Tagesarchiv für 20. August 2017

RTZapper

Flieg mit mir!

Sonntag, den 20. August 2017
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FR 18.08.2017 | 18.50 Uhr | Das Erste

Das Erste ist am Freitagabend ein echtes Kunststück gelungen. Dort lief am Freitagabend die erste Folge der neuen Spielshow “Flieg mit mir”. Eine Mischung aus Singlebörse und Reisequiz, und das Kunststück bestand darin, dass sie wirkte, wie eine Sendung aus den 90ern. Aber eine, die in den 90ern schon muffig und langweilig wirkte.

Das angeblich spannende an “Flieg mit mir”: Die Kandidaten erfuhren erst während der Sendung, mit wem sie spielen. Ein wenig sollte das wie die Kuppelshow “Herzblatt” wirken, allerdings ist es dann doch nicht sehr spannend, wenn zwei Frauen nebeneinander stehen und der Kandidat sich eine aussucht. Es folgen ein paar Quizfragen, womit sich die ARD im eigenen Haus bei “Wer weiß denn so was” bedient hat. Und am Ende musste sich das Gewinnerpaar entscheiden, ob sie gemeinsam verreisen wollen oder das Geld nehmen.

Nun weiß man nicht, ob es im Studio besonders heiß war, ob die alle irgendwelche Drogen genommen haben oder ob alle Beteiligten es schlicht langweilig fanden, was sie da tun: “Flieg mit mir” ist bedrückend lahmes Fernsehen ohne wirkliche Ideen, ohne ein Gespür für modernes Fernsehen. Moderator Guido Cantz tut auch nichts dafür, das Ding ein bisschen aufzupolieren. Spiel und Spaß für Oma und Opa – aber die werden das vermutlich auch für eine Wiederholung aus dem vergangenen Jahrhundert halten.

RT im Kino

Tigermilch

Sonntag, den 20. August 2017
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“Tigermilch” ist der etwas andere Berlin-Film. Er zeigt weniger die Touristenmeilen, es gibt keinen Weichzeichner bei Sonnenuntergängen über dem Prenzlauer Berg oder Fahrten an der Siegessäule vorbei. Stattdessen erleben wir die Kurfürstenstraße und die Wohngebiete drumherum. Hinterhauswohnung statt Dachloft.

Nini (Flora Thiemann) und Jameelah (Emily Kusche) sind beste Freundinnen, und für die Sommerferien haben sie einen Plan. Das Projekt Defloration. Sie wissen auch schon, wer die beiden Jungs sein sein, die die Ehre haben.
Sie streifen durch die Stadt. Im freibad nehmen sie Kontakt mit den Jungs auf. Auf der Kurfürstenstraße üben sie schon mal, wie man später eventuell auf den Strich gehen könnte und Männer abzockt.
Aber es gibt auch Schwierigkeiten. Denn Jameelah und ihre Mutter kämpfen gerade um ihre Einbürgerung, und irgendwie sieht es schlecht aus. Und bei den Nachbarn herrscht Krieg – der mit einem Mord endet, den die beiden Mädchen zufällig mit ansehen müssen. Werden sie der Polizei melden, was geschehen ist?

In den Jugendfilm “Tigermilch” hat Ute Wieland ziemlich viele Geschichte reingepackt, und manchmal wirkt er deshalb auch überfrachtet. Da ist die Mädchenfreundschaft und die Sache mit den Jungs. Die Abschiebeproblematik und der Konflikt in der Nachbarfamilie. Das alles muss erst mal in etwas mehr als anderthalb Stunden abarbeitet werden, und hin und wieder ist es dann auch – besonders am Ende – ein wenig dick aufgetragen.
Dennoch: Die Hauptdarstellerinnen sind sympathisch, man fiebert mit ihnen mit, nicht alles muss man gutheißen. Dieser Film ist selten brav, Konventionen werden fallengelassen. Die (im Film) 14-Jährigen Mädels rauchen, sie haben früh Sex, sie nehmen Drogen. Für die Moral muss der Zuschauer schon selbst sorgen – oder sie selbst bei sich ausloten. Der Film erzieht nicht, er beobachtet, und das ist gut so.

Tigermilch
D 2017, Regie: Ute Wieland
Constantin, 106 Minuten, ab 12
7/10

RTZapper

Wir lieben Fernsehen!

Sonntag, den 20. August 2017
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DO 17.08.2017 | 20.15 Uhr | ZDF

Wolfgang Stumph schien ein bisschen angesäuert zu sein, und das übrigens vollkommen zu recht. Das ZDF feierte am Donnerstagabend erstmals 50 Jahre Farbfernsehen. In vier Folgen “Wir lieben Fernsehen!” soll nun gefeiert werden.
Allerdings, und einem der Gäste fiel es irgendwann auch auf: Wolfgang Stumph merkte mitten in der Sendung an, dass man ja auch in der DDR ein Fernsehen hatte und Serien und Shows schaute.
Beim ZDF schient man das irgendwie vergessen zu haben. Blöde Sache, das.

Die DDR ist nicht mehr. Aber es gab sie mal, und sie gehört zur deutschen Geschichte. In den Köpfen vieler Fernsehredakteure scheint das 28 Jahre nach dem Mauerfall immer noch nicht angekommen zu sein. In Folge 1 von “Wir lieben Fernsehen!” kam die DDR schlicht nicht vor – bis auf einen kleinen Ausschnitt aus einer Show namens “Showkolade”, aber auch die nur, weil der Gast Wolfgang Stumph darin aufgetreten war.

Die Moderatoren Johannes B. Kerner und Steven Gätjen lachten Stumphs Anmerkung ein bisschen weg. Aber es war ein sehr peinlicher und wahrhaftiger Augenblick.
Im Serien-Rückblick musste Wolfgang Stumph die Stichworte liefern. Denn zum deutschen Farbfernsehen gehören nicht nur “Die Schwarzwaldklinik”, “Der Bergdoktor” oder die “Lindenstraße”. Sondern auch “Zahn um Zahn”, der “Polizeiruf 110″ oder “Bereitschaft Dr. Federau”. Aber dazu hätte man ja noch ein bisschen mehr recherchieren müssen.

Aber vielleicht war der Arbeitstitel der ZDF-Show in Wirklichkeit: “Wir lieben Westfernsehen!”