Tagesarchiv für 28. Dezember 2016

RTZapper

Gutes Wedding, schlechtes Wedding

Mittwoch, den 28. Dezember 2016
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DI 27.12.2016 | 22.15 Uhr | rbb

Was im Theater eine tolle Sache ist, muss im Fernsehen noch lange nicht funktionieren. Im rbb lief am Dienstagabend die vierteilige Serie “Gutes Wedding, schlechtes Wedding” an.
Viele Berliner werden wissen, dass es sich dabei um eine Theatersoap handelt, die seit Jahren im Primetime-Theater in Berlin-Wedding aufgeführt wird. Und das mit großen Erfolg, was natürlich auch daran liegt, dass es sich um lustige Geschichten handelt, die auf der Bühne einfach gut funktionieren.

Im Fernsehen nicht. Das heißt: So genau weiß ich das nicht. Ich habe nämlich nur gut 40 Prozent der Handlung verstanden. Also rein akustisch. Die Toncrew muss Urlaub gehabt haben, als das Ding gedreht worden ist. Allerdings nuscheln viele der Darsteller auch dermaßen, dass sie schlicht nicht zu verstehen sind. Der Witz der Serie ist, dass da Leute badisch sprechen, einen türkischen Akzent haben – oder eben nuscheln. Oder beides. Und wenn sie nicht nuscheln, sprechen sie zu leise. Oder sind vom dämlichen Hintergrundgelächter übertönt, wobei ich eigentlich dachte, dass das deutsche Fernsehen sich vom Tonbandlachen längst verabschiedet hat – hat man beim rbb wohl nicht mitbekommen.
Deshalb kann ich jedenfalls gar nicht so genau sagen, worum es in Folge 1 überhaupt ging. Also, ähm, wahrscheinlich um Weddinger Probleme.

Um gekünstelte dazu. Im Theater ist das lustig, im Fernsehen wirkt das alles gewollt. Lauter Klischee-Charaktere in sterilen Kulissen führen eher zu Stirnrunzeln als zu Lachern.
Dann lieber doch mal wieder ins Primetime-Theater.

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RTelenovela

Breitscheidplatz – 8 Tage danach

Mittwoch, den 28. Dezember 2016
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Alles war wie vor acht Tagen. Ein Abend in Berlin-Charlottenburg, etwa 19.15 Uhr. Vor dem Theaterbuch am Kurfürstendamm schnell noch auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche.
Aber es war nur noch wenig so wie vor acht Tagen.

Der Zwischenfall, als von der Kantstraße aus ein Lkw auf den Markt raste, zwölf Menschen in den Tod riss, der schwebt über dem Platz. Kurz vor Weihnachten ist der Markt wiedereröffnet worden, und es gibt Leute, die das merkwürdig finden, die das für pietätlos halten.
Ich kann das verstehen, aber wer vor Ort ist, merkt: Es ist nicht pietätslos. Es ist wichtig für alle Beteiligten.

Wir waren am 19. Dezember gut 45 Minuten vor dem Vorfall auf dem Markt, 20 Minuten vorher haben wir ihn verlassen. Nun also laufen wir wir wieder dorthin. Wieder über die Ampel auf das Gelände.
Am Eingang stehen nun Betonbarrieren. Dahinter sind Kerzen und Blumen abgelegt worden.
Dort, wo der Lkw das Unheil anrichtete, fehlen nun ein paar Buden. Diese Lücken haben sich in Gedenkstätten verwandelt. Viele Kerzen und Blumen liegen dort. Herzen. Botschaften auf Zetteln.

An vielen Stellen des Marktes sind solche Gedenkorte, und überall stehen die Leute davor. Sie schauen, sie unterhalten sich leise, einige halten sich in den Armen. Einige wenige weinen.
Auf dem Markt selbst gibt es keine Musik mehr, dennoch herrscht so etwas wie Normalität. Keine große Fröhlichkeit, aber auch keine Trauer. Irgendwie eine leichte Besinnlichkeit, auch Nachdenklichkeit. Wer sich von den Gedenkstellen zu den Buden bewegt, erlebt dann aber auch die Normalität dieses Platzes. Denn irgendwie geht es ja auch weiter, das Leben.

Vermutlich ist auch genau das die Botschaft: Einerseits einen Ort des Gedenkens zu haben, andererseits auf demselben Platz aber auch die Normalität aus der Zeit vor dem Zwischenfall erleben.
Vielen Menschen ist es ein Bedürfnis, noch mal dorthin zu gehen. Innehalten. Und weitermachen. So haben wir es auch gemacht, und zumindest für mich hat sich der Kreis acht Tage danach ansatzweise geschlossen.

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