Tagesarchiv für 30. März 2017

RTZapper

Über Barbarossaplatz

Donnerstag, den 30. März 2017
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DI 28.03.2017 | 22.45 Uhr | Das Erste

Zwei Frauen unterhalten sich. Therapeutin und Patientin. Das heißt, eigentlich flüstern sie. Sie nuscheln irgendwas vor sich hin. Im Hintergrund rauscht der Autoverkehr vor dem Fenster. Eine Wackelkamera folgt dem Dialog.
Ist das anspruchsvoll? Ist das Filmkunst? Oder ist es einfach nur mies?

Vermutlich scheint man sich innerhalb der ARD darüber gestritten zu haben, denn “Über Barbarossaplatz” lief – obwohl es eine TV-Premiere war – am Dienstagabend im Spätprogramm. Gerade mal 780.000 Zuschauer waren dabei.
DWDL lobte vorher, dem WDR sei ein außergewöhnlich guter Film gelungen. Aber es musste ja irgendeinen Grund haben, warum so ein außergewöhnlich guter Film an einem ungewöhnlichen schlechten Sendeplatz läuft. So richtig genannt worden ist er nicht, vermutet ist aber, dass der Stoff “zu komplex” sei. Was auch immer das heißt.

Nach der Ausstrahlung könnte man auch vermuten: Der Film ist nicht massentauglich. Eine Psychologin, die selbst am Ende ist. Harter Sex. Dazu das wacklige Genuschel. Das alles war vielleicht schlicht nicht gut genug für 20.15 Uhr. In ewigen Dialogen unterhielten sich in diesem Film Leute ganz leise, kaum zu verstehen. Der Ton war vermutlich gewollt schlecht, übertönt von Nebengeräuschen. Aber auf Filmfesten ist das scheinbar als Kunst gefeiert worden. Kann man machen. Oder auch nicht. Wie ja überhaupt immer öfter Kritiker und Zuschauer in ihren Urteilen sehr weit auseinander gehen.

Sicherlich, im Ersten laufen um 20.15 Uhr längst nicht nur gute Filme. Auch miese Schnulzen und handwerklich schlecht Gemachtes. Ganz sicher hätte auch “Über Barbarossaplatz” zur Primetime laufen können. Die Entscheidung, ihn um 22.45 Uhr zu versenden, ist aber auch sehr verständlich.

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RTelenovela

Ein Hoch auf die Technik (38): Es riecht und blubbert

Donnerstag, den 30. März 2017
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(37) -> 24.12.2016

Schon als wir losfahren, merke ich an, dass es es seltsam im Auto riecht. Und tatsächlich: Der Geruch verstärkte sich, es wurde ziemlich eklig: Es stank nach Gummi.
Eigentlich dachte ich, es sei der Reifen des Autos meines Freundes. Der knarrte so seltsam, als er vor meiner Haustür anrollte. Aber der Geruch musste aus dem Motor kommen, denn gerade als wir an einer Ampel standen, kam der Geruch extrem auch aus der Lüftung. Konnte also nicht der Reifen sein. Also was Ernstes.

Diese Autofahrt war dann eher unangenehm, weil unklar war, was passieren würde. Aber wenigstens hatten wir es nicht weit, nur bis zum Oranienburger Kino.
Da stiegen wir aus, und ich hörte was zischen, was blubbern. Konnte also wirklich nicht der Reifen sein. Also Motorhaube auf und schauen und horchen.
Es war die Batterie. Sie blubberte, aus den Seiten tropfte wein wenig Flüssigkeit.

Wir standen nun sehr ratlos da und googelten. Ziemlich schnell wurde klar: Die Lage ist ernst. Die Batterie wohl im Eimer, von einer Explosionsgefahr war da sogar die Rede. Eventuell ist es auch die Lichtmaschine.
Und nun? Einfach stehen lassen?

Wir riefen beim ADAC an – allerdings bin ich da zwar Mitglied, aber es ist ja nicht mein Auto gewesen. Der Abschlepper hätte also mächtig was gekostet. Mindestens 200 Euro hätten auf der Uhr gestanden. Allerdings war das schon mehr, als das alte Auto überhaupt noch wert war. Wir entschieden uns dagegen.
Und nun? Schnell zur nächsten Werkstatt selbst fahren?
Es war ein Risiko, aber mein Freund ging es ein, und es war sicherlich nicht die fröhlichste Fahrt. Ich lief schnell nach Hause, soo weit war es nicht, holte mein Auto, um ihn dann vom Werkstattparkplatz in Sachsenhausen abzuholen.
Ende vom Lied: Das Auto kommt auf den Schrott. Die Reparatur hätte den Wert des Autos weit überschritten.
Ein unschönes Ende dieses Abends, und der Kinoabend verlief dann doch sehr anders – immerhin ein Besuch im Schnellrestaurant war noch drin. Zum Runterkommen.

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RT liest

Håkan Lindquist: Paul, mein großer Bruder

Donnerstag, den 30. März 2017

Jonas ist Einzelkind. Wobei, das stimmt nicht so ganz. Er hat einen Bruder, der allerdings gestorben ist, bevor Jonas auf die Welt kam. Paul war gerade mal 15, als er starb. Vom Zug überfahren.
Als Jonas ins Jugendalter wird, beginnt er, neugierig zu werden. Er will alles über seinen Bruder wissen, was er rausfinden kann. Er sucht nach Bildern, fragt seine Eltern aus und trifft sich mit Daniel, einem alten Freund von Jonas’ Mutter.
Nach und nach findet er tatsächlich einiges heraus: Vor seinem Tod hat sich Paul verliebt, und irgendwas muss geschehen sein, denn: Kann es sein, dass sich Paul absichtlich hat vom Zug überrollen lassen?

“Paul, mein großer Bruder” vom schwedischen Autor Håkan Lindquist ist eine durchaus anrührende Geschichte. Sie braucht allerdings ein bisschen, bis sich die Wucht entfaltet. Anfangs wird das ganze doch recht konstruiert. Auch, weil wir Pauls Geschichte nur aus dem “Off” mitbekommen. Zwischendurch gibt es aber plötzlich eine Passage, bei der der Autor plötzlich in die Paul-Zeit switcht.
Im letzten Drittel offenbart sich die komplette Story, und das liest sich dann doch spannend.
Bis dahin gelingen Lindquist einige interessante Nebelkerzen, wenn er den Leser (und Jonas) auf falsche Fährten und Gedankengänge führt.
Peinlich ist übrigens der falsche Klappentext zu diesem Buch, in dem es heißt, Jonas erfahre mit 16 von seinem Bruder. Dabei gibt es schon auf der allerersten Romanseite die Szene, in der Jonas als fast dreijähriger seine Eltern fragt, wer das auf dem Bild sei – und erfährt, dass es sich um seinen verstorbenen Bruder handele.

Håkan Lindquist: Paul, mein großer Bruder
Bruno Gmünder, 174 Seiten
7/10

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ORA aktuell

Reichsbürger aus Oranienburger Polizeischule entlassen

Donnerstag, den 30. März 2017

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist im Dezember 2016 ein Schüler der Brandenburger Polizeifachhochschule in Oranienburg entlassen worden. Er gehörte zu den so genannten Reichsbürgern. Das berichtet der Oranienburger Generalanzeiger. Demnach hätten andere Schüler den Fall aufgedeckt und der Leitung gemeldet.
Auf dem Auto-Nummernschild war die Reichsbürgerflagge zu sehen. Wie die “Bild” schreibt, gebe es zudem einen Briefverkehr mit der Strausberger Stradtverwaltung, in der der Mann auf seine Reichsbürgerschaft pochte.

Das Potsdamer Verwaltungsgericht entschied im Februar, dass die Entlassung rechtens ist. “Charakterlich ungeeignet” sei der ehemalige Polizeischüler.

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RTZapper

der moscheereport

Donnerstag, den 30. März 2017
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MO 27.03.2017 | 21.17 Uhr | tagesschau24

Viele reden immer nur über Moscheen in Deutschland. Aber kaum jemand geht mal rein und hört zu, was da so gesagt wird.
Seit einigen Wochen arbeitet der Journalist Constantin Schreiber für die ARD. Als Nachrichtenvorleser bei der “Tagesschau” machte er hinsichtlich seiner Aussprache zuletzt zwar keine besonders gute Figur – aber er erweist sich dennoch als großer Glücksgriff. Schreiber spricht und versteht arabisch – und das ist heutzutage für einen Journalisten ein Gewinn. Wenn Schreiber in eine Moschee geht, weiß er, was dort geredet wird.
Und so begab er sich in den vergangenen Monaten in einige Moscheen in Deutschland, vor allem, um die Freitagsgebete zu verfolgen. Was wird dort gesagt? Wie wird es gesagt? Was könnte dahinter stecken?

Umso merkwürdiger, dass die ARD nun den “Moscheereport” im Spartenprogramm tagesschau24 versteckt. Dort lief die erste Folge am Montagabend. Vermutlich lief sie vorher auch schon im Tagesprogramm, denn im Internet war die Folge schon seit dem Nachmittag verfügbar.

In Folge 1 war er in einer Moschee in Hamburg. Der erste Teil der Sendung bestand aus einem auf Deutsch untertitelten Predigtmitschnitt, gefolgt von einem Interview mit dem Imam, der kaum Deutsch spricht.
Er redet von der Integration der Flüchtlinge und vom gemeinsamen Leben in Deutschland.

Im Studiotalk ging es dann durchaus kritisch zur Sache. Schreiber berichtete, dass bei einem zweiten Besuch der Moschee gar nicht mehr so gemäßigt geprädigt worden sei. Dass er die Erfahrung gemacht habe, dass die Imame oft sehr laut reden, ja, fast schreien. Und dass es dem Team auch ein wenig Angst gemacht habe.
Seine Studioexpertin aus dem Moschee-Umfeld versuchte das immer wieder abzuwiegeln, aber Schreiber konterte immer wieder, und sie wirkte zwischendurch doch ein wenig zerknirscht.

Es ist gut, dass es eine solche Sendung gibt. es ist gut, dass ein Journalist uns näher bringt, was in den Moscheen geschieht. Es ist gut, dass er vieles sehr kritisch hinterfragt. Es ist nicht gut, dass diese Sendung so versteckt wird.

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