Tagesarchiv für 16. Januar 2017

RT im Kino

La La Land

Montag, den 16. Januar 2017
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Das gute alte Kino: Eine kitschige Liebesgeschichte, viel Musik – ein Musical. Kennen die Älteren vielleicht noch von früher und die Jüngeren aus dem Fernsehen, wenn die alten Dinger mal wiederholt werden.
In der heutigen Zeit wurde so was nicht mehr produziert – wenn man von Bollywood mal absieht, die dieses Genre voll für sich entdeckt haben.
Jetzt aber kommt “La La Land” – und ist wundervoll!

Die Geschichte ist eigentlich ganz simpel. Mia (Emma Stone) ist Schauspielerin und wartet auf den großen Durchbruch. Sebastian ist Jazzmusiker (Ryan Gosling) und – ja, auch er wartet auf das ganz große Ding. Sie laufen sich ein paar mal über den Weg – und es funkt zwischen den beiden. Sie verlieben sich, die ziehen zusammen und machen Pläne. Lebensträume. Aber kann diese Liebe bestehen, wenn sie ihre Ziele weiterverfolgen?

Rein von der Geschichte her, ist “La La Land” zunächst nicht so aufregend. Aber die Umsetzung.
Filmmusicals haben es schwer. Und meistens funktionieren sie auch nicht so richtig, weil es immer an irgendwas hapert. An der Ernsthaftigkeit. An guten Songs. An tollen Darstellern. An der richtigen Balance.
“La La Land” funktioniert. Damien Chazelle, der schon mit “Whiplash” überzeugen konnte, hat nun einen Film ins Kino gebracht, der Spaß macht, der fasziniert, bei dem man mitgeht – und der sogar fesselt. Und das auch, weil sich der Film total ernst nimmt und das auch kann. Die Gesangseinlagen wirken nie peinlich, sie sind gekonnt inszeniert und stellenweise durch das Retro-Element irgendwie auch herzig.
Faszinierend ist, wie sich Ryan Gosling in die Rolle reingearbeitet hat. Er schauspielert, er spielt toll Klavier, er tanzt. Da kommt man ins Staunen. Seine Partnerin Emma Stone ist nicht minder gut.
Das alles ist eingebettet in virtuos kreierte Szenen, wenn plötzlich ein Verkehrsstau zur Musicaleinlage oder später grandioser Jazz geboten wird. Und später bietet die zunächst einfach Story sogar noch Spannung. Denn klar ist in dieser Liebesbeziehung längst nicht alles.
Ob “La La Land” mal zum Klassiker wird, kann man erst später sagen. Aber für die jetzige Zeit im Kino ist er brillante, sehr kurzweilige, perfekte Unterhaltung. Das Kino lebt!

La La Land
USA 2016, Regie: Damien Chazelle
Studiocanal, 128 Minuten, ab 0
10/10

Hits: 27

RTelenovela

Lasst doch einfach Sophie Scholl in Ruhe!

Montag, den 16. Januar 2017
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Die AfD behauptet, Sophie Scholl würde AfD wählen.
Und man weiß nicht, ob man lachen, weinen oder gleich kotzen soll.

Die AfD in Nürnberg-Süd/Schwabach – also ganz kurz vorm Arsch der Welt – nimmt ein Zitat der Widerstandskämpferin gegen die Naziherrschaft und glaubt, die AfD könnte damit gemeint sein. Sophie Scholl sagte: “Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique regieren zu lassen.”
Ich kann mir beim allerallerallerallerallerbesten Willen nicht vorstellen, dass Sophie Scholl irgendjemanden anderes als Rechtsradikale gemeint hat. Sie sagte, man müsse sich gegen die Nazis auflehnen, gegen das Hitler-Regime, das Deutschland damals im Griff hatte.
Und deshalb: Nein, Sophie Scholl würde die AfD nicht wählen, sondern bekämpfen. Sie gehörte nämlich zu den von den AfD-Anhängern betitelten Gutmenschen. Und Gutmenschen finden AfD-Anhänger doch eher kacke. Die sind lieber Schlechtmenschen.

Vielleicht ist nicht die ganze AfD rechtsradikal, aber immer größere Teile. Und jetzt kommen diese Leute daher und meinen, dass Sophie Scholl ausgerechnet AfD wählen würde?
Abgesehen davon, dass es schon absolut widerlich ist, Tote zu instrumentalisieren. Tote Menschen, die, weil sie tot sind, nicht mehr sagen können, wen oder was sie wählen würden. Dass die AfD nun aber ausgerechnet Sophie Scholl, die gegen Judenhetze, gegen das Unrecht und die Nazidiktatur kämpfte, für sich einnehmen will, das ist einerseits ungeheuerlich, andererseits dumm, eklig, lächerlich, traurig.

Vermutlich spricht die AfD mit ihrer irrlichternden Bauernfängerei sogar noch Leute an. Vermutlich dieselben, die es auch gut finden würden, dass die AfD, wenn sie erst mal die Diktatur erreicht hat, die “heute show” absetzen lassen würde. Ließ die AfD – zumindest irgendein popliger Splitterverband – ebenfalls bei Facebook mitteilen. Ist ja – und die allermeisten Medien ja sowieso – allles Lügenpresse. Linksversifft und so. Das ist alles schon mal ein Vorgeschmack darauf, was diese Partei von der Demokratie und der Pressefreiheit hält.

Würde eigentlich der Führer die AfD wählen?

PS: Angeblich gibt es gar keinen AfD-Kreisverband Nürnberg-Süd/Schwabach. Eine Lügen-AfD? Ein Maulwurf? Alle böse?

PPS: Auf Facebook kommentierte jemand das Scholl-Plakat mit einem anderen Zitat:
“Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.”
Es ist von Hermann Göring. Passt.

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