Tagesarchiv für 12. Juli 2017

RTZapper

Anne Will: Zehn Minuten Störung

Mittwoch, den 12. Juli 2017
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SO 09.07.2017 | 21.45 Uhr | Das Erste

Da hatte doch bestimmt die Regierung die Hand im Spiel. Die Regierung nämlich, die mag es gar nicht, wenn im Staatsfunk namens ARD regierungskritische Fragen gestellt werden. Dann kommt nämlich Angela “Mutti” Merkel persönlich in den Schaltraum der ARD und rupft das Kabel mit der Sendeleitung raus. So ist es doch bestimmt am Sonntag geschehen – bei “Anne Will” mit Anne Will im Ersten.

Wegen des G20-Gipfels unterbrach Anne Will ihre Sommerpause. Am Sonntagabend diskutierte sie die Ergebnisse und die Krawalle rund um Chaoswochenende in Hamburg.
15 Minuten nach Sendungsbeginn, gerade stellte Anne Will dem verschwitzten Peter Altmeier eine kritische Frage, er will gerade antworten, da ist der Bildschirm plötzlich schwarz. Ganze zehn Minuten lang gibt es dann eine Störungstafel nebst nerviger Störungsmusik.

Jahaaa, sagen da die Verschwörungstheoretiker, da wollte doch jemand in der Regierung nicht, dass Kritik geübt wird. Da hatte doch jemand seine Finger im Spiel – nur so könne es gewesen sein.
Und die meinen das ernst. Schließlich habe unsere Regierung ja etwas zu verbergen.

Ja, natürlich, und deshalb wäre unsere Regierung auch so abgrundtief dämlich, jemanden zu schicken, der eine Sendung abschaltet, weil sie zu kritisch sei. Als ob so was nie rauskäme. Als ob das überhaupt so einfach möglich wäre. Oder wissen Politiker so genau, wo sie überhaupt hinmüssen, um in der ARD irgendwas abzuschalten?

Stattdessen waren es massive Leitungsprobleme, hieß es seitens der ARD. Die eigentliche Leitung fiel schon zu Beginn aus, die Ersatzleitung dann 15 Minuten danach.

Dass da jemand eingegriffen hat, ist natürlich Unsinn. Dennoch gibt es Merkwürdigkeiten: Wenn zehn Minuten eine Leitung ausfällt, warum gab es dann kein Ersatzprogramm? Irgendwelche Trailer wird man doch einschieben können?
Aber vor allem: Anne Will und ihre Gäste machten während der ewigen Störung einfach weiter. Obwohl gar keiner zuschaute, außer die Leute im Studio. Warum brach man nicht ab? Warum befeuert man den Verschwörungstheorien, in dem man sagt, es wurde schon mal weiter gesprochen? Hätte man die zehn Minuten eben hinten rangehangen.
Diese Antworten gaben die ARD-Verantwortlichen bislang nicht.

Immerhin: In den Wiederholungen der Sendung nachts im Ersten und am nächsten Abend auf tagesschau24 gab es dann die kompletten Sendungen.

RTelenovela

Rügen 2017 (7): Eiskalt geklaut

Mittwoch, den 12. Juli 2017
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(6) -> 11.4.2017

Es ist erschreckend, was alles heute geklaut wird. Und vor allem, was geklaut wird, ohne dass es irgendjemand merkt.
Direkt an der Strandpromenade in Binz gibt es ein kleines Lädchen. Es ist der Ableger der Waffelstube an der Hauptstraße. Ihr wisst schon, der Laden, in dem es die allerbeste Waffel der Welt gibt. Gerade feierte die Waffelstube ihr 20. Jubiläum. Und ich dachte, das Ding gibt’s schon länger.
Es gibt dort neben den Waffeln aber auch leckere Crepes und leckeres Softeis.

Auf Letzteres hatten es Diebe an der Strandpromenade abgesehen. Dort haben sie jüngst nämlich gleich die komplette Eismaschine rausgeklaut.
Nun ist so ein Ding ja nicht gerade leicht. Das muss geplant werden. Die Diebe können nur mit einem Auto vorgefahren sein, und niemandem ist das aufgefallen. Aber vielleicht auch deshalb nicht, weil es ja hätte sein können, dass die Ladenbetreiber selbst dort zugange seien.

Was aber macht man denn mit einer Eismaschine? Selbst Eis essen? Ist ja nicht gerade unaufwendig, so was zu betreiben. Oder will man das verkaufen? Und kauft irgendjemand einfach so eine Eismaschine?

RT liest

Daniel Höra: Gedisst

Mittwoch, den 12. Juli 2017
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Schwedt: Viel passiert nicht in der kleinen Stadt am Rande von Brandenburg. Alex und seine Freunde hängen rum.
Alex hat einer Frau, der er geholfen hat, 50 Euro geklaut. So weit, so schlecht. Aber dann kommt es ganz dicke: Die Frau wird kurze Zeit später erschlagen in ihrer Wohnung aufgefunden.
War es Alex? Der Verdacht fällt auf ihn. Es gibt Vorverurteilungen, sogar Demos. Alle sind sie gegen ihn, obwohl nichts bewiesen ist.
Aber immerhin bekommt ihr doch unerwartete Hilfe. Zwei Freunde wollen seine Unschuld beweisen.

“Gedisst” heißt der Roman von Daniel Höra. Der Autor schreibt immer wieder über gesellschaftliche Missstände. Seine Jugendromane spielen an den Brennpunkten unseres Landes.
So auch diese Geschichte: über Jugendliche, die sich in Schwedt im Abseits empfinden. Über einen jungen Mann, der sich mit einer kritischen Masse und Vorwürfen auseinander setzen muss.
Leider gehört “Gedisst” aber nicht zu Höras besseren Romanen. Man wird als Leser seltsamerweise kaum in die Geschichte hineingezogen, was vor allem am etwas wirren und unentschlossenen Anfang liegt.

Daniel Höra: Gedisst
bloomoon, 224 Seiten
5/10