Tagesarchiv für 27. Januar 2017

RTZapper

Wir sind die Freeses

Freitag, den 27. Januar 2017
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DO 26.01.2017 | 7.17 Uhr | NDR2

Viele Morningshows im Radio haben Serien im Programm: meist sind es Schenkelklopfer-Scherzanrufe wie “Der kleine Nils” von der Ostseewelle oder irgendwelche Scherzgewinnspiele. Manchmal lustig, zu oft nicht.

Bei NDR2 im Norden läuft stattdessen eine Familiencomedy: „Wir sind die Freeses“. Wie in der Vorgänger-Reihe „Frühstück bei Stefanie“ spricht Andreas Altenburg fast alle Rollen.
Da ist die Omi mit der großen Klappe, ihre Tochter Bianca, alleinerziehend, und Enkel Svenni (12), inselbegabt. Und immer fragen sie sich: „Warum können wir nicht einfach eine normale Familie sein?“

Aber normale Familien wären für eine Comedy ziemlich unlustig. “Wir sind die Freeses” erzählt abgedrehte Geschichten. Wie Svenni plötzlich an einem Casting teilnimmt und aus seiner brüchigen Stimme plötzlich eine Oper rauskommt. Wie Omi einen Schauspieler anmacht und in der nächsten Folge mit ihm in der Kiste landet. Oder eben auch mal der normale Zoff am Frühstückstisch.
Abwechslungsreich, auch mal tagesaktuell, nur selten flach, durchaus aufwändig und dazu noch lebensklug.

62 Folgen der kurzen Clips plus ein längeres Hörspiel sind übrigens auf drei CDs erschienen.
Jeder fängt mit einem Satz an: “Leg doch mal das Handy weg!” Aber irgendeinen Grund, auf dem Ding rumzudaddeln, gibt es ja immer…

Hits: 30

RT im Kino

Manchester by the Sea

Freitag, den 27. Januar 2017

Ein Anruf verändert das Leben von Lee Chandler (Casey Affleck). Verändert es wieder. Und wieder tiefgreifend.
Lee fristet ein Leben als Hausmeister. Er kommt mit wenig aus.
Jetzt aber erfährt er: Sein Bruder ist tot. Herzstillstand. Man hat es kommen sehen, denn an Herzschwäche litt er schon vor einigen Jahren.
Nun aber muss Lee Verantwortung zeigen: Er muss sich um seinen 16-jährigen Neffen Patrick (Lucas Hedges) in Manchester kümmern. Und darum, seinen Bruder unter die Erde zu bekommen.
Dabei muss Lee erst mal sein eigenes Leben auf die Reihe bekommen und den grauenvollen Schicksalsschlag verkraften, an dem er sich auch noch selbst die Schuld gibt.

“Manchester by the Sea” ist ein zutiefst trauriger Film. Nach und nach wird entblättert, was Lee in seinem Leben schon durchgemacht hat, wie sich sein Leben verfinsterte. Und als Zuschauer rutscht man immer tiefer in den Sessel.
Als sich Lee dann in Manchester um seinen Neffen kümmern muss – Verantwortung übernehmen muss -, scheint sich bei ihm wieder alles zu drehen.
Das alles zu beobachten, ist extrem fesselnd. Auch wenn das alles so traurig ist, irgendwie auch deprimierend, diese Menschen sind in ihrer Trauer so stark. Wenn manchmal auch aufgesetzt stark, aber sie versuchen, mit ihrer Trauer umzugehen – oder sie zu umgehen.
Casey Affleck spielt herzergreifend. Zurückgenommen und doch ganz stark. Das gilt auch für Michelle Williams, die Lees Ex-Frau spielt. Sie hat gar nicht so viele Szenen, aber diese wenigen spielt sie unglaublich eindrücklich.
Man wünscht all diesen Menschen, dass es ihnen bald wieder besser geht, und lange bleibt unklar, ob das mal geschehen wird.
Regisseur Kenneth Lonergan hat hier ein kleines Meisterstück abgeliefert, das zum Glück zwischendurch immer wieder Witz aufblitzen lässt.

Manchester by the Sea
USA 2016, Regie: Kenneth Lonergan
Universal, 138 Minuten, ab 12
9/10

Hits: 25