Tagesarchiv für 3. Mai 2017

aRTikel

Im Sommer geht es zur U-21-Fußball-EM nach Polen

Mittwoch, den 3. Mai 2017
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Jan Seidel (32) aus Schwante ist Schiedsrichter-Assistent und wird in der Bundesliga und bei der Champions League eingesetzt

MAZ Oberhavel, 3.5.2017

Schwante.
Möchte sich Jan Seidel entspannen, joggt er am Vehlefanzer Mühlensee. Weg vom Trubel des Alltags. Am Sonnabend erst stand der 32-Jährige aus Schwante in Leipzig am Fußballfeld: Er ist Schiedsrichter-Assistent, und in diesem Fall überwachte er die Partie zwischen dem RB Leipzig und dem FC Ingolstadt mit.

Er war 14, als seine Karriere als Schiedsrichter begann. „Ich war selbst Spieler bei den Potsdamer Kickers“, erzählt Jan Seidel. In Berlin geboren, wuchs er in Groß-Glienicke auf, zog später nach Hennigsdorf, seit dreieinhalb Jahren lebt er mit seiner Familie in Schwante.
Sein Vater war es, der ihn einst ansprach, ob er nicht Schiedsrichter werden möchte. „Ich habe mich dann dafür entschieden.“ 2001 stand er das letzte Mal als Spieler auf dem Fußballfeld.

Er begann in den unteren Ligen und stieg Jahr für Jahr auf. „Wichtig dafür sind Persönlichkeitsmerkmale, das Alter, absolvierte Lehrgänge oder Lauftests.“ Es wird ein Ranking erstellt, und wer ganz oben ist, steigt auf. Jetzt gerade ist der Schwantener Schiedsrichter-Assistent in der 1. Bundesliga. Aber das ist noch nicht alles: In dieser Saison war er auch bei zwei Champions-League-Spielen als vierter Offizieller dabei, eines in London, eins in Paris.
Ist man da ehrfürchtig? „Man hat eher Respekt“, sagt Jan Seidel. „Man kennt ja die Stadien aus dem Fernsehen.“ Wenn man aber schon in Dortmund, München oder auf Schalke war, habe man ja bereits große Stadien erlebt. Im historischen Stadion von Arsenal London sei das aber doch noch mal ein anderes Gefühl gewesen, erzählt er.

Geht es noch weiter nach oben? „Einiges geht schon noch“, sagt der Schwantener. Im Sommer ist er für die U-21-EM in Polen nominiert. „Bei einem Turnier dabei zu sein war immer mein Ziel, das klappt jetzt.“ 13 Jahre lang kann er auf der internationalen Ebene noch dabei sein. Mit 45 ist Schluss, in Deutschland mit 47 Jahren. „Da ist natürlich noch das Ziel, bei einem großen Turnier dabei zu sein.“

Natürlich treffe er auch schon mal Fehlentscheidungen. „Es gibt immer etwas, was man besser machen kann.“ Jedes Spiel werde aber genau analysiert. Wichtige Situationen sehe er sich im Nachhinein noch mal an, sagt er.

In Kilometern lässt es sich schwer ausdrücken, aber Jan Seidel ist viel unterwegs. „Bei nationalen Spielen bin ich anderthalb Tage weg, bei internationalen Spielen drei Tage.“ Um die 100 Nächte im Jahr verbringt er in Hotels. „Aber wenn mich das nerven würde, dann würde ich aufhören“, sagt er. Immerhin ist es ja sein Hobby, das er damit auch betreibt. „Man muss viel Zeit opfern, aber ich sehe das positiv. Nach Rom würde ich sonst kaum kommen.“

Eigentlich arbeitet Jan Seidel im Controlling bei der Investitionsbank in Berlin. „Das ist ein Sitzjob und der Kontrast dazu.“ Seinen Job dort hat er auf 20 Stunden in der Woche reduziert. „Da geht das ganz gut, mehr ist nicht machbar.“

„Die Familie managt sich in der Zeit, in der ich unterwegs bin, ganz gut“, erzählt er. „Meine Frau macht sehr viel, sie ist die Säule in unserem Haus, sie hält alles zusammen.“ Die ganze Familie helfe aber mit, Oma, Opa, die Tante.
Schwante, das Dorf in dem Jan Seidel nun seit einigen Jahren lebt, bezeichnet er als seinen Rückzugsort. „Ich bin ja in Berlin aufgewachsen, wir haben direkt am Alex gewohnt, lauter geht es nicht.“ Irgendwann habe er gesagt: Es reicht mit der Großstadt, er wollte dem Stress entgehen. Er genießt nun die Ruhe beim Joggen am Mühlensee. Fit hält er sich aber auch bei der Betriebssportgruppe seines Arbeitgebers.

Welches Spiel Jan Seidel als nächstes als Schiedsrichter-Assistent begleiten wird, weiß er übrigens noch nicht hundertprozentig. Die Ansetzungen werden zwar zehn Tage vorher festgelegt, er weiß zunächst jedoch nur, dass er am besagten Spieltag in der Bundesliga eingesetzt wird. Bei welchem Spiel ganz genau, das erfährt er dann erst drei Tage davor.

RTZapper

extra 3: Nazi-Schlampe

Mittwoch, den 3. Mai 2017
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MO 01.05.2017 | 21.45 Uhr | one

Bei der AfD ist man empört. Sehr, sehr empört. Weil man sie politisch verdammt unkorrekt behandelt hat. Und sie beleidigt hat. Sehr, sehr beleidigt hat.

Es passierte am Donnerstag bei “extra 3″ im Ersten (die Wiederholung lief am Montagabend bei one). In der Satiresendung lief der Ausschnitt aus einer Rede der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel. “Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte”, sagte sie darin. Und “extra 3″-Moderator Christian Ehring erwiderte daraufhin: “Jawoll, lasst uns alle unkorrekt sein. Da hat die Nazi-Schlampe doch recht.”
Satire, ganz eindeutig.
Ja, ein bisschen plump. Ich bin ein wenig zusammengezuckt, am Anfang. Aber Ehring hat in diesem Zusammenhang den Gedanken eben weitergesponnen und es Frau Weidel gezeigt, wie es klingt, wenn man politisch unkorrekt ist.
Satire muss – und das ist ja nun wirklich nicht neu – nicht jedem gefallen. Nicht jeder muss sie gut finden. Nicht jeden Geschmack muss sie treffen. Es ist dennoch Satire.

Die AfD möchte die politische Korrektheit jedenfalls wieder vom Müllhaufen runtersammeln. Oder sie will die Unkorrektheit ausschließlich für sich.
Auf jeden Fall ist es ein gefundenes Fressen für die Populisten: Denn wieder können sie den Kampf aufnehmen gegen das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen und gegen den – AfD-O-Ton – “GEZ-Primitivling” aufnehmen und ihren Fans Futter bieten. und so tun, als würde der NDR in “extra 3″ nur gegen die AfD hetzen. Dabei bekommen in der Satiresendung alle Parteien ihr Fett weg.
Da ist es dann auch zweitrangig, dass sich die Partei wie ein Fähnchen im Wind dreht und ihre eigenen Reden manchmal ganz schnell wieder selbst außer Kraft gesetzt werden.

RTelenovela

Der Schwächste fährt zurück

Mittwoch, den 3. Mai 2017
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Merkwürdige Szenen haben sich neulich auf der Uferstraße am Schwielowsee zwischen Ferch und Caputh abgespielt. Zwei Autos stehen sich gegenüber. Ein Kleinbus und ein Pkw. Und bewegen sich nicht vom Fleck.
Die Straße war dort schon immer recht schmal, und die vielen Straßenbäume machten sie noch schmaler. Wenn ein Lkw oder Bus entgegen kam, musste man schon mal aufpassen.
Kürzlich ist die Strecke erneuert worden – und ist seitdem an fünf oder sechs Stellen sogar nur noch einspurig. Und immer abwechselnd haben die Fahrtrichtungen Vorfahrt.

Für Autofahrer ist das nicht leicht. Denn mal abgesehen davon, dass man von der Schwielowsee-Kulisse abgelenkt ist: Man muss gucken: Hab ich Vorfahrt, kommt von vorn jemand, schaffe ich es noch. Man muss sich ziemlich konzentrieren.

Und plötzlich kam der Verkehr zum Stehen. In der Einengung vor mir standen sich der Kleinbus und der Pkw gegenüber. Wie es dazu kam, habe ich verpasst. Unsere Fahrtrichtung war in dem Fall, die, die warten musste. Ob der andere zu schnell war oder ob die sich gegenseitig nicht gesehen habe, weiß ich nicht.
Aber da standen sie nun, keiner setzte zurück, keiner wollte zurückstehen.
Eine gute Minute dauert es, bis der Kleinbus begann zurückzusetzen. Was offenbar gar nicht einfach war. Auch das Zurücksetzen dauerte ewig. Hinter mir bildete sich inzwischen ein Stau.

Irgendwann räumte der Kleinbus den Weg, und der Pkw konnte endlich fahren. Drin saß eine ziemlich schlecht gelaunte Fahrerin und nach weit unten geneigten Mundwinkeln.
Vielleicht wurde ihr Tag ja nun schöner.
Der Stau löste sich unterdessen langsam auf.