Tagesarchiv für 16. August 2017

RTelenovela

B denkt, dass er tuckert, tut er aber nicht

Mittwoch, den 16. August 2017
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Kürzlich habe ich mich ja an dieser Stelle über tuckernde Berliner auf Brandenburger Straßen echauffiert. Vielleicht hat derjenige das ja gelesen und ist gleich nervös geworden.

Auf der L170 zwischen Germendorf und Sommerswalde. Im Wald gilt Tempo 80, und als ich mich dem Auto mit dem B-Kennzeichen langsam nähere, blinkt mein Vorfahrer rechts und wird ein wenig langsamer. Es ist das Zeichen, dass er entweder rechts abbiegen will (aber wohin?) oder dass ich überholen kann.
Allerdings: ich will gar nicht überholen, denn der Berliner fährt Tempo 80.
Er blinkt noch mal, aber ich überhole nicht. Inzwischen beschleunigt der Fahrer wieder, fährt inzwischen fast 90. Keine Ahnung, warum ich ihn hätte überholen sollen.

Am Sommerswalder Dreieck gilt dafür Tempo 50. Während ich abbremse, düst der Berliner relativ zügig durch und entfernt sich wieder von mir.
B tuckert eher nicht.

RT liest

James Hankins: 60 Sekunden

Mittwoch, den 16. August 2017

Perfide! Ein schwarz bekleideter Mann mit Maske taucht plötzlich in fremden Wohnzimmern auf. Seine Stimme ist verstellt – er kommt als Actionheld Galaxo. Er hat eine Eieruhr dabei und gibt seinem Opfer eine Wahlmöglichkeit. Allerdings: Beide Möglichkeiten sind bestialisch.
Bei Peter Lisbon zum Beispiel: Er hat die Wahl, das Gesicht mit Salzsäure weggeätzt zu bekommen oder ihm werden beide Füße abgesägt. Er hat eine Minute, sich zu entscheiden.
Galaxo treibt immer weiter sein Unwesen, er sucht sich immer neue Opfer, und immer sind die Auswahlmöglichkeiten schlimmer, brutaler – sogar tödlich.
Detective John Spader will diesen Fall lösen. Aber sein Team und er haben große Probleme, denn durch die Maske und die verstellte Stimme macht es der Täter den Ermittlern extrem schwer. Aber es gibt dennoch Anhaltspunkte, und haarig wird es, als Spaders Familie involviert wird.

James Hankins schildert in seinem Thriller “60 Sekunden” von grauenvollen Taten. Die Idee ist spannend, die Umsetzung leider streckenweise mau. Gerade in der ersten Hälfte verliert sich der Autor in ewigen Erzählungen von Szenen und Dialogen, die die Handlung nicht von der Stelle kommen lassen. Es sind Ermittlungsdetails, die der Autor hätte gut und gerne weglassen können. Das hätte der Story sehr viel mehr Tempo gegeben.
So wird es tatsächlich auch erst im letzten Drittel spannender, wenn auch der Leser wirklich mitfiebern kann, wer sich hinter Galaxo verbirgt. Ein bisschen Plump ist dann leider aber wieder die falsche Fährte, die der Autor später legt, das hätte noch ein bisschen raffinierter sein können.
Insgesamt: Guter Plot, sehr durchschnittliche Umsetzung.

James Hankins: 60 Sekunden
Piper, 461 Seiten
5/10

RTZapper

Frag selbst

Mittwoch, den 16. August 2017
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SO 13.08.2017 | 23.15 Uhr | tagesschau24

Der Fernsehwahlkampf 2017 kommt nun langsam auch in die heiße Phase, und es ist spannend, wie die Sender versuchen, ihre verschiedenen Zielgruppen für Politik zu begeistern.
Wer da zum Beispiel denkt, dass sich ARD und ZDF immer noch nur an die Älteren richtet, der irrt.

Auf tagesschau24 lief am späten Sonntagabend das Format “Frag selbst”. Im ARD-Hauptstadtstudio begrüßte Tina Hassel die AfD-Politikerin Frauke Petry. Allerdings war es nicht Tina Hassel, die die Fragen stellte. Es waren die Nutzer der Facebook-Seite der “Tagesschau”. Tina Hassel war nur dazu da, die Fragen der Zuschauer zu stellen.
Und so ging es um die Frage der Flüchtlinge und was die AfD dazu denkt. Es ging um die Reichensteuer, um das Verhältnis der AfD zur Demokratie und um die EU. Bestes interaktives Fernsehen.

Nun kann man natürlich fragen, warum so was auf einem Spartenkanal am späten Abend versendet wird.
Dass es “versendet” wird – da ist sogar was dran. Aber eigentlich lief “Frag selbst” am selben Abend bereits live um kurz nach 19 Uhr. Aber nicht im Fernsehen, sondern auf Facebook – per Livestream auf der “Tagesschau”-Facebook-Seite.
Heißt: Die ARD wartet nicht nur darauf, dass man sie einschaltet. Man geht auch dorthin, wo die Leute sind – im Internet, auf Facebook. Und wenn dort noch ein Format wie “Frag selbst” über die Bühne geht, wo die Leute zwar nicht ungefiltert, aber durchaus direkt ihre Fragen los werden kann, dann kann das nur positiv sein.