Tagesarchiv für 1. Februar 2017

aRTikel

Fit für den Alltag und die Psyche

Mittwoch, den 1. Februar 2017
Tags: ,

Jeden Montag trifft sich in der Bärenklauer Remonteschule eine Gymnastikgruppe – noch fehlt es aber an sportlichen Männern

MAZ Oranienburg, 1.2.2017

Bärenklau.
Aus dem Radio erklingt der Oldie „Sugar, Honey, Honey“. Der nicht zu schnelle Rhythmus des Liedes passt zu den Turnübungen in der Alten Remonteschule in Bärenklau. Jeden Montagvormittag treffen sich dort bis zu 14 Frauen im Alter zwischen 66 und 82 Jahren, um Sport zu treiben.

„Fit 50 plus“ heißt die Gruppe, die zum Heimatverein in Bärenklau gehört. „Uns gibt es seit 2000/01“, sagt Irmgard Menzel. Sie ist mit ihren 82 Jahren nicht nur die Älteste, sie hat die Gruppe mitgegründet. „Wir waren Rentner und wollten was machen“, erzählt sie.

Inzwischen tönt aus dem Lautsprecher Irene Cara und der 80er-Jahre-Hit „What a Feeling“, und auch das passt. „Man ist danach fröhlicher“, sagt Irmgard Menzel. Es sei ein Adrenalinschub. „Die Durchblutung ist danach eine ganz andere.” Nur bei Dehnübungen der Knie hat sie ihre Probleme.

Bärbel Bender-Kieserling ist seit drei Jahren dabei „Am Anfang war das ziemlich anstrengend, inzwischen fällt es mir leichter“, erzählt sie. „Das braucht man für den Alltag und die Psyche“, sagt sie außerdem. Die gemeinsamen Übungen stärken aus ihrer Sicht das Gemeinschaftsgefühl.
Ähnlich sieht das Erika Fritz. „Wir freuen uns immer auf den Montag“, sagt sie. Seit sechs Jahren lebt sie in Bärenklau, und als sie dorthin zog, entdeckte sie einen Zettel draußen an der Tür der Alten Remonteschule. Sie wollte mitmachen. „Ich bin jetzt fitter als früher“, sagt sie. „Das merkt man dann auch bei der Gartenarbeit.“
Über Weihnachten fiel die Gymnastikstunde mehrere Male aus. „Da hat uns allen etwas gefehlt“, sagt Erika Fritz. „In der Gruppe kann man seinen inneren Schweinehund besser besiegen.“

Jedes Mal darf jemand anderes die Vorturnerin geben. Wer die Frauen beobachtet, merkt, dass sie in der Tat recht fit sind. Wenn es darum geht, mit durchgestreckten Knien die Hände auf den Boden zu legen, können das noch recht viele der Turnerinnen.
Allerdings: Es ist kein einziger Mann in der „Fit 50 plus“-Gruppe. „Die wollen nicht“, sagt Irmgard Menzel. Auch in Sachen „Nachwuchs“ sieht es schwierig aus. „Als wir vor rund 20 Jahren angefangen, war das anders“, sagt sie. Die heutigen 50-plus-Leute oder Senioren um die 65 fühlen sich noch zu jung, um in eine solche Gruppe zu gehen. „Die sind zu fit oder sie gehen lieber gleich ins Fitnessstudio“, sagt Irmgard Menzel. Allerdings ist die Gruppe einst auch gegründet worden, weil es in Bärenklau kein Fitnessstudio gab und gibt.

Hits: 42

RTelenovela

Kabel-Blackout

Mittwoch, den 1. Februar 2017
Tags: ,

Wenn weit mehr als 13 Stunden lang das Kabelfernsehen ausfällt und es mal einen ganzen Abend lang ruhig bleibt im Fernseher, dann werden die Leute nervös. Wenn die Glotze mal gar nichts hervorbringt, sind die Foren voll mit der Frage, wann es denn endlich weiter gehe und wofür man denn seine Gebühren zahle.

In Falkensee gab es an einem Vodafone-Knotenpunkt einen Stromausfall, so heißt es. Kunden von Kabel Deutschland/Vodafone in weiten Teile des Havellandes und von Oberhavel waren betroffen. Gegen 12 Uhr blieb alles dunkel, erst nach 1.30 Uhr in der Nacht lief alles wieder.

Was wohl an so einem Abend passiert ist? haben sich die Leute mal wieder unterhalten? Haben sie gespielt? Waren sie mal im Kino? Hatten sie mal wieder ausführlichen und mehrfachen Sex?

Bei mir war’s einfach: Ich startete auf meinem Handy erst den arte-Livestream, dann bediente ich mich in den Mediatheken von ZDF und rbb. dann Kopfhörer in die Ohren, und es konnte losgehen. Geht auch mal. Und irgendwann werde ich auch mal so weit sein, mir den Handykram auf den Fernsehbildschirm schieben zu können. So von wegen moderne Welt und so.

Hits: 36

RT liest

Nils Mohl: Zeit für Astronauten

Mittwoch, den 1. Februar 2017

Drei junge Leute, die ihr Glück suchen. Oder eine Antwort darauf, was ihr Leben in Zukunft eigentlich bringen soll.
Körts, noch keine 16, ist Schülerpraktikant in einem Reisebüro – und nervt ein wenig. Er bessert sich sein Taschengeld damit auf, dass er alten Leuten zur Hand geht. Und er ist in ein fünf Jahre älteres Mädchen verliebt.
In Domino. Die hat aber ihre eigenen Probleme und ist leider nicht in Körts verliebt. Sie ist schwanger, und sie hat eine Postkarte von ihrem ehemaligen Mitbewohner Bozorg bekommen. Nur anhand des Motivs weiß sie, wo sie hin muss.
Bozorg ist unterdessen 3000 Kilometer von der Heimat entfernt, in einem Urlaubsgebiet. Dort will er in einer Bar Geld verdienen und ein neues Leben führen.
Für alle drei bleibt unklar, wo die Reise hinführt.

Mit “Zeit für Astronauten” beendet der Autor Nils Mohl seine dreiteilige Stadtrand-Reihe. Ging es bislang Liebe und um Glaube, steht nun die Hoffnung im Vordergrund.
In dieser Geschichte haben sie alle ihre Hoffnungen. Auf Liebe, auf neue Impulse, auf neue Ansätze.
Wieder wählte Mohl seinen interessanten Erzählstil, in dem er an einigen Stellen in der Story zurückspult oder schlaglichtartig in die Zukunft blickt.
Wenn das Geschehen dann komplett nach Südeuropa verlegt wird, dort, wo die Stränge irgendwann zusammenkommen, entsteht ein wahres Roadmovie.
Aber dennoch: “Zeit für Astronauten” ist der schwächste Band der Reihe. Zwar liest sich die Geschichte flüssig, aber man wird lange nicht warm mit den Figuren. Höhepunktsfrei zieht sich der Roman dahin. Das ändert sich erst, wenn die Handlung in den Süden verlegt wird und alles plötzlich an Fahrt gewinnt. Aber am Ende bleibt dann doch gefühlsmäßig kaum was übrig. Das ist ein bisschen schade.

Nils Mohl: Zeit für Astronauten
Rowohlt Rotfuchs, 425 Seiten
6/10

Hits: 34

RTZapper

Landgericht – Geschichte einer Familie

Mittwoch, den 1. Februar 2017
Tags: , ,

MO 30.01.2017 | 20.15 Uhr | ZDF

Ausgrenzung. Hass. Das Ausleben von niederen Instinkten.
Da ist die Frau, eine deutsche Frau, die deshalb Probleme bekommt, weil sie mit einem Juden verheiratet ist. Nicht nur er bekommt quasi ein Berufsverbot. Auch sie darf nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten. Sie erlebt Ausgrenzung. Männer von deutschen staatlichen Behörden, die diese deutsche Frau behandeln, als sei sie der letzte Dreck. Weil sie mit einem Juden zusammen ist. Männer, die sie schlagen, weil aus ihnen blanker Hass spricht.
Das war in den 30ern. Und nur ein Detail vom Grauen, das damals herrschte. Mitten in Deutschland, und daran muss man erinnern.

Es ist wohl kein Zufall, dass das ZDF an einem 30. Januar, dem Tag von Hitlers Machtergreifung 1933, den Beginn des Zweiteilers “Landgericht – Geschichte einer Familie” ausstrahlt.
Der Film zeigt, wie eine jüdische Familie durch das Naziregime auseinandergerissen wird. Wie diese Menschen schikaniert werden. Und das aus scheinbar willkürlichem Grund.
Wie das Naziregime ihre Allmachtsphantasien auslebt und Andersdenkende und -gläubige ausgrenzt und niedermacht.

Tendenzen, die auch heute wieder zu spüren sind. AfD-Hetzer dürfen abschätzig über das Holocaust-Gedenken sprechen, aber in der AfD findet man das nicht schlimm. Stattdessen wird über die gehetzt, die ihnen gegenüber kritisch sind. Stattdessen möchte man Kritikern einen Maulkorb überstülpen. Wie einst in der DDR und wie einst auch beim Regime davor. Die rechten Hetzer wollen scheinbar eine gleichgeschaltete Presse – eine ihnen wohlgesonnte. Kennt man auch aus den 30ern, als von den Nazis ungeliebte Presseorgane verboten worden sind.
Wehret den Anfängen – auch mit solchen Filmen wie der im ZDF.

Hits: 33