Tagesarchiv für 5. September 2017

RT im Kino

Jugend ohne Gott

Dienstag, den 5. September 2017

Irgendwann in der Zukunft. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft weit auseinander, inzwischen haben sich auch in deutschen Städten Slums gebildet. Die Eliten bleiben unter sich – in privaten Schulen, in denen Leistung, Unterwürfigkeit und Geld zählt.
In einem Assessment-Camp wird eine Gruppe Jugendlicher gedrillt, die müssen Punkte sammeln, um die Prüfungen so gut wie möglich abzuschließen.
Zach (Jannis Niewöhner) gilt als schwierig, und das nicht nur, weil sein Vater kürzlich Selbstmord begangen hat. Er ist aufmüpfig, steht für sich und andere ein, akzeptiert keine Ungerechtigkeiten. Als Nadesh (Alicia von Rittberg) angeblich sein Tagebuch stiehlt, gerät die Lage außer Kontrolle. Nadesh wird ermordet. Wer aber war es? Zach, wegen des Tagebuches? Oder das Mädchen Ewa (Emilia
Schüle), eine so genannte Illegale, die etwas mit Zach hatte? Und was hat der Lehrer (Fahri Yardim) mit allem zu tun?

Schon einmal, 1991, gab es eine Verfilmung von “Jugend ohne Gott”, einem Buch von Ödön von Horvath. Aus heutiger Sicht ist die recht dröge. Das kann man von der 2017er-Version nicht sagen, auch wenn vermutlich nur die Motive des Horvath-Buches übrig geblieben sind.
Der Film zeigt einerseits, wie das Leben aussehen könnte, wenn sich Arm und Reich immer weiter voneinander entfernen. Es geht aber vor allem darum, wie sehr man sich für andere Menschen einsetzt. Oder ob man, der eigenen Sicherheit wegen, den vermeintlich einfachen Weg geht und für den Obrigkeiten kuscht.
Leider beginnt der Film seltsam spröde. Was nämlich am Anfang noch nicht klar ist: Die Geschichte wird aus drei Blickwinkeln erzählt. Aus der von Nadesh, von Zach und aus der des Lehrers. Der Auftakt mit Nadesh ist dabei schauspielerisch recht hölzern. Mit dem Wechsel der Perspektive zu Zach wird “Jugend ohne Gott” aber extrem packend und spannend. Denn nach und nach wird erst
klar, wie man diverse Aspekte der Geschichte bewerten soll – und das macht diesen Film dann doch sehr reizvoll.

Jugend ohne Gott
D 2017, Regie: Alain Gsponer
Constantinfilm, 114 Minuten, ab 12
8/10

RTZapper

TV-Duell: Merkel – Schulz

Dienstag, den 5. September 2017
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SO 03.09.2017 | 20.15 Uhr | Das Erste

Das war ja ein echt spannendes TV-Duett TV-Duell. Das einzige direkte Aufeinandertreffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Martin Schulz am Sonntagabend wirkte wie eine etwas verfrühte Koalitionsverhandlung. Schulz sagte was, und Merkel nickte. Merkel sagte was, und Schulz nickte. Wirklichen Streit gab es auch, aber nur selten.
Viel zu selten ist es dem Moderatorenquartett gelungen, die Unterschiede zwischen den beiden Politikern herauszukitzeln. Viel zu oft ließen sie es durchgehen, dass es einen Kuschelkurs gab.
Und dann ist da noch Sat.1-Mann Claus Strunz. Dass er scheinbar eher auf der rechten Seite der Politik steht, ist zunächst nicht verwerflich, schließlich muss nicht die komplette deutsche Journalistenschar auf der linken Seite stehen. Dass er aber im TV-Duell mehrfach falsche Zahlen und Zitate in den Ring warf und sich dafür von Merkel und Schulz korrigieren lassen muss – das ist dann doch peinlich und ärgerlich. Aber sonst kommentiert Strunz die deutsche Innenpolitik auch immer nur im wichtigen Sat.1-Politmagazin “Sat.1-Frühstücksfernsehen”. Da sollte er wieder hin.

Eigentlich drängten ja die vier übertragenden Sender auf zwei TV-Duelle. Obwohl es erstaunlich gut funktionierte, ist es doch ziemlich bekloppt, dass Merkel und Schulz gleich vier Moderatoren gegenüber stehen. Was aber eben daran liegt, dass vier Sender übertragen, und jeder Sender seinen Vertreter schicken wollte.
Gäbe es zwei TV-Duelle, liefe eines vermutlich nur bei ARD und ZDF und das zweite bei RTL und Sat.1. Dass gerade die auf Duell Nummer 2 drängen, mag wohl vor allem an den Einschaltquoten zu liegen: Wenn vier (mit phoenix fünf) Sender dasselbe zeigen, schalten die allermeisten Zuschauer Das Erste ein. So auch am Sonntag. Mehr als 16 Millionen Zuschauer waren dabei, allein mehr als 9 Millionen im Ersten. Das ZDF folgte mit weitem Abstand und 3,7 Millionen. Für RTL sah es mit gut 2 Millionen schon düster aus, bei Sat.1 waren es nicht mal eine Million. Die Privaten haben in Deutschland – leider zu recht – eben keine Bedeutung, wenn es um Informationssendungen geht.