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Sie mag das Leben auf dem Dorf

Lisa Andreß (22) ist diesjährige Erntekönigin in Bärenklau – schon als Kind saß die künftige Lehrerin auf einem Wagen beim Umzug

MAZ Oberhavel, 19.8.2017

Bärenklau.
Irgendwann ist jede mal dran. Das ist keineswegs negativ gemeint. Denn Erntekönigin zu sein, das ist in Bärenklau eine wirkliche Ehre. In diesem Jahr heißt die Hoheit Lisa Andreß. Die 22-Jährige lebt im Dorf, seit sie vier Jahre alt war. „Ich bin damals mit meinen Eltern hier rausgezogen, ich bin in Berlin geboren worden“, erzählt sie.

Sie wird am Freitagabend, 8. September das Erntefest auf dem Remontehof eröffnen. „Ich bin mit diesem Fest groß geworden“, erzählt sie. Als sie in die Bärenklauer Kita ging, da nahm sie das erste Mal am Ernteumzug teil. Damals hatte „das lustige Bärenvölkchen“ nämlich noch einen eigenen Wagen. „Das war total cool“, erinnert sich Lisa Andreß. Inzwischen ist sie lange nicht mehr beim Umzug mitgefahren, was für sie natürlich noch ein Grund mehr ist, sich auf das Fest in drei Wochen zu freuen.

Sie ging auf die Vehlefanzer Nashorn-Grundschule. ihr Abi machte sie am Runge-Gymnasium in Oranienburg. „Ich will Lehrerin werden“, sagt sie. Sie studiert in Berlin Chemie und Geschichte auf Lehramt. „Chemie war in der Schule mein Lieblingsfach. Ich hatte da eine tolle Lehrerin.“ Schon lange hatte sie als Schülerin mit dem Gedanken gespielt, Lehrerin zu werden. Als Zweitfach im Studium hat sie sich dann für Geschichte entschieden. „Das ist der perfekte Ausgleich zur Chemie, und es ist eine Kombination, die nicht so häufig vorkommt.“ Insbesondere Chemielehrer werden händeringend gesucht, weiß sie. Am liebsten würde sie später in der Oberhavel-Region in der Oberstufe unterrichten.

Nun aber hat sie erst einmal andere Aufgaben zu erledigen. Sie repräsentiert Bärenklau. Als sie ihren Freunden erzählte, was ihr im September bevorsteht, war erst mal die große Frage: Bist du überhaupt der Typ dafür? „Vom Prinzip her ist das mein Ding“, sagt Lisa Andreß. Weniger wegen des Kleidchens und der Krone. Aber sie war selbst schon mal Erntehelferin in Südtirol, auf dem Hof von Bekannten. Sie sei sehr naturverbunden, sagt sie auch. Auf ihrem Hof in Bärenklau sind eigenes Obst und Gemüse angebaut, auch Kräuter. „Wir haben da in diesem Jahr erstaunlich viel geerntet“, sagt die 22-Jährige. „Für uns war der viele Regen zum Glück nicht so schlimm.“

Bärenklau sei unbestritten ihr Zuhause. „Es ist hier unglaublich ruhig.“ Nicht, wenn man direkt an der Autobahn wohnt, die den Ort durchkreuzt, aber schon am Remontehof sei es sehr still. „Das familiäre Zusammenleben mag ich hier sehr.“ Der Freundeskreis habe sich über viele Jahre nicht groß geändert. „Es herrscht ein großer Zusammenhalt im Dorf. Vielleicht auch, weil man ja hier viel weniger machen kann. Ich bin ziemlich oft mit dem Rad unterwegs gewesen.“ Sie haben als Kinder Höhlen gebaut und mussten sich keine Sorgen machen. „Hier ist eben nie was passiert. Man kann mit dem Rad überall hin fahren.“ Mit 15 bekam sie ein Mofa und konnte dann schon mal weiter weg fahren. Sie habe es aber bislang nie bereut, Bärenklau nicht verlassen zu haben.
Nebenher spielt sie Handball beim SV Eichstädt und fährt Schlauchbootslalom beim Wassersportclub Möwe in Oranienburg.

Am meisten freut sie sich auf den Ernteumzug. Ihre kurze Rede muss sie noch schreiben, in der Hinsicht ist sie ziemlich nervös. Aber auch das Dackelrennen am Sonntag ist für sie ein echter Höhepunkt. „So etwas gibt es ja nicht so oft“, sagt die Erntekönigin. „Ich mag dieses Spektakel.“ Auch viele Freunde von ihr haben schon angekündigt, zum Fest zu kommen – schließlich wollen sie Lisa Andreß auch mal als Königin erleben.

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