Monatsarchiv für November 2017

RT liest

Brian Katcher: Ana und Zak

Donnerstag, den 30. November 2017

Ana und Zak könnten nicht unterschiedlicher sein.
Sie ist die Beste in der Schule. Sie nimmt gesellschaftliche Verpflichtungen wahr. Leitet die Gruppe, die an der Quiz-Meisterschaft teilnimmt. Und sie ist Bogenschützin.
Er ist, nun ja. Er schummelt sich durch die Schulzeit. Er verhaut eine wichtige Schulaufgabe. Ihm droht, dass er keinen Abschluss bekommt. Trotzdem ist er ein Mädchenschwarm.
Zak bekommt aber eine zweite Chance – indem er mit zur Quiz-Meisterschaft fährt und nicht zur Sci-fi-Comic-Convention, die am selben Wochenende stattfindet. Zak ist sauer, und er hat keine Lust. Wie auch Ana, die stinkig ist, dass sie nun Zak an der Backe hat.
Aber das Wochenende entwickelt sich völlig anders als gedacht.

Die Geschichte, die Brian Katcher da erzählt, ist nun wirklich nicht neu. Zwei vollkommen unterschiedliche Menschen mit jeweiligen Vorurteilen treffen aufeinander und müssen miteinander klarkommen.
Der US-Autor macht daraus aber einen kurzweiligen Plot, denn der Weg führt die beiden – und Ana kleinen Bruder – auf die Convention, wo alle sehr aufregende Abenteuer erleben. Das macht Spaß zu lesen, denn der Schauplatz der Story ist irrwitzig und bringt alle Beteiligten an ihre Grenzen.
Könnte sicherlich auch der Stoff für einen Teeniefilm hergeben.

Brian Katcher: Ana und Zak
dtv Hanser, 316 Seiten
8/10

RTZapper

Hart aber fair: Zwangsheirat mit Angela – ist die große Koalition so schlimm?

Donnerstag, den 30. November 2017
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MO 27.11.2017 | 21.00 Uhr | Das Erste

Jamaika ist eine Insel. Kommt nun die GroKo zurück?
Geht die SPD nun doch in die Regierung? Oder ist das Wortbruch? Oder war es von Anfang an Unsinn, eine Regierungsbeteiligung auszuschließen? Und wie sieht es mit einer Minderheitsregierung aus? Und was ist denn nun mit den Grünen?

Fragen über Fragen. Es gibt Leute, die sagen, jetzt würde nur rumgelabert, das bringe sowieso nichts, und das wolle ja auch keiner mehr hören. Dabei sind die Talkshows, die sich damit befassen, wie es denn nun in Deutschland politisch weitergeht, momentan hochspannend. So wie “Hart aber fair” am Montagabend im Ersten. Die Frage lautete: “Zwangsheirat mit Angela – ist die große Koalition so schlimm?”

Bei frank Plasberg sind die oben genannten Fragen diskutiert worden, und tatsächlich ist ja momentan völlig unklar, ob es eine schwarz-rote Koalition gibt oder eine Minderheitsregierung. Und was sind eigentlich die Vor- und Nachteile so einer Minderheitsregierung? Und was würde mit Deutschland passieren, wenn die (nicht mehr wirklich) Große Koalition weiter ginge?
Es ist spannend zu hören, was die verschiedenen Politiker und Journalisten dazu zu sagen haben.

So findet es der ehemalige ARD-Europa-Korrespondent Rolf-Dieter Krause besser, wenn es eine Minderheitsregierung gäbe, es wäre ein Experiment. Sein BR-Kollege Sigmund Gottlieb sagt dagegen, dass gerade nicht die beste Zeit für Experimente sei, und man doch lieber in die GroKo gehen sollte – auch wenn es nicht ideal sei.
Katarina Barley erklärte, wie es gerade um die SPD steht, warum die Lage für die Partei gerade sehr schwer ist. Schauspieler Ulrich Matthes sprach sich gegen Neuwahlen aus, weil das nicht nur teuer, sondern auch undemokratisch sei.

Was kann es Spannenderes geben, als den Gedankenaustausch? Als das pro und Contra abzuwägen? Sich Argumente anzuhören, Meinungen – und vor allem Gegensätzliches. Manchmal ist es dann eben doch so, dass Talkshows etwas zur Meinungsbildung beitragen können – oder zumindest ein bisschen mehr Wissen.

RT liest

Matthias Trümper: Die Luchpiraten – Der Schatz der Wasserburg

Mittwoch, den 29. November 2017
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In Beetz, einem kleinen Dorf in Brandenburg, erleben Mia, Josch, Spargel und Stulle – die Luchpiraten – ihre Sommerferien. Zufällig hören sie von einer Sage, nach der am Rande von Beetz, im Luch, eine Wasserburg gestanden haben soll. Sie könnte einem General gehört haben. Aber damit nicht genug – angeblich soll es dort in der Nähe noch einen Schatz geben. Ein Professor im Dorf hilft den Luchpiraten, der Sache auf die Spur zu kommen.

“Der Schatz der Wasserburg” ist nicht nur der (vermutliche) Auftakt einer Reihe mit den Luchpiraten (am Ende gibt es einen echten Cliffhanger), sondern auch das erste Buch überhaupt von Matthias Trümper. Der Beetzer siedelte seine Geschichte direkt am Dorf an, und die Sage von der Wasserburg gibt es dort tatsächlich.
Die Story ist kindgerecht, sie ist spannend und hat lustige Elemente. Eine Prise Verrücktheit, ein wenig Mystery. Eine gute Mischung. Das Buch lebt auch auch von der wunderbaren Zeichnungen von Ralph Groß, die perfekt die Geschichte und die Stimmung wiedergeben.
Dafür dass kein Verlag im Hintergrund steht und der Autor es selbst herausgibt, sieht es sehr ansprechend und professionell aus. Auf jeden Fall ein schönes Geschenk!

Matthias Trümper: Die Luchpiraten – Der Schatz der Wasserburg
Matthias Trümper, 60 Seiten
9/10

RTelenovela

Puffer nur im Dreierpack

Mittwoch, den 29. November 2017
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Manchmal wundere ich mich, wie Imbissbetreiber ticken. Anstatt über jede Ware froh zu sein, die sie los werden, beharren sie auf ihre leider ziemlich blödsinnigen Regeln.

Am Montag öffnete der Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche. Ich nutzte die Chance für ein verspätetes Mittagessen. Da so ein Markt ja viel zu bieten hat, wollte ich nicht nur einen Imbissstand beglücken.
Ich liebe Kartoffelpuffer, und an einem der Stände gab es welche. Im heißen Fett lagen einige davon. Problem: Auf dem Preisschild stand, dass es drei Puffer für x Euro gibt (Preis vergessen). Nun sind diese Puffer aber gar nicht so klein, deshalb hätte mir eigentlich ein Puffer gereicht. Also fragte ich nach, ob ich denn einen statt drei Puffer haben könne.
Konnte ich nicht. Man könne nur drei Puffer verkaufen, und sie seien doch total lecker, und ich sei doch ein Mann.
Aha. Das sind doch mal Argumente.
Mir waren drei aber immer noch zu viel, ich wolle ja auch noch was anderes essen, sagte ich.
Ende vom Lied: Ich kaufte nicht drei Puffer, sondern keinen. Gute Verkaufsstrategie.

RT im Kino

Aus dem Nichts

Montag, den 27. November 2017

Was für eine Wucht. Niederschmetternd. Wut, Trauer, Spannung. Fatih Akin hat einen Film geschaffen, der einen packt, der die Emotionen bis weit nach Filmende reichen lässt. Einen hochaktuellen Film, der vergleichbar mit den Nazimorden des NSU die Ohnmacht vieler Menschen zeigt

Das ruhige, entspannte Leben von Katja (Diane Kruger) endet, als ihre Autofahrt an einer Polizeisperre endet. Das Büro ihres Mannes Nuri (Numan Acar) ist durch eine Bombe zerschmettert worden. Vorhin erst hatte sie ihren Sohn Rocco (Rafael Santana) dorthin gebracht. Beide sterben bei dem Bombenanschlag.
Katja ist am Boden zerstört, aber sie erinnert sich: An eine junge Frau, die sie angesprochen hatte, weil sie ihr nagelneues Fahrrad nicht anschließen wollte. Es stellte sich raus: Der Koffer auf dem Fahrrad war die Bombe.
Die Polizei fahndet nach einer Osteuropäerin. Und sie stellt Fragen. War Nuri in Straftaten verwickelt? Hatte er Ärger? Hatten es Clans auf ihn abgesehen? Gab es in der türkischen Community Zoff?
Dabei ist sich Katja sicher: Die Gesuchte ist eine Deutsche, sie sprach klar und ohne Akzent. Es geht um Nazis.
Tatsächlich wird das Neonazi-Paar Edda (Hanna Hilsdorf) und André Möller (Ulrich Friedrich Brandhoff) festgenommen, und es beginnt ein zermürbender Prozess. Anwalt Danilo Fava (Denis Moschitto) vertritt Katja, aber es ist ein steiniger Weg.

“Aus dem Nichts” ist wohl Fatih Akins bislang bester Film. Er zeigt ein Stück bittere deutsche Realität. Völlig aus dem Nichts kommt das Grauen über Katjas Familie. Die Polizei sieht das anders, sie fahndet. Aber sie fahndet nicht in die Richtung der Neonazis. Weil es keine Anhaltspunkte gibt, weil man nichts sieht, was zunächst darauf hindeutet. Stattdessen wird orakelt, was denn da in der Szene los sei. Der Fall erinnert an Köln – an den Anschlag in der Keupstraße, bei dem die Polizei auch erst vermutete, dass es sich um eine Fehde handeln sollte. Dass es schlicht Naziterror ist, das wollte keiner wahrhaben.
Aber schlimmer noch: Fatih Akin spinnt das Grauen weiter. Denn der Prozess entwickelt sich zum Alptraum, und fassungslos schaut man zu, wie sich das Ganze entwickelt. Man fragt, warum das Gericht entscheidet, wie es entscheidet, wieso es sich dermaßen beeinflussen lässt, wieso Plädoyers im Nichts verhallen.
Einfach nur bedrückend.
Das alles mit hervorragenden Darstellern. Allen voran Diane Kruger. Es gibt keinen Film, in dem sie dermaßen brillieren konnte, in dem sie zeigen konnte, was sie kann. Die Angst, die Verzweiflung, die Wut – all das spielt Kruger auf unglaublich packende Weise. Auch ist es toll zu sehen, dass Denis Moschitto endlich auch mal eine wirklich Paraderolle bekommen hat. Er spielt den Anwalt, der es allen zeigen will, ganz hervorragend. Auch die Nebenrollen sind perfekt besetzt – von Ulrich Tukur als schockiert-traurigen Zeugen bis zum widerlichen Neonazi-Verteidiger, gespielt von Simon Krisch.
Wenn der Abspann läuft, dann muss man erst mal tief durchatmen.

Aus dem Nichts
D 2017, Regie: Fatih Akin
Warner, 106 Minuten, ab 12
10/10

KeineWochenShow

#47 – Jamaika ist eine Insel

Montag, den 27. November 2017
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Da redet man am Sonntagmorgen (na ja, eher am Sonnabendnachmittag) noch über die schleppenden Jamaika-Sondierungen, und nur ein paar Stunden später, beschließt die FDP, keine Lust mehr auf Regieren hat. Und wir wissen nun: Jamaika ist eine Insel. Und nur das.

In Ausgabe 47 unseres Wochenrückblicks geht es aber auch um Boris Becker. Er ist jetzt 50 geworden, und der Tennisstar leidet unter seinem Promi-Dasein. Herr Becker möchte er genannt werden, sagte er in einer Doku.
Und wenn wir schon bei Geburtstagen sind – wir singen wieder, weil ein bekannter Star mit einem bekannten Hit einen runden Geburtstag feierte.

Außerdem geht es um die Polizei in Hennigsdorf, die bedauerlicherweise ein falsches Fahndungsfoto rausgegeben hat und eine Bäckereiverkäuferin so ins unangenehme Rampenlicht rückte.

Und was ist eigentlich dein Lieblingsweihnachtsmarkt? Wir haben ein paar Vorschläge, und wenn ihr mehr wisst, kommentiert doch einfach hier oder auf Youtube. Dort gibt es auch KeineWochenShow #47.

RTZapper

Arena – Liga live: Bundesliga-Schlusskonferenz

Montag, den 27. November 2017
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SA 25.11.2017 | 14.05 Uhr | radioeins

Halbzeit in der Fußball-Bundesliga, und die Reporterin ist sich sicher: Das schafft Schalke nicht mehr. Im Revierderby zwischen Dortmund und Schalke steht es 4:0, und eigentlich haben alle das Ding total abgeschrieben.
Aber dann: Halbzeit 2. Plötzlich schießen die Schalker Tore.

Und wieder mal zeigt sich, was auch Radio heute noch leisten kann: In Berlin-Brandenburg überträgt radioeins vom rbb die Bundesliga-Konferenzen. In der Schlusskonferenz steigerte sich die Derbyspannung dann ins Unermessliche, und die Stimmung kochte, als die Reporterin dazwischen schrie: Unentschieden!!
4:4 zwischen Dortmund und Schalke. Was keiner glaubte ist eingetroffen, die Schalker schafften den Ausgleich, und diese Begeisterung über das Jahrhundertspiel war den Radiomachern anzumerken. Dabei ging es nicht darum, dass Schalke nicht verloren hat. Sondern, dass es möglich ist, einen Wahnsinnsrückstand wieder aufzuholen. Und dass es toll ist, sich so was live im Radio anhören zu können, wo man die Bilder im Kopf laufen lassen kann. Wer braucht da schon Sky oder die Sportschau?