Tagesarchiv für 20. Juni 2017

RTZapper

Lorelei und Luke: Anonyme Beratung

Dienstag, den 20. Juni 2017
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MO 19.06.2017 | 22.30 Uhr | Astro TV

Einfach mal den Mund halten. Ein bisschen schweigen. Stille. Entschleunigen. Weg von der Hektik.
Lange, sehr lange Zeit sitzen Lorelei und Luke am Montagabend in ihrem Astro-TV-Studio und sagen nichts. Sie gucken nur und klimpern mit den Augen. Luke nuschelt irgendwas und schweigt dann wieder. “Das ballt sich gerade”, flüstert Lorelei später und kritzelt etwas auf ihre Unterlagen.

Lorelei und Luke sind hellhörend und hellfühlig. Bei Astro TV können die Zuschauer anrufen, bei der “Anonymen Beratung” sind sie allerdings für die Zuschauer nicht zu hören. Durch Lorelei und Luke können sie Kontakt mit Verstorbenen aufnehmen.
Was für ein Service!

Während Lorelei und Luke weiter schweigen, wird Lorelei schon von zwei Verstorbenen heimgesucht. Sie erzählt, dass, seit die beiden in Berlin seien ganz schön was los sei. Die Verstorbenen haben wohl verspürt, dass die Hellseher in der Hauptstadt angekommen sind. Zwei seien gerade extrem, sagt Lorelei, nun fehlen ja nur noch die passenden Anrufer.
Nach langem Warten gibt es dann tatsächlich ein Gespräch. Lorelei spricht anonym mit jemandem – wir hören den Anrufer nicht. Es geht um den Vater, und natürlich ist der Vater schon im Studio. Lorelei spürt ihn ja schon seit Minuten. Sie erzählt vom Leiden des Verstorbenen, wie schwer alles war und wie gut nun alles ist. Lorelei musste nicht mal fragen, wer dran ist am Telefon. Sie wusste es schon.

Nun gut, irgendwie ist es ja schön für Lorelei und Luke. Selbst wenn sie sich morgens am Frühstückstisch angeödet anschweigen, dann sind sie immer umgeben von Toten, die sie belagern und bequatschen.

Aber halten wir mal fest: Da behauptet die Hellfühlige, es sei ein bestimmter Toter im Raum. Da ruft danach also genau die passende Angehörige im Studio an, und die hellfühlige weiß alles über den Toten und erzählt darüber.
Der Zuschauer hört nicht, wer da dran ist am Telefon und ob überhaupt jemand dran ist. Vielleicht hat ja Lorelei auch nur ein Selbstgespräch geführt.
Ist das seriös? Kann man das glauben? Astro TV tut jedenfalls recht wenig dafür, es glaubwürdig rüberkommen zu lassen. Transparenz ist was anderes.
Und ich kann mich auch vor eine Kamera setzen, mit wichtigem Gesicht Notizen machen und dann mit, ähm, jemandem zu sprechen, dessen toter Verwandter angeblich gerade im Studio ist.
Ja, nee, is’ klar.

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RTZapper

Feuersteins Nacht

Dienstag, den 20. Juni 2017
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SA 17.06.2017 | 1.40 Uhr (So.) | WDR

Es war der 7. September 1997, als der WDR etwas sehr Außergewöhnliches auf Sendung schickte. Herbert Feuerstein meldete sich aus einer Kölner Dachgeschoss-Wohnung und sendete von dort zwölf Stunden lang live – von 20 Uhr am Abend bis 8 Uhr am Morgen. “Feuersteins Nacht” hieß dieses Experiment.

In der Nacht zum Sonntag wiederholte der WDR Auszüge aus dieser Show – wohl erstmals nach fast 20 Jahren. Anlass war der 80. Geburtstag von Herbert Feuerstein in dieser Woche.
Die Sendung damals muss extrem aufwändig und teuer gewesen sein. Denn von der Dachwohnung und -terrasse aus kommunizierte Feuerstein mit diversen Nachbarn. Die standen am Fenster oder auf dem Balkon und hatten Telefone, mit denen sie mit Feuerstein sprechen konnten. Kameras fingen die Leute ein. draußen, auf dem Severinsplatz, standen Chöre und andere Leute mit Live-Aktionen. Immer wieder sprach Feuerstein via Bildtelefon (!) – das Internet war nicht nicht ganz so weit – mit Promis. Thomas Gottschalk erzählte von seiner Live-Show, die gerade zu Ende war, Verona Feldbusch meldete sich aus der Badewanne.
Und irgendwann am frühen Morgen ging Feuerstein ins Bett – um zwei Stunden live vor laufenden Kameras zu schlafen.

Klar, alles war ein bisschen behäbig und oft improvisiert. Aber es hatte Charme, es war live, es war sehr außergewöhnlich. 1997 hatte man noch Zeit, Lust, Geld und vor allem die Ideen, solche kleinen, großen Fernsehevents zu produzieren.
So etwas sollte es auch heute noch öfter geben – denn solche Live-Aktionen sind mehr oder weniger das Letzte, was das Fernsehen noch bieten kann, was Netflix-Serien nicht haben.
Sich “Feuersteins Nacht” von 1997 im Jahr 2017 noch einmal anzusehen, ist nicht nur Nostalgie, sondern für Fernsehmacher auch ein Ansporn.

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RTelenovela

Zehn Jahre Spargelhof

Dienstag, den 20. Juni 2017
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Zehn Jahre Spargelhof in Kremmen – und ich hatte die Ehre, das Bühnenprogramm zum Jubiläum moderieren zu dürfen. Und das auch noch mit einem Antenne-Brandenburg-Mikrofon. Denn als Hauptsponsor des Events war der rbb-Sender natürlich auch sichtbar auf dem Hof vertreten, und ich moderierte gemeinsam mit Antenne-Mann Detlef Olle.

Wenn man im Vorfeld genug Zeit hat und sich absprechen kann, dann macht eine Doppelmoderation richtig Spaß. Ich habe das zu schätzen gelernt, denn immerhin habe ich gut 18-mal gemeinsam mit meinem Kollegen Dietmar Ringel den Brunchtalk im Theater “Tiefste Provinz” moderiert.

Das Fest in Kremmen war bemerkenswert. Fast das gesamte Team hat heimlich ein Geburtstagslied einstudiert, das dann am Nachmittag uraufgeführt worden ist. Das zeigt, dass die Stimmung dort nicht ganz so schlecht sein kann. Torte gab es auch, und natürlich sah die aus wie ein Spargel.
Frank Zander hat mit seinen Songs am Nachmittag die Massen aufgemischt, und als er auf der Bühne stand, herrschte auf dem Hof allerbeste Laune. Und am Autogrammtisch warteten danach die Leute darauf, dass sie endlich mit ihrem Frank sprechen konnten.

Zum Schluss gab es dann noch leckeren Spargel mit Schnitzel, Kartoffeln und Soße. Der lange Tag endete also auch noch genussvoll.
Seit 2007 gibt es den Hof mit der jetzigen Bewirtschaftung, 2008 wurde der erste Spargel angebaut, die erste richtige Ernte folgte 2010. Seitdem ist der Kremmener Spargel eine Marke in der Region. Und die ist schon so verankert, dass man meinen könnte, es gibt diesen Spargel aus Kremmen schon seit Ewigkeiten.

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RT im Kino

Berlin Rebel High School

Dienstag, den 20. Juni 2017
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Sie waren schon auf normalen öffentlichen Schulen. Sie sind dort aber nicht so richtig klar gekommen. Sie wurden dort gemobbt, sie waren überfordert oder, ja, sie waren manchmal auch einfach nur faul.
Hanil zum Beispiel. Schule war für ihn lästig. Er brach ab. Alex kam mit dem Zwang zur Disziplin nie klar. Lena konnte mit Regeln auch nie etwas anfangen.
Nun aber ist ihnen klar: Sie wollen es noch mal versuchen. An einer öffentlichen Schule ist das aber kaum möglich, denn da würde ja alles von vorn losgehen, und für Gymnasien gibt es Altersbegrenzungen.
Sie besuchen stattdessen die Schule für Erwachsenenbildung (SFE) in Berlin. Es ist eine besondere Schule: Sie wird nicht gefördert, sie muss sich allein tragen. Alle – Lehrer und Schüler – sind Mitglied im Verein. Heißt auch: Die Lehrer werden von den Schülern bezahlt, über alle Fragen wird abgestimmt. Es gibt keinen Zwang, keine Noten. Und das seit 1973.

“Berlin Rebel High School” begleitet so eine Klasse drei Jahre lang. Wir erfahren, warum die Leute dort sind, was sie für eine Geschichte haben, welche Ziele sie verfolgen. Wir sehen die Euphorie, den Frust. Denn natürlich läuft es – trotz der Nicht-Zwänge – nicht immer optimal. Wir lernen aber auch die Lehrer kennen, die gelassen, aber dennoch extrem engagiert sind.
Alexander Kleider ist es gelungen, eine sehr spannende Doku zusammenzustellen. Allerdings hatte er auch großes Glück mit seinen Protagonisten, die den Zuschauer mitfiebern lassen. Fortschritte und Rückschläge.
Nicht ganz haltbar ist allerdings die These, die Kleider, der selbst auf der SFE war, aufstellt. Dass diese Schule ein Vorbild für andere, für das öffentliche Schulsystem sein könnte. Denn es lässt sich schwer übertragen – denn normalerweise gehen die Schüler ja nicht freiwillig dorthin. Die jungen Leute im Film haben bereits eine längere Geschichte hinter sich und sind keine pubertären Pennäler.
Was der Film ebenfalls versäumt: Er verschweigt, wie viele Schüler dieser Klasse es denn letztendlich geschafft haben, ihr Abi zu bekommen. Denn am Ende konzentriert er sich auf einen kleinen Kern der Gruppe. Was mit den anderen passiert, bleibt offen. Wie überhaupt offen bleibt, wie hoch die Abi-Quote an der SFE ist. Das wäre eine wichtige, einordnende Info gewesen.
Aber dennoch: Eine erhellende, packende, spannende, traurige und lustige Doku.

Berlin Rebel High School
D 2016, Regie: Alexander Kleider
Neue Visionen, 91 Minuten, ab 0
8/10

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RTZapper

Sondersendung zum Tode von Helmut Kohl

Dienstag, den 20. Juni 2017
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FR 16.06.2017 | 20.15 Uhr | Das Erste

Woran denkt man beim Fernsehen, wenn ein wichtiger Politiker gestorben ist? Das Erste hat darauf am Freitagabend eine sehr bemerkenswerte Antwort gefunden. Die “Sondersendung zum Tode von Helmut Kohl” zur besten Sendezeit im Ersten und zeitgleich im SWR-Fernsehen, begann mit der wichtigsten Frage, die anlässlich des Ablebens dieses Mannes zu klären ist: Was ist eigentlich auf der Straße von Kohls Haus in Ludwigshafen-Oggersheim los?

Die Sendung begann tatsächlich mit einer Schalte zu einer Reporterin, die nervös herumhaspelte, dass nach der Todesnachricht in der Straße am Kohl-Privathaus ziemlich viel los ist. Schön, dass wir das mal erfahren haben und die ARD das eine herrlich sinnlose Reporter-Schalte wert war.

Es folgten viele Rückblicke auf Helmut Kohls Leben, viele Interviews mit Wegbegleitern und noch mehr rückblickende Beiträge. Um 21 Uhr war dann eigentlich alles gesagt. Die Sendung war zu Ende und wurde im Südwest-Dritten dann von einem “SWR spezial” abgelöst, in dem noch einmal Rückblicke und Interviews gesendet worden sind. Im Ersten gab es zeitgleich eine rückblickende Doku, in dem noch einmal vieles von dem erzählt worden ist, was gerade schon in der Sondersendung ein Thema war.

Auch wenn es um Kohl ging, und auch wenn er ein wichtiger Mann war: Manchmal ist dann doch weniger mehr. Oder soll ich an dieser Stelle auch noch mal von vorn anfangen?

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