Tagesarchiv für 6. Mai 2017

aRTikel

Der Mann mit den Gläsern

Samstag, den 6. Mai 2017
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Axel Merkel macht seit 1989 Musik auf ganz besondere Weise, am Donnerstagabend gastierte er mit seinem Programm in Sommerfeld

MAZ Oranienburg, 6.5.2017

Sommerfeld.
Vor Axel Merkel steht ein Tisch mit lauter Gläsern drauf. Der 62-Jährige aus Halle an der Saale hat aber keinen übermäßigen Durst, sondern die Gläser sind seine Musikinstrumente.
Am Donnerstagabend gastierte Merkel (der natürlich nichts mit Angela zu tun hat, wie er am Anfang betonte) im Saal der Sommerfelder Rehaklinik. Eine gute Stunde lang unterhielt er Patienten und auswärtige Gäste. „Es sind Melodien, wo ich denke, dass der eine oder andere sie kennt“, so der Musiker.

Auf dem Tisch vor ihm stehen seine Gläser, alle sind sie unterschiedlich hoch mit einer Flüssigkeit gefüllt. Was genau es ist, will Axel Merkel nicht verraten. „Das ist mein Klangwasser“, sagte er nach dem Konzert. Es kommt danach auch nicht in den Ausguss, sondern Merkel saugt es mit einem Schlauch wieder auf, so dass er es beim nächsten Mal wieder verwenden kann.
Er hat weiße Gummihandschuhe an, die er während des Auftrittes immer wieder unauffällig befeuchtet. Die verschiedenen gefüllten Gläser stehen so, dass er genau weiß, welches Glas welchen Ton trifft – fast wie bei einer Klavier-Tastatur. So beginnt er mit dem Lied vom Chianti-Wein, später kommt noch der Schneewalzer, bei dem die Zuschauer mitsingen und mitschunkeln. Später folgen noch „I will always love you“, Elton Johns „Circle of Life“ und Michael Jacksons „You are not alone“. Zwischendurch hat er noch zwei Eigenkompositionen vorgestellt.
Merkel spielt auf den Gläsern meist die Gesangsstimme, die Musikbegleitung kommt aus der Konserve. „Spielt der wirklich live?“, wollten dann natürlich auch gleich einige der Gäste wissen. „Es ist eine angenehme Pflichtübung, dass ich auch zwei bis drei Lieder ohne Begleitmusik spiele“, so Axel Merkel. So war dann auch das A-capella-„Heidenröslein“ ein kleiner, besinnlicher Konzerthöhepunkt, und fast möchte man sich wünschen, dass der Musiker ein paar Lieder mehr ganz ohne akustisches Begleitorchester zum Besten gibt.

Seit 1989 ist der Hallenser mit den Gläsern unterwegs. Extra zusammenstellen muss er sie nicht. Sowohl die Gläser auch die neun kleinen Mikrofone sind darauf befestigt und werden genau so auch in seinem großen Koffer transportiert. Berufsmusiker ist Axel Merkel noch sehr viel länger. „1977 habe ich angefangen, beruflich Musik zu machen, ich habe in mehreren DDR-Bands gespielt“, erzählt er. In einer Kneipe mit seinen Bandkollegen entstand die Idee der Musik auf Gläsern – die ihn so fasziniert hat, dass er das Ende der 80er zu seinem Hauptjob erklärte.

RT im Kino

Get out

Samstag, den 6. Mai 2017

Schon seit vier Monaten sind Chris (Daniel Kaluuya) und Rose (Allison Williams) ein Paar. Nun will sie ihn endlich ihren Eltern vorstellen. Dass Chris schwarz ist, hat sie ihnen allerdings nicht verraten – und soll angeblich auch kein Problem sein.
Als die beiden in dem Landhaus irgendwo auf dem Land ankommen, scheint alles gut zu sein. Die Eltern sind herzlich. Aber dennoch: Irgendwas stimmt da nicht. Die Gartenmann – schwarz – und die Hausbedienstete – auch schwarz – sind sehr seltsam. Und auch mit der Mutter hat Chris in der Nacht eine merkwürdige Begegnung.

Was dort vorgeht, bleibt erst mal im Unklaren. Fakt aber ist: “Get out” ist ein merkwürdiger, ein außergewöhnlicher Thriller, die Geschichte ist packend und – wenn man sich vorher nicht weiter damit beschäftigt – über weite Strecken unvorhersehbar.
Lang ist sogar unklar, ob es sich bei dem Film von Jordan Peele um eine Satire oder um einen Thriller handelt. Man könnte sagen, er hat beide Elemente, aber aus der Satire wird später durchaus ernst.
Ohne zu viel vorwegzunehmen: Ist der Film zu Ende, überlegt man, ob man eventuell alles mitbekommen hat. Ob man beim zweiten Gucken eventuell Dinge bemerkt, die einem vorher nicht aufgefallen sind.
Der Beginn ist extrem geheimnisvoll und völlig offen, zwischendurch zieht es sich ganz leicht, aber dann wird es sehr, sehr spannend.
Ein Film, der mit den Zuschauern spielt, und das ohne wirklich nennenswerte Effekte. Ein Thriller, der ganz auf die Story setzt. Toll!

Get out
USA 2016, Regie: Jordan Peele
Universal, 104 Minuten, ab 16
8/10

RTelenovela

Der Traum ist vorbei

Samstag, den 6. Mai 2017
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Es gibt diese Momente, da erschrickt man und hält kurz inne.
In der Potsdamer Ausgabe der MAZ entdeckte ich eine Todesanzeige mit einem Namen, der mir sehr bekannt vorkam. Auch weil direkt unter dem Namen eine Comiczeichnung gedruckt ist.
Nach schwerer Krankheit ist Felix Chmura gestorben. Er wurde gerade mal 36 Jahre alt. Kein Alter zum Sterben.

Ich erinnerte mich sofort. Während meines Volontariats in Potsdam traf ich den damals 30-Jährigen. Er erzählte mir von den Comics, die er malt, von seinen Wünschen und Träumen.
Nun ist der Traum aus. Wirklich traurig.

Hier noch mal der Artikel, der am 4. Dezember 2010 im “MAZ extra” in Potsdam erschienen ist.