Tagesarchiv für 23. Oktober 2017

RTelenovela

Muffensausen hoch über Kremmen

Montag, den 23. Oktober 2017
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Kremmen von oben. Auf einer kleinen Hebebühne. Nicht unbedingt was für Angsthasen. Ich habe zwar keine Höhenangst – Riesenräder sind ja auch kein Ding -, aber so ein bisschen Muffensausen war doch da, als es Freitagvormittag plötzlich hieß: „Und Sie fahren mit hoch.“ Was nicht als Frage, sondern als Feststellung gemeint war. Zum Nein-Sagen bestand nicht der Hauch einer Möglichkeit.

Also ab nach oben! Hintergrund: An der Nikolaikirche in der Kremmener Altstadt stand ein Kran mit einer Hebebühne. Es ging 34 Meter hoch zum Kirchenkreuz, das repariert werden musste. Drei Leute durften rauf, einer davon war ich.
Mit einem leichten Kribbeln im Bauch bewegten wir uns nach oben. Das Problem war gar nicht mal die Höhe selbst – sondern die enge Plattform und das Ruckeln. Über das Kirchendach hinweg konnten wir dann den Blick auf Kremmen genießen (so lange es nicht ruckelte). Die Aussicht von oben war fantastisch! Aber ein bisschen froh war ich dennoch, als wir alle gesund und munter unten wieder ankamen.

RT im Kino

Vorwärts immer!

Montag, den 23. Oktober 2017

Sprechen wir über die Wende in der DDR, dann ist der 9. Oktober 1989 ein sehr wichtiger Tag. Wie an jedem Montag fand in Leipzig eine Großdemo statt. Hunderttausende gingen auf die Straße – und die Soldaten erhielten den Schießbefehl. Es kam dann aber doch nicht zu gewalttätigen Eingriffen seitens der Panzer.

Am selben Tag in Ost-Berlin. Anne (Josefine Preuß) sagt ihrem Freund Matti (Marc Benjamin), dass sie ein Kind bekommt. Mattis Begeisterung hält sich in Grenzen. Auch darüber, dass Annes Vater, der Schauspieler Otto Wolf (Jörg Schüttauf) nicht wissen darf, dass die beiden zusammen sind. Mattis Vater ist nämlich der mit dem Kulturpreis prämierte Schauspieler Herry Stein (Devid Striesow) – von Otto gehasst.
Anne will in den Westen. Ihre Mutter lebt bereits dort, und Anne konnte sich einen gefälschten Westpass besorgen. Als der aber von ihrem Vater zerstört wird, muss sie sich einen neuen besorgen. Deshalb reist sie mit August (Jacob Matschenz) nach Leipzig. Dort ist jemand, der einen Pass besorgen kann – und dort findet auch die große Montagsdemo statt, die August filmen will.
Unterdessen probt Otto mit seinen Kollegen heimlich ein Bühnenstück über Erich Honecker – seine Verkleidung als der Staatschef ist perfekt. So perfekt, dass Otto in der Rolle als Erich verhindern will, dass der Leipziger Schießbefehl aufrecht erhalten bleibt.

“Vorwärts immer!” heißt nicht nur das Bühnenstück, das da geprobt wird. So heißt auch die Komödie von Franziska Maletzky. Vor dem realen Hintergrund der zu Ende gehenden DDR und der Leipziger Montagsdemos. Drehbuch-Autor Markus Thebe hat darum eine aberwitzige Geschichte gesponnen. Sie nimmt Honecker und gehörig auf den Arm. Sie zeigt die uralten Herren, die die DDR am Ende versuchten zu regieren. Ein falscher Honecker, der in Wandlitz sogar Margot Honecker (Hedi Kriegeskotte) foppen kann, weil ihre Brille kaputt ist.
Das ist manchmal ein wenig zu klamaukig, wobei man zum Beispiel nicht vergessen sollte, dass einige der Beobachtungsmethoden der Stasileiute in ihren Wartburgs tatsächlich mitunter bekloppt waren. Wenn auch sehr oberflächlich geht es aber auch um Ängste, die die Menschen im Herbst 1989 hatten.
Vorrangig macht “Vorwärts immer!” aber Spaß. Jörg Schüttauf und seine Kollegen zeigen große Spielfreude, wenn sie einerseits die Schauspieler spielen, aber auch die “echten” Politbüro-Mitglieder.

Vorwärts immer!
D 2017, Regie: Franziska Maletzky
dcm, 98 Minuten, ab 12
7/10

KeineWochenShow

#42 – Rares für Bares

Montag, den 23. Oktober 2017
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Folge 42 von “KeineWochenShow” ist einen Tick kürzer als sonst. Wir haben nämlich diesmal drei Einspieler, die wir von der Aufnahmezeit abziehen mussten, und irgendwie habe ich mich wohl ein wenig verrechnet. Was allerdings an einem Schnitt mittendrin liegt (ihr werdet ihn merken), an dem die Batterie der Kamera leer war und wir neu ansetzen mussten.

Diesmal trödeln wir, allerdings schon ein paar Tage vor der Sendungsaufzeichnung. Sowohl ich als auch MetalMewes haben uns vom privaten Flohmarkt drei Dinge ausgesucht, die wir euch präsentieren – und wenn ihr Interesse an einem Kauf habt, könnt ihr das kommentieren. Hier oder auf Youtube.

Ansonsten werten wir die Oranienburger Bürgermeisterwahl ein wenig aus. Es geht um die Hohen Neuendorfer Spielshow “Wer besiegt Paul?”, und endlich wissen wir: Bier ist gesund! Und apropos Bier: Eine Freundin hat uns einen ganzen Beutel mit Bier zukommen lassen – das erste Probierbier hat es gleich in die Sendung geschafft.

Ausgabe 42 von “KeineWochenShow” gibt es auf YouTube.

RTZapper

Der Preis der Anna-Lena Schnabel

Montag, den 23. Oktober 2017
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SA 21.10.2017 | 22.05 Uhr | 3sat

Als die 28-jährige Anna-Lena Schnabel den Newcomer-Preis beim Echo-Jazz bekommen hat, da wäre es fast zum Eklat gekommen, und die Musikerin hatte jeden Anlass dazu.
Die Doku “Der Preis der Anna-Lena Schnabel”, die am Sonnabendabend auf 3sat zu sehen war, zeigte, wie eine Preisverleihung auch funktionieren kann – nämlich als Musikevent, das wegen des Musikevents gefeiert wird, und bei dem die Musiker selbst scheinbar nur Beiwerk sind.

Anna-Lena Schnabel ist eine extrem begabte Jazzmusikerin. Wenn sie auf dem Saxofon loslegt, dann gibt sie alles. Und dann ist das relativ unkonventionell und wild. Aber so gut, dass sie in diesem Jahr einen Preis erhalten hat.
Bei einer Gala in Hamburg bekam sie den Preis überreicht und durfte dann etwas spielen. Allerdings keines ihrer Werke. Begründung: Die Zuschauer werden das nicht mögen und schalten dann ab. Denn der Echo-Jazz wurde vom NDR übertragen.
Heißt also: Eine Musikerin bekommt einen preis, aber ihre Werke sind dann doch nicht so toll, als dass man sie dem NDR-Publikum zumuten will. Heißt also auch: NDR-Redakteure entscheiden, was man NDR-Zuschauer zumutet. Und sie entscheiden, was NDR-Zuschauer nicht gut zu finden haben.

Nun könnten man sagen, das wäre alles nicht so schlimm, wenn man sich denn ansonsten gut um seine Preisträger kümmert. Macht man aber nicht. Stattdessen ist unklar, ob eventuelle Übernachtungskosten gezahlt werden. Die Echo-Leute zahlen sie jedenfalls nicht, und die Plattenfirmen irgendwie auch nicht. Der Echo-Chef sagt, man könne doch froh sein, dass man so ein Event überhaupt hat.
Der Bruder von Anna-Lena Schnabel war übrigens nicht eingeladen zu dem Event. Er durfte 70 Euro Eintritt zahlen – und weitere 40 Euro dafür, dass er neben seiner Schwester sitzen durfte.

In der Doku geht es darum, wie Anna-Lena Schnabel zu dem wurde, was sie jetzt ist. Und darum, dass es eigentlich kaum Jazzmusiker gibt, die von der Musik leben können. Und eben um den Echo-Jazz. Wo die Musiker froh sein sollen, dass es das Event gibt. Um Anna-Lena, die überlegt, ob sie den Preis ablehnen soll. Oder in ihrer Dankesrede auf den Missstand hinweisen will. Preisträger einer Sparte, die kaum finanziellen Ruhm erlebt, bekommen nicht-dotierte Preise und müssen drauf zahlen, um überhaupt dabei zu sein. Und die Echo-Verantwortlichen reden sich raus, man solle den Event doch bitte nicht zerreden.
Beide Seiten haben wohl Recht – denn Jazz ist eine Sparte, wo die Musiker vermutlich wirklich froh sein können, wenn sie mit dem Echo-Jazz einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden.

Dass aber der NDR bestimmt, dass eine Preisträger nicht das präsentieren darf, wofür sie ausgezeichnet worden ist, nur weil jemand umschalten könnte, das ist ziemlich armselig. Umso besser, wenn dann 3sat daher kommt und da mal einen Finger in die Wunde legt.
Anna-Lena Schnabel hat sich entschlossen, den Preis anzunehmen und die bittere Pille zu schlucken, in dem sie ihren Ärger runterschluckt. Sie spielte den Fremdsong. Einerseits schade, andererseits hat das auch Größe, und vielleicht ist es für die Musikerin ja der Anfang für mehr.