Tagesarchiv für 10. April 2017

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Claudia Hochbrunn: Ein Arschloch kommt selten allein – So werden Sie mit schwierigen Zeitgenossen fertig

Montag, den 10. April 2017
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Glückwunsch an den Rowohlt-Verlag: Denn der Titel von Claudia Hochbrunns Buch ist schon das Knalligste am kompletten Produkt: Aber der Titel “Ein Arschloch kommt selten allein” ist natürlich sehr griffig, und jeder von uns kennt ja sicherlich mindestens ein Arschloch.
Aber so provokant (oder aufregend? oder lustig?) der Titel, so herkömmlich und dann doch unaufregend der Inhalt.

Im Grunde ist ein ein psychologisches Buch. Es erzählt von verschiedenen Typen von Mensch. es geht darum, wie man mit Eigenbrödlern oder Querulanten umgehen sollte, es geht um Gefühlchaoten, um von sich selbst überzeugte Menschen – und viele mehr. Der Ungterschied: In Hochbrunns Buch sind das eben alles Arschlöcher. Vermutlich weil das eben besser, knalliger klingt.

Eigentlich ist das alles nicht ganz unspannend, aber eben dann doch so herkömmlich, dass es nur noch wenig Besonderes und schon gar nicht viel neues bringt.

Claudia Hochbrunn: Ein Arschloch kommt selten allein – So werden Sie mit schwierigen Zeitgenossen fertig
ro ro ro, 235 Seiten
4/10

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RTZapper

Echo 2017 – Der Deutsche Musikpreis

Montag, den 10. April 2017
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FR 07.04.2017 | 20.15 Uhr | VOX

Ich bin mir nicht ganz sicher: War das wirklich der Echo 2017, den VOX am Freitagabend ausgestrahlt hat? Die Preisverleihung, die so trutschig geworden war, dass selbst die gute, alte Tante ARD müde abgewunken hat und das Ganze nicht mehr senden wollte? Die Preisverleihung, die bei VOX zur neuen Hochform auflaufen sollte?
Das ist so ziemlich in die Hose gegangen, und der “Echo 2017″ war in jeglicher Hinsicht ein Desaster.

Angefangen bei Xavier Naidoo und Sasha, die durch den Abend führten und der Meinung waren, dass sie die geilsten Hosts (nein, nicht Moderatoren, das ist ARD-like) aller Zeiten seien. „Hier kommt ein Echo der Musik! Falls du nicht weißt, wie dir geschieht! Vergessen Terrorangst und Krieg! Wir feiern heute die Musik!”, sangen die beiden zu Beginn, und in erstaunlicher Rasanz war da der erste Tiefpunkt schon erreicht. Eines muss man Sasha und Xavier aber lassen: Völlig konstant versemmelten sie Gag an Gag. Lachpausen bleiben eiskalt unbelacht, es fehlten nur die zirpenden Grillen. Besonders ärgerlich: Selbst keine Moderation auf die Reihe bekommen, aber sich über mehrfache Echo-Gewinnerin Helene Fischer lustig machen. Extrem fehl am Platz.

Wie überhaupt die komplette Show null funktioniert hat. Es gab keine funktionierenden Übergänge, keine Laudatoren, die Preise wurden runtergespult, irgendwie gelangweilt. Zwischendurch latschten Sasha oder Xavier durchs Publikum und stellte sinnfreie Fragen. Der Saal sah aus wie die Betriebsfeier einer Versicherung in Zahlungsschwierigekeiten. Der Ansatz, den Pomp wegzulassen ist ja ganz okay, aber es dafür einfach nach Nichts aussehen zu lassen, ist dann doch armselig.
Ebenso wie die Live-Acts. Dass Rag‘n‘Bone Man sein “Human” singt, ist gut – aber beim Echo muss er das mit Humtata-Bläsern im Hintergrund. Schlimm.

Später wird drüber palavert, dass ja die Genre-Grenzen oft fließend sind. Dass Leute wie Adel Tawil oder Matthias Schweighöfer in Wirklichkeit auch Schlager machen (aber eben so cool sind, dass es dann doch Pop ist), dafür aber Andreas Gaballier der ewige Volksmusiker bleibt, obwohl seine Songs oft auch rockig-poppig sind, ist dann aber ein Thema für sich – und muss man nicht verstehen. Auch eine Helene Fischer macht inzwischen Pop – ist aber einfach uncool, finden viele andere Musiker. Was ich persönlich wiederum uncool finde, wenn auch Sasha und Xavier unterschwellig sich immer wieder über Schlager lustig machen.

Am Ende des Jahres bleibt eine große Müdigkeit. Und ein peinlicher Campino, der die Laudatio für eine Charity-Organisation dafür nutzt, dem Böhmermann die Meinung zu geigen, um später mitzuteilen, dass er gar nicht über Böhmermann gesprochen habe. Ahja.
Der Echo hat bei VOX zwei Drittel seiner Zuschauer verloren. Die wussten doch nicht etwa alle schon vorher, wie grauenvoll die Show wird?!

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RTelenovela

Rügen 2017 (5): Trabi, Wartburg, Eisenbahn

Montag, den 10. April 2017
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(4) -> 8.4.2017

Es gibt sie noch die Momente, in denen selbst ich in Binz und Umgebung etwas Neues entdecke.
Den Flyer vom Eisenbahn- und Technikmuseum in Prora habe ich in meinem Hotel entdeckt, in der Auslage mit den vielen Rügen-Tourismus-Flyern. Und wie ich später erst gelesen habe, gibt es das Museum bereits seit 1994.
Es befindet sich in Prora, direkt gegenüber vom gleichnamigen Bahnhof.

Schon der Eingang zum Museum ist speziell. Man muss nämlich in einen alten Straßenbahnwaggon einsteigen. Dort werden die Tickets verkauft. Dann geht man durch den Waggon und steigt auf der anderen Seite wieder aus. Schöne Idee!

Das Museum selbst ist in einer großen Halle untergebracht. Fans alter Autos, Motorräder und Eisenbahnen werden an dieser Stelle schon mal schlucken. Denn für sie gibt es viel zu sehen.
Ausgestellt sind allerlei Autos aus der vergangenen Zeit. Verschiedene Trabi-Typen, ein Polizei-Wartburg, ein alter VW Käfer.
Und natürlich viele Oldtimer. An der Stelle habe ich mal wieder gemerkt, wie sehr ich in der Hinsicht doch von meinem Vater geprägt bin. Er war Oldtimer-Fan und Sammler. Ich wurde nie Sammler, eher ein Beobachter, gern bin ich auch mal mitgefahren, und vieles ist mir daher auch geläufig. Den IFA F9 habe ich erkannt, ohne aufs Schild zu sehen. Natürlich auch den F8, den 340er EMW – und vieles mehr. Spannend ist aber zu lesen, wie sie die Autoindustrie in den späten 40ern umstellen musste. Wie sich BMW aus der DDR zurückziehen musste, erst wurde EMW daraus, und auch IFA entstand nach dem Krieg. Neu war mir, dass der F9 der Wartburg-Vorläufer war.

Weiter hinten stehen noch diverse Mopeds (Simson und Co.) und Motorräder sowie ein DDR-Regierungs-Volvo. Interessant ist auch die Schau der riesigen alten Loks und Waggons. Schade ist, dass man in die alten Waggons der Berliner S- oder Straßenbahn nicht einsteigen und durchlaufen kann.
Auch alte Feuerwehren kann man sich in dem Museum ansehen.

Geöffnet ist die Ausstellung immer von April bis Oktober. Für Autofans auf jeden Fall ein sehr lohnendes Ziel auf der Insel Rügen.

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