Tagesarchiv für 3. April 2017

RTZapper

Die Top 10 Show

Montag, den 3. April 2017
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SO 02.04.2017 | 21.45 Uhr | pearl.tv

Der Preis für den sexistischsten deutschen Fernsehsender geht an: pearl.tv!
Bei dem Shoppingsender scheinen nur Männer das Sagen zu haben, die in ihrem Frauenbild irgendwann in den 70ern oder 80ern stehen geblieben sind. Anders ist nicht zu erklären, was bei diesem seltsamen Kanal zu sehen ist.

Bei der “Top 10 Show” am Sonntagabend wurden noch einmal die zehn meistverkauften Produkte des vergangenen Monats angepriesen. Reingebracht wurden sie von einem Model, das erst mal in die Kamera zwinkerte oder einen Kussmund machte. Dann brachte sie das jeweilige Produkt zum Moderatorenpaar. Dabei musste sie besonders sexy laufen und dabei immer noch erotisch in die Kamera gucken. Hätte nur noch gefehlt, dass sie den Verkaufskram aus der Brustritze gezogen hätte.

Während der schon in die Jahre gekommene und zahntechnisch nicht ganz vollständig erhaltene Moderator ziemlich gelangweilt und routiniert alles Technische erklärte, durfte seine gut aussehende Co-Moderatorin immer nur die Bestellnummern ansagen und irgendwelche überkandidelten Kommentare einstreuen.
An anderer Stelle hielt in einem Einspielfilm die dort gezeigte Frau das Produkt so in die Kamera, dass im Hintergrund groß ihre Brustwölbungen zu sehen waren. Später wurde eine erstaunlich preiswerte (nein, nein, nicht billige) Uhr gezeigt – und zwar so, dass bei der joggenden Frau, im Hintergrund die wippenden Brüste zu sehen waren.
In einer späteren Szene stellte der Moderator ein Lautsprecher-Set vor, während seine Co-Moderatorin am Boden liegend und an der Anlage lehnend über die Lautsprecher streichelte – träumerisch guckend.

In der “5-Euro-Überraschungsshow” moderierten zwischendurch zwei aufgekratzte Damen, die jedes Dummchen-Klischee erfüllten, inklusive ebenfalls dem Streicheln der vorgestellten Produkte. Macht sich bei Küchenmessern besonders gut. und immer wieder das augenzwinkernde und erotische guckende Model, das die Produkte ins Studio bringt.

Vermutlich schauen pearl.tv nur Männer, zumindest scheint das die Hauptzielgruppe zu sein. Das Frauenbild bei diesem Sender wirkt schon fast wie Comedy, aber es sieht aus, als meinten die das alles ziemlich ernst.

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RT liest

Paula Fürstenberg: Familie der geflügelten Tiger

Montag, den 3. April 2017
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Ihre Mutter hätte gern gesehen, dass sie studiert. Stattdessen aber ist Paula nach dem Abi in der Uckermark nach Berlin gezogen und macht dort eine Ausbildung als Straßenbahnfahrerin.
Ihren Vater Jens kennt Paula nicht. Sie weiß nur, dass er am 4. Oktober 1989 aus der DDR geflüchtet ist.
Aber ist das wirklich so? Denn ihr Vater meldet sich eines Tages bei ihr, sie lernt ihn kennen, er liegt in einer Klinik – um zu sterben. Er ist todkrank. Es bleibt also nicht viel Zeit, um herauszufinden, was damals war.
Dass er damals rübergemacht ist – das jedenfalls scheint eventuell doch nicht so gewesen zu sein. Johanna begibt sich auf Spurensuche – was schwierig ist, wenn man die DDR nie erlebt hat.

Was ist damals passiert? Und inwiefern spielte die Politik der DDR eine Rolle? Was ist damals in der Familie passiert, und wie steht es heute um die Familie?
Das alles sind Fragen, die Paula Fürstenberg, in ihrem Roman “Familie der geflügelten Tiger” beantworten will. Sie beschreibt eine zerrüttete Familie in einem zerrütteten Land. Wobei die Frage zu klären ist, ob das zerrüttete Land mit der Familie überhaupt etwas zu tun hat.
Die Autorin verwebt das auf recht interessante Weise mit den Ansichten Berlins. Johanna fährt die Tram und macht sich Gedanken: Wie sah Berlin damals aus, was hat sich verändert.
Ein schöner, leicht zu lesender Roman mit nachdenklichen, rührenden und auch humorvollen Momenten.

Paula Fürstenberg: Familie der geflügelten Tiger
Kiepenheuer & Witsch, 239 Seiten
7/10

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RTelenovela

Haben Sie Interesse an einem Aprilscherz?

Montag, den 3. April 2017
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Schöne, neue Aprilscherz-Zeit.

(1)
Der 1. April 2017 war bedauerlicherweise ein Sonnabend. Das war insbesondere für die Ha-ha-lustig-Morningshows irgendwie blöd, weil sie ihre Knallergags nicht so ohne Weiteres unterbringen konnten.
Deshalb gab es tatsächlich Radiosender, die ihren Aprilscherz eben am 31. März rausgehauen haben. Und wenn man Entsprechendes kommentierte, kommt die Antwort: “Morgen kann ja jeder.” Vermutlich denken die Radioleute, das sei besonders witzig und kreativ.

(2)
Radiosender und Zeitungsredaktionen müssen sich ihre Aprilscherze nicht mal mehr selbst ausdenken. Mittlerweile kommen in den Tagen davor E-Mails mit Aprilscherz-Vorschlägen.
Eine Wohnungsbaugesellschaft schickte zum Beispiel den Vorschlag, ein neues Wohnviertel nach dem scheidenden Bürgermeister zu benennen. Das entsprechende Aprilscherz-Foto ist gleich mitgeschickt worden.

(3)
Per Mail wird schon am 31. März eine heiße Nachricht an Redaktionen verschickt – um zwei Minuten danach eine weitere Mail zu verschicken, in der darüber aufgeklärt wird, dass es sich um einen Aprilscherz handelt. Dabei ging es darum, dass Ehrenamtliche eines Vereins die Ortsumgehung einer Kleinstadt bauen wollen. Aber nach zwei Minuten alles schon aufzuklären, ist irgendwie nicht so sinnvoll. Vielleicht hatte man ja Angst, dass es in den Redaktionen irgendwer glauben könnte…

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