Monatsarchiv für Juni 2017

RTelenovela

Katastrophe aus der Ferne

Freitag, den 30. Juni 2017
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“Wann kommt die Flut?”, fragten vor fast 20 Jahren Witt und Heppner. In Oranienburg ist die Frage beantwortet. Die Flut kam am Donnerstag. Erst von oben, dann von unten, aus der Kanalisation.

Als ich Oranienburg verließ, hörte man schon ein Donnergrollen. Als ich auf dem Berliner Ring unterwegs war, sah ich die schweren Wolken. Es regnete jedoch nicht – erst in Thüringen, aber auch da so heftig, dass der Verkehr fast stoppte.
Und am Mittag begann es dann in Oranienburg zu regnen. Und hörte nicht mehr auf.
Ich war inzwischen weit weg und las auf What’s App immer nur die aktuellen Nachrichten. Zu Hause lief der Keller voll, bei den Nachbarn so hoch, dass das Wasser fast zur Decke reichte.
Später stand ich irgendwo in Hessen und las auf dem Handy, was auf Facebook zu lesen war. Videos, Bilder und Statusmeldungen. Zum Heulen.

Die Stadt war lahm gelegt. Straßen überflutet, viele Keller vollgelaufen.
Ausnahmesituation.
Für mich als Oranienburger fast unerträglich, dass ich so weit weg bin, wenn in der Heimat die Katastrophe losbricht. Dass ich zu Hause nicht helfen kann, wo zu helfen ist.
Und als Nachrichtenmann sowieso. Trotz Urlaubs wäre ich ins Büro gegangen. Es hätte viel zu tun gegeben.
Den Leuten daheim wünsche ich viel Kraft.

RTZapper

rbb spezial: Land unter – Starkregen in Berlin und Brandenburg

Freitag, den 30. Juni 2017
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DO 29.06.2017 | 20.15 Uhr | rbb

Und der rbb ist eben doch der Hauptstadtsender. Wenn es um die aktuelle Berichterstattung geht, dann geht Berlin eben doch sehr weit vor Brandenburg – selbst wenn die Nachrichtenlage ganz anders ist.

Noch am Abend behauptete der rbb, dass in Brandenburg gerade mal bis zu 80 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen seien. In Berlin waren es weit mehr als 100. Im “rbb spezial” ging es dann natürlich erst mal um Berlin. Darum, dass beim rbb selbst Sturzbäche die Treppen runter liefen. Dass Straßen überflutet wurden. Und so weiter. Dazu noch ein Interview mit einem Berliner Feuerwehrmann.
Und Brandenburg? Da gab es ein paar Bilder aus Südbrandenburg. Eine geflutete Straße. Und Bilder aus Cottbus, wo kaum was runter kam.

In Oranienburg aber ging die Welt unter. 224,8 Liter Wasser pro Quadratmeter kamen da bis zum Abend runter. Einsamer Rekord – auch an diesem Tag. Dem rbb war das kein Wort wert – da musste man schon bis zu den “Tagesthemen” im Ersten warten. Oder zu n-tv schalten, wo diese Zahlen sogar im roten Nachrichten-Tickzer standen.
Ist das Ignoranz? Weiß man es nicht besser? Hört man sich nicht im Land um? Hatte man keinen, den man mal nach Oranienburg schicken konnte?
War jedenfalls eine große Informationslücke, die der rbb da offenbarte. Oder Berlin war schlicht wichtiger.

ORA aktuell

Rekord-Regen und Flut legen Oranienburg lahm

Freitag, den 30. Juni 2017
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Oranienburg ist am Donnerstag von einem heftigen Unwetter getroffen worden. Am Mittag setzte Starkregen ein, bis zum Abend fielen laut Meteomedia 224,8 Liter pro Quadratmeter. Das gilt als Rekord und ist mehr als doppelt so viel wie in derselben Zeit in Berlin runtergekommen ist.

Die Feuerwehr löste am Nachmittag Großalarm aus. Noch in der Nacht sind laut “NonStop News” noch 250 Einsätze offen gewesen. Viele Keller sind vollgelaufen – entweder wegen der Massenmassen selbst oder weil das Wasser aus der Kanalisation nach oben drückte.

Der Verkehr in der Stadt kam am Nachmittag zeitweise zum Erliegen. Straßen waren überschwemmt. Autofahrer wichen teilweise auf höher gelegene Gehwege aus. Unterführungen wie in der André-Pican-Straße waren noch in der Nacht zum Freitag hüfthoch überflutet. Auch an der ehemaligen Brücke in der Saarlandstraße kam es zu einer Flut. Die Straßen mussten gesperrt werden.
Auf den Straßen, die von der B96 in die Stadt führen, kam es zu langen Staus. Teilweise mussten Autofahrer ihre Wagen stehen lassen und in die Stadt reinlaufen.

Das Landratsamt in der Adolf-Daechert-Straße hat im Keller großen Schaden genommen, berichtet die Märkische Allgemeine. Die Server sind außer Betrieb, die Einrichtung und ihre Außenstellen bleiben am Freitag geschlossen.
Schwere Schäden gibt es auch in der Torhorst-Gesamtschule. Der Sportplatz ist überflutet, große Wasserschäden gibt es wohl auch in Klassenzimmern. Die Schule bleibt Freitag geschlossen. Ebenso schwer getroffen hat es auch die Waldschule. Am Abend war noch unklar, ob die Grundschule Freitag geöffet wird.

Überschwemmt worden sind auch diverse Läden in der Oranienburger City. In der Stralsunder Straße lief das Wasser in den Bäckerladen und in das Drogeriegeschäft.

RTZapper

Schätzen Sie mal!

Donnerstag, den 29. Juni 2017
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MI 28.06.2017 | 16.10 Uhr | Das Erste

Die Fernsehnostalgie geht weiter. Alle Welt schreit nach einer Neuauflage von “Der Preis ist heiß” (und sie wird bei RTLplus wohl kommen), aber die ARD hat sich an eine Sendung erinnert, die schon viel, viel älter ist, allerdings auch “erst” vor 20 Jahren abgesetzt worden ist.
Im Fernsehen der DDR gab es das Quiz “Schätzen Sie mal!”. Es lief von 1974 bis 1997, wurde nach der Wende vom mdr weitergeführt.
Jetzt stellt also jeden Nachmittag Jochen Schropp in einer seltsam grün-grellen Kulisse die Schätzfragen. Das ist ansatzweise nett, aber dann doch zu harmlos, als dass man es sich jeden Tag ansehen will.

Interessant ist aber, dass die ARD ihre Einfallslosigkeit mit diesem Quiz kaschieren will.
Sehr lange liefen auf dem 16.10-Uhr-Sendeplatz Zoodokus, die immer schlechtere Quoten hatten. Also musste irgendwas anderes her. Noch eine Soap?
Man entschied sich für: noch ein Quiz. Weil auf dem 18-Uhr-Platz diverse Quizsendungen grandiose Quoten einfahren, wollte man bei der ARD einen zweiten Slot für solche Sendungen schaffen.
Bisher geht das schief. “Schätzen Sie mal!” hat schlechte Quoten als die Zoodokus davor.

Vielleicht probiert es Das Erste ja demnächst mit einem locker-flockigen Nachmittagsmagazin (ach nein, läuft ja schon in fast allen Dritten). Oder eine Auktionsshow (blöd, hat das ZDF schon). Oder mal ein Kinderprogramm? (Neinnein, das verscheucht das Rentnerpublikum)
Wenn schon Nostalgie, dann können ja bald um 16.10 Uhr wieder Videotexttafeln mit Musik im Hintergrund ausgestrahlt werden. Ich würd’s gucken…

RTelenovela

Fast alles neu am Ostkreuz

Donnerstag, den 29. Juni 2017
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Das Ostkreuz in Berlin galt sehr lange als der letzte DDR-Bahnhof. Dort standen noch die alten Schilder mit dem Ostkreuz-Schriftzug, außerdem die alten Fahrtzielanzeiger, die natürlich alles andere als digital waren.
Seit einigen Jahren wird der Bahnhof umgebaut. Neue Hallen sind gebaut worden, neue Bahnsteige, neue Streckenführungen.
Früher war ich sehr viel öfter mit der Bahn in Berlin unterwegs – inzwischen kaum noch.

Seit einiger Zeit aber fährt eine Regionalbahn direkt zum Ostkreuz, seitdem die Linie RB12 von Lichtenberg weiter dorthin fährt.
Nun nutzte ich einen freien Tag, um mir das neue Ostkreuz anzusehen.

Aus einem DDR-Nostalgie-Bahnhof ist ein moderner Verkehrsknotenpunkt geworden. In der großen Halle, in der rechts und links außen die Ringbahnen fahren, stehen diverse Kioske, am Rand ein 24-Stunden-McDonald’s.

Der untere Regionalbahnsteig ist noch nicht fertig. Denn in Zukunft sollen auch Regionalbahnen am Ostkreuz halten. Weil unten noch alles dicht ist, fährt übrigens die aus Lichtenberg kommende Bahn über einen weiten Bogen nach oben auf die Ringbahn-Strecke.

Viel Nostalgie ist am Ostkreuz nicht mehr zu finden – nur noch am Gleis 8. Dort stehen nämlich immer noch die alten Fahrtzielanzeiger, und nur dort. Wenn die Bahn nach Wannsee raus ist und die nach Spandau kommen soll, dann macht es auf im Anzeiger-Kasten “Klack-klack-klack”, die verschiedenen Schilder werden weitergeblättert, und irgendwann steht dann dort das neue Ziel.
Ich vermute mal, irgendwann werden auch diese Dinger verschwinden. Ein bisschen schade ist das ja schon.

ORA aktuell

Angriff auf Lehrerin an Oranienburger Lindenschule

Mittwoch, den 28. Juni 2017

Polizeieinsatz am Montagvormittag an der Oranienburger Lindenschule. Wie die Polizei mitteilte, hat ein 13-Jähriger eine Lehrerin mit einer Schere angegriffen und ist dann geflüchtet. Die Lehrerin blieb unverletzt.
Die Polizei fand den Jungen später und brachte ihn zunächst zur Schule zurück. Dort ist er den Eltern übergeben worden. Es wurde eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung aufgenommen.

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Podiumsrunde zu Desinformation und Hass in sozialen Netzwerken

Mittwoch, den 28. Juni 2017
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DI 27.06.2017 | Berlin, Quadriga-Forum

Fakenews. Hasskommentare.
Das sind zwei Schlagwörter, die mehr und mehr in Zusammenhang mit dem Internet und mit sozialen Netzwerken genannt werden. Aber ist das Problem wirklich so groß? Und wenn ja, lassen sich diese Probleme irgendwie regulieren?
Darum ging es am Dienstagmittag im Berliner Quadriga-Forum. Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit lud zu einer Podiumsdiskussion ein.

Sie zeigte vor allem, dass man es sich damit nicht einfach machen kann.
Arnd Haller von der Google-Rechtsabteilung erläuterte zum Beispiel, was eigentlich mit strittigen Videos passiert. Und dass die Löschung nicht immer unproblematisch sei. Einem Privatunternehmen sei es nicht zuzumuten, zu entscheiden, ob ein Video verboten werden müsse oder nicht. Als Beispiel nannte er das Böhmermann-Erdogan-Video. Hätte Youtube das Video sperren sollen? Hätte Youtube entscheiden müssen, ob das Video erlaubt ist oder nicht. das müssten Gerichte entscheiden und nicht Youtube, so Haller.

Christian Mihr von “Reporter ohne Grenzen” überraschte ein wenig mit der Aussage, dass Fakenews kaum ein Problem seien – weil die Menschen angeblich so schnell nicht auf Fakenews reinfallen würden. Erst wenn man sie mehr als 30-mal mit so einer falschen Nachricht konfrontieren würde, würden sie sie glauben. Ich mache da leider andere Beobachtungen.
Auch das Problem der Hasskommentare sei kleiner, als viele denken würden. Aber insbesondere Betroffene würden natürlich eine andere Wahrnehmung haben. Dennoch seien es Minderheiten, die solche Kommentare absondern.

Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wies in Sachen Fakenews darauf hin, dass die nicht verboten seien, man müsse aber als Gesellschaft dagegen steuern und besser aufklären.

Die Diskussion war streckenweise sehr interessant. Aber sie hätte wesentlich mehr Biss vertragen können. Auf dem Podium gab es keine wirkliche Gegenrede, nur vereinzelt vom Google-Mann. Es fehlte der Widerpart, denn zu einer guten, erhellenden Diskussion gehört auch ein Disput. Wenn sich letztlich alle einig sind, schmort man auch nur im eigenen Saft, in einer Filterblase, die während der Diskussion sogar ein Thema war.
Die Moderatorin wollte nämlich wissen, ob es schlimm sei, wenn in Filterblasen andere relevante Meldungen ausgeblendet würden. Dabei sind Filterblasen nichts Neues. Wer nicht rechts ist, liest keine rechtslastigen Zeitungen. Wer kein Asylkritiker ist, wird bei Facebook nicht mit “Nein zum Heim…”-Seiten belästigt. Andersrum aber eben genauso. Google-Mann Arnd Haller merkte da völlig zu recht an, dass dies nicht das Problem sei, das man zu bewältigen habe.
Vielmehr müssten Gerichte in die Lage versetzt werden, Urteile zu fällen. Abzuschätzen, was im Netz geht und was nicht. Aber – und das ist auch ein wichtiger Punkt – es ist auch eine Aufgabe für uns als Gesellschaft, gegen Fakenews und Hass im Netz vorzugehen. Es einfach laufen zu lassen, das wäre der falsche Weg.