpel
D 2017, Regie: Markus Goller
Universum, 113 Minuten, ab 6
9/10