Monatsarchiv für September 2017

RTZapper

phoenix vor Ort: Aktuelles nach der Bundestagswahl

Donnerstag, den 28. September 2017
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DI 26.09.2017 | 9.00 Uhr | phoenix

AfD! Bei den drei Buchstaben wird man in vielen Redaktionen schon ganz nervös. Hat wieder ein AfDler irgendwas Schlimmes gesagt? Ist das eine Schlagzeile wert? Bringt das Klicks und Quote? Oder ist Ignorieren nicht manchmal auch besser? Oder einfach mal nüchtern zu berichten?
Das ist momentan ein großes Thema, weil in diesen Tagen ARD und ZDF immer wieder vorgeworfen wird, zum Erfolg der AfD mit beigetragen zu haben (und von der “Bild” spricht niemand?).
Als Pauschalvorwurf ist das natürlich Quatsch. Immer ganz von der Hand zu weisen ist das aber auch nicht – wie ein denkwürdiges Interview am Dienstag zeigte. Eine WDR-Reporterin sprach mit Marcus Pretzell, der ihr erzählte, dass er die AfD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag verlassen werde und die Partei gleich mit. Eine richtige Begründung nannte er nicht, was die nicht sichtbare Reporterin hörbar störte.

Die Reporterin hakte nach. Ob er nicht dazu gehören wolle zu den grölenden Höckes und den Gaulands, die Frau Merkel jagen wollen, um das deutsche Volk wieder heimzuholen.
Dazu Marcus Pretzell: “Ach, wissen Sie. Das sind so Fragen, die Sie stellen, die mich überlegen lassen. Ob es nicht vielleicht Sie sind, die genau zu einer solchen Radikalisierung der Gesellschaft beitragen – ganz maßgeblich, und der WDR ist da leider sehr weit vorne, weil auch Ihnen leider die Fähigkeit zur Differenzierung völlig abgeht.”
Die WDR-Frau tat das ab, ein bisschen Medienschelte müsse immer sein. Worauf Pretzell ihr nochmals vorwarf, dass sie nicht differenziert sei.

Nun kann man sich sicher wieder empören. Über die AfD. Über Pretzell.
Nur leider: Pretzell hat im Kern nicht Unrecht.
Denn die WDR-Journalistin war gerade in diesem Interview – ausgestrahlt am Dienstagnachmittag auf phoenix – alles andere als differenziert und unvoreingenommen. Wenn sie von den “grölenden Höckes und den Gaulands” spricht, macht sie ihre persönliche Meinung deutlich. Sicherlich, sie kann Pretzell mit Aussagen von Gauland konfrontieren, aber nicht auf die Art, mit der sie gleich vorweg schickt, dass sie selbst, sie ganz persönlich, das unerhört findet. Das ist unprofessionell. Die WDR-Frau kann privat denken und sagen, was sie will. Im Job muss sie sich überlegen, wie sie ihre Fragen verpackt – im Idealfall ohne Wertung. Dass sie das als doofe Medienschelte abtut, ist ebenso undifferenziert, denn in diesem Fall ging es konkret um sie selbst.
Die WDR-Frau hat nicht gut gearbeitet, und hier wurde sofort der Finger in die klaffende Wunde gelegt.

Übrigens war dieser Schlagabtausch auch deshalb spannend, weil Marcus Pretzell schon gar nicht mehr als AfD-Mann zu sprechen schien. Denn er machte deutlich, wie die Medienmasche – und es ist definitiv eine Medienmasche – funktioniert. Jemand sagt etwas, und dann wird es aufgebauscht, ohne mal ganz genau zu betrachten, was da eigentlich abging. Es gibt bei der AfD sehr sicher sehr viele Gründe empört zu sein. Das Problem: Die Medien nutzen diese Empörung zu oft für sich selbst aus. Denn Empörung bringt Klicks. Und gerade die “Bild” ist auf diesem Empörungstrip und merkt vielleicht nicht mal, dass sie die besten Pusher für die AfD sind. Dem WDR warf Pretzell dies ebenfalls vor. Die Journlastin, die da gerade vor ihm stand, hat ihm da leider wieder sehr viel Futter hingeworfen.

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ORA aktuell

Stralsunder Straße in Oranienburg halbseitig gesperrt

Mittwoch, den 27. September 2017
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Wegen der nun beginnenden Bauarbeiten für das neue Fahrradparkhaus am Oranienburger Bahnhof ist die Stralsunder Straße halbseitig gesperrt. Die Durchfahrt ist nur in Richtung Arbeitsamt möglich. Von der Bykstraße kommend führt die Umleitung über Lehnitzstraße und Willy-Brandt-Straße. Busse kommen in beiden Richtungen durch.

Das neue Fahrradparkhaus soll 1000 Stellplätze haben. Ende März 2018 könnte es fertig sein.

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RTelenovela

#ichbin87

Mittwoch, den 27. September 2017
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Ein neuer Hashtag wabert durch Deutschland: #ichbin87.
Er bezieht sich auf das Wahlergebnis der AfD, die bei der Bundestagswahl fast 13 Prozent erreichte. Mit dem Hashtag bei Twitter und Facebook will man sich von den AfD-Wählern abgrenzen und sich damit gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Hass und rechtem Populismus aussprechen.
An sich ist diese Äußerung natürlich völlig in Ordnung, und wer sich damit beflaggen will, kann das auch gern tun.
Aber dennoch ist es wieder ein Stück Wohlfühl-Internet. Alles ist immer noch gut, und ich habe mal wieder ein gutes Werk getan, in dem ich gegen die AfD protestiere. Mit einem Hashtag.

Aber macht man es sich damit nicht zu einfach? Die knapp 13 Prozent klingen viel, aber in Wirklichkeit ist ein niedriger Wert, wenn man sich mal im Osten Deutschland umsieht. In Sachsen ist die AfD als Wahlsieger hervorgegangen. Was hashtaggen denn die Sachsen? #ichbin74 ? – Klingt natürlich nicht mehr ganz so toll, und irgendwie will sich das Wohlfühlgefühl nicht so ganz einstellen.
Die politische Lage in Ostdeutschland scheint sich von der im Westen abgekoppelt zu haben, in Brandenburg und Co. sind die Rechtspopulisten schon viel stärker. Da ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die AfD Mehrheiten erreicht und Koalitionen ohne sie kaum noch möglich sind. Aber vielleicht kommt dann ja irgendwann der Hashtag #ichbin61 – oder so.
Aber wenn man etwas gegen diese Strömung unternehmen will, reichen oberflächliche Hashtags nicht. Zumal man damit keinen AfD-Wähler bekehren kann und noch mehr zur Spaltung unseres Landes beiträgt.

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RTZapper

Spiegel TV Magazin: Bundestagswahl 2017

Mittwoch, den 27. September 2017
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SO 24.09.2017 | 22.45 Uhr | RTL

Einmal im Jahr fällt Maria Gresz einer größeren Zuschauerschaft auf: Wenn sie im Windschatten des RTL-Dschungelcamps mit zimtzickigem Gesicht und spürbarem Ekel einen Beitrag ansagen muss, der sich um diese Sendung dreht und schlimm boulevardig ist. Nicht das Niveau von “Spiegel TV” erreicht.
Am Sonntag war Maria Gresz aber voll in ihrem Element. Immerhin ist das “Spiegel TV Magazin” ja eine seriöse Marke, findet man jedenfalls in der Redaktion des “Spiegel TV Magazins”. Einmal in der Woche will man bei RTL gutes Fernsehen bieten – und scheitert immer mal wieder daran.
Wichtig fühlte sich Maria Gresz dennoch, als sie am Sonntagabend mit dem Brandenburger Tor in Berlin im Hintergrund die Götterdämmerung hervorrief. Ein ZUTIEFST WÜTENDES VOLK erblühe in einem MORAST AUS FRUST UND VORURTEILEN, giftete sie. Man zeige nun einen Bericht aus Berlin in den letzten Stunden der alten Regierung. Man solle es genießen, denn ab morgen sei vieles anders. Hätte bloß noch der Blitz gefehlt, der wahlweise ins Brandenburger Tor oder in die Moderatorin einschlägt.

Zu sehen war ein journalistisch extrem hochwertiges Stück, in dem die “Spiegel TV”-Reporter in einen Sexclub latschten, um eine Domina sagen zu lassen, dass sie die AfD doof findet. Oder in einem Goaclub, in dem die Leute… na ja, irgendwas Dummes erzählten.
Später sah man “Spiegel TV”-Reporter, wie sie diversen Politikern auflauerten und dusslige Fragen stellten. Was machen Sie heute noch so, Herr Lindner? Frau Petry, wen werden Sie wählen? Und wenn sie keinen Bock hat, sich im Wahllokal von Spiegel TV belästigen zu lassen, dann heißt es, ganz Deutschland warte auf Antworten.
Ja, liebe “Spiegel TV”-Leute, ganz Deutschland wartet. Allerdings nicht auf solche dämlichen Reportagen.

Es ist immer wieder erstaunlich. Während der “Spiegel” immer noch als einigermaßen seriös gilt, ist “Spiegel TV” eher minderwertiges Boulevardfernsehen. Politikern oder Swingern dumme Fragen zu stellen, hat mit gutem Journalismus wenig zu tun. Dagegen sind die von Maria Gresz zimtzickig anmoderierten Dschungelcamp-Beiträge fast schon Hochkultur.

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ORA aktuell

Rossius will nicht mehr Chef der Oranienburger Linken sein

Dienstag, den 26. September 2017
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Enrico Rossius (Linke) zieht offenbar Konsequenzen aus seinem schlechten Abschneiden bei der Oranienburger Bürgermeisterwahl. Nach seinem für ihn enttäuschenden 7. Platz will er vom Posten des Linke-Ortsvereinschefs verabschieden. Das teilte er auf seiner Facebook-Seite mit. “Wir werden uns personell neu aufstellen”, schreibt er. Er wolle sich künftig ausdrücklich auf seine Aufgabe als Stadtverordneter konzentrieren, um noch deutlicher eine Stimme in der kommunalen Politik zu sein.
Das Ergebnis der Bürgermeisterwahl bezeichnet er als verheerend.

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RTZapper

Wahl 17: Berliner Runde

Montag, den 25. September 2017
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SO 24.09.2017 | 20.15 Uhr | Das Erste

Martin Schulz war sauer, aber so richtig. Erst lassen ihn die Moderatoren von ARD und ZDF mal wieder nicht ausreden. Das sei ja gar nicht in Ordnung, das störe ihn total. Dann teilt er auch noch gegen Angela Merkel aus, die einen skandalösen Wahlkampf geführt habe. Sie sei schuld an der Stärke der AfD.
Da flogen die Giftpfeile, und man fragte sich als Zuschauer: Wo war denn dieser wütende Martin Schulz vor der Wahl? Im TV-Duell? Erst am Sonntagabend, in der “Berliner Runde” im Ersten und im ZDF, als die Wahl gelaufen war und die SPD ganz böse krachen gegangen ist, da polterte Schulz los – da war zu ahnen, was alle Welt von diesem Schulz-Zug gefaselt hat. Er hatte wohl eine Verspätung – kam viel zu spät, zu einem Zeitpunkt, wo es eher peinlich wurde. Da musste sogar die Kanzlerin ein bisschen lächeln.

13 Prozent für die AfD – für Deutschland war es ein besonderer Wahlsonntag. Welche Folgen er hat, wird sich in den nächsten Monaten und Jahren zeigen.
Aber wer hat Schuld, dass die Rechten nun ins Parlament einziehen? CSU-Mann Joachim Herrmann weiß genau Bescheid: ARD ujd ZDF sind es, weil sie viel zu viel über die AfD berichtet haben. Aha.
Mag sein, dass die deutschen Journalisten auch noch nicht den richtigen Umgang mit den Blauen drauf haben, dass jeder Pups von Gauland und Co. skandalisiert worden sind – aber Schuld für den Einzug in den Bundestag sind die Sender nicht, jedenfalls keineswegs alleine. Da hat Herrmann eine Nebelkerze geworfen.

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RTelenovela

Wahl 2017: Drei Kreuze

Montag, den 25. September 2017
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Irgendwas ist da schief gelaufen. Jennifer Collin hatte doch schon auf ihre Wahlplakate geschrieben, dass sie “Ihre neue Bürgermeisterin” ist. Fast hätte man denken können, dass wir alle gar nicht mehr zur Oranienburger Bürgermeisterwahl gehen müssen. Nun hat sie es nicht mal in die Stichwahl geschafft, und die SPD verliert auf jeden Fall den Platz auf dem Rathausstuhl.

Mein Wahltag begann am Nachmittag auf dem Runge-Campus. Ich war sogar ein bisschen aufgeregt, als ich das Wahllokal betrat, unter Unterlagen in die Hand gedrückt bekam und ich in die Wahlkabine ging.
Es ist immer etwas Besonderes, wählen zu dürfen. Ich entscheide mit, was sich in den kommenden vier Jahren in unserem Land tut könnte. Und in den nächsten acht Jahren in meiner Stadt.
Lange habe ich hin- und herüberlegt, wem ich meine Stimme gebe. Einer bestimmten Partei? Unterschiedlichen? Ohne zu viel zu verraten: Ich hatte drei Stimmen (zwei für den Bundestag, eine bei der Bürgermeisterwahl), und ich habe sie dreimal unterschiedlich vergeben.

Um 18 Uhr dann das Erdbeben – das ja eigentlich eins mit Ankündigung war. Die Rechten kommen ins Parlament, und wenn die AfD behauptet, dass unter ihnen keine Neonazis sind, dann machen die sich was vor – oder uns. Es könnte ungemütlich werden in den kommenden Jahren, aber vielleicht wacht das Land ja in der Zwischenzeit ja auf und besinnt sich (die AfD sieht das natürlich andersrum).

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