Tagesarchiv für 20. Dezember 2016

RTZapper

Tagesthemen extra: Zu den Geschehnissen in Berlin

Dienstag, den 20. Dezember 2016
Tags: , , ,

MO 19.12.2016 | 21.12 Uhr | Das Erste

Während andere Sender längst aus Berlin berichteten, wartete man im Ersten noch bis 21.12 Uhr, bis die Spielshow “Wer weiß denn so was?” abgebrochen worden ist.
Noch wusste keiner so genau, was eigentlich auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz passiert ist. Dennoch mussten viele Sendeminuten gefüllt werden.

Ingo Zamperoni ging mit den “Tagesthemen extra” auf Sendung. Natürlich wollte man keine Vermutung anstellen. Oder blöd rumlabern.
Er und seine Kollegen taten es trotzdem.
Nein, man wisse noch nicht, ob es ein Anschlag ist. Dennoch wolle man einen Bericht über andere Terroranschläge zeigen.
Nein, man wisse immer noch nicht, ob es ein Anschlag ist. Dennoch mal die Frage an den Korrespondenten in Berlin, der ja auch nur im Studio rumsteht, ob es vielleicht doch einer war.
Angeblich soll irgendwas an der Siegessäule passiert sein, eine Schlägerei. Man wisse es nicht genau, aber ob denn vielleicht die Korrespondentin in Berlin, die ja auch nur im Studio rumsitzt, mehr wisse. Nein, weiß sie nicht. Und ob es stimme, dass der Lkw-Fahrer dort gefasst worden sei, und man müsse ja die Frage stellen, wie er da hin kam. Vielleicht habe es ja eine Verfolgungsjagd gegeben. Ja, das kann die Korrespondentin in Berlin, die ja auch nur im Studio rumsitzt, sich auch vorstellen. Man wolle aber keine Vermutungen anstellen, deshalb wolle sie dazu nichts sagen.
Macht es aber munter weiter.

Alle paar Minuten wurde zu den beiden in den Studios rumsitzenden Korrespondenten geschaltet, die immer noch nicht mehr zu sagen hatten. Nach ein paar Minuten lief einfach noch mal (derselbe?) Terror-Rückblick, bevor weitere nichtssagende Schaltungen zu den Korrespondenten folgten.

Es ist ein Dilemma für die Nachrichtenmacher: Einerseits haben sie kaum Infos und Bilder. Andererseits müssen sie auf Sendung bleiben, um die Leute einzusammeln, die erst später von dem Vorfall erfahren und ins Erste schalten, weil sie genau diese Infos erwarten. Und dass die “Tagesschau” dann auch da ist.
Dennoch wäre es schön, nicht ins Blaue zu schwadronieren und ständig zu betonen, dass man nicht schwadronieren wolle.

Und sonst so? CNN war wohl schon sehr viel früher auf Sendung. n-tv ab etwa 20.45 Uhr. Dort lief ungeschnitten ein Handyvideo eines Berliner Journalisten, offenbar direkt nach dem Vorfall gedreht. Kommentierend lief er am Unglücksort entlang. Zu sehen waren auch Verletzte (Tote?) auf dem Boden. Und im Hintergrund riefen Leute, der Mann möge doch aufhören zu filmen. Zu hören war, wie der Journalist (zurecht) beschimpft worden ist. Bei n-tv hat man auch das dringelassen. da ist man nicht zimperlich und total selbstkritisch. Oder so.

Das ZDF wollte übrigens lieber nicht den tollen “Gotthard”-Fernsehfilm unterbrechen, das ist bei so einem Vorfall in Berlin mit Toten und Verletzten aus ZDF-Sicht vermutlich nicht notwendig. Man wartete stattdessen brav auf das “heute-journal”. Kann man machen. Man kann das aber auch zweifelhaft finden.

Hits: 35

RTelenovela

Breitscheidplatz – 20 Minuten danach

Dienstag, den 20. Dezember 2016
Tags:

Die ganze Tragweite wird einem erst nach und nach bewusst.
20 Minuten.
Es war gegen 19.40 Uhr, als wir den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin in Richtung Kurfürstendamm verließen. Schnell noch einen Langos, bevor wir ins Theater gingen.
Etwa 20 Uhr: Die Hölle bricht über den Platz herein. Ein Lkw rast über einen Teil des Geländes. Jetzt, in der Nacht, ist von zwölf Toten die Rede und von etwa 50 Verletzten.

Als es passierte, saßen wir gerade im Theater am Kurfürstendamm. Oliver Kalkofe präsentierte die 2016er-Highlights seiner “Mattscheibe”. In der Pause, kurz nach 21 Uhr, standen wir draußen vor dem Theater. Uns fiel nichts auf, dass da was passiert ist. Was ich aber registrierte: Mehrere Menschen hatten Nachrichtenseiten auf ihren Smartphones offen. Warum auch immer: Ich hatte die Pause nicht genutzt, um auf dem Telefon rumzudaddeln.
Nach der Pause aber, gegen 21.30 Uhr, berichtete Oliver Kalkofe, was keinen Kilometer von uns entfernt passiert ist. Was für ein Schock. Schnell war aber klar, dass die Show weitergehen sollte. Wir lassen uns das Lachen nicht verbieten – so war das Motto. Und tun konnten wir in dem Moment eh nichts.

Es war seltsam. Während vorn lustige Filme liefen, lachten wir. Gleichzeitig kreisten die Gedanken. Zwischendurch doch mal die Blicke aufs Handy. Und der nächste Schock: Dieses Foto. Wo wir doch gerade erst langgelaufen waren.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal machen würde: Den Safety-Check bei Facebook nutzen. Angeben, dass es mir gut geht. Eine SMS an die Mutter schreiben, dass nichts passiert ist.

Nach der Show war die Stimmung gedrückt. Wir mussten zudem in Richtung des Katastrophenortes, da unser Auto unweit davon im Parkhaus stand.
Der Kudamm war nicht ganz still, aber es war weniger los als sonst. Dennoch: Wer keine Nachrichten mitbekommen hat, ahnte nicht, dass nur 600 Meter entfernt ein Unglück geschah.
Das war auch der Gedanke, den ich hatte: Nun ist hier in Berlin was passiert. Man war SO dicht dran, nur wenige Minuten fehlten, und wir hätten es hautnah mitbekommen – oder schlimmer. Und dennoch: Uns ist nichts passiert. Nur wenige Meter weg, und man war sicher, man hat nichts von allem mitbekommen.

Die Gänsehaut kam erst wieder im Auto. Im Radio hieß es, die Tat sei um 20 Uhr passiert. Bisher gingen wir von etwa 21 Uhr aus. Aber dass es nur so kurz nach unserem Marktbesuch geschah, das schockierte uns noch mehr.
Im Radio liefen Berichte, dazwischen ruhige, melancholische Musik, die mir fast die Tränen in die Augen trieb.
Zu Hause dann die Berichte im Fernsehen. Die Bilder vom Breitscheidplatz. Da, wo wir vorhin noch langgegangen waren.

Noch (in der Nacht) ist nicht klar, wer es war, was die Hintergründe sind.
Um so ekliger, widerlicher ist es, wenn jetzt in den sozialen Netzwerken schon Hass geschürt wird. Wenn die Hetzer von der AfD und ihren Freunden sich sofort in Stellung bringen. Von “Merkels Toten” faseln. Diesen Leuten möchte man einfach nur eine scheuern und ihnen ins Gesicht schreien: Einfach mal die Fresse halten!

Ich bin erschüttert. Ich bin traurig. Auch erschrocken, wegen meiner unmittelbaren Nähe. Eines aber habe ich nicht: Angst.
Angst wäre jetzt das völlig Falsche.

Hits: 26

RTZapper

Klein gegen Groß – Das unglaubliche Duell

Dienstag, den 20. Dezember 2016
Tags:

SA 17.12.2016 | 20.15 Uhr | Das Erste

Kinder treten in verschiedenen Spielen gegen Erwachsene an. Und jeder weiß: Kinder sind ja sooo süüüß! Und Kinder verlieren zu lassen, das geht nicht. Und selbst wenn sie verlieren, haben sie nicht wirklich verloren.
Das macht “Klein gegen Groß” im Ersten ein wenig speziell. Am Sonnabend lief im Ersten eine weitere Ausgabe der fast dreieinhalbstündigen (!!) Show.

Das Ganze funktioniert so: Ein Kind kann etwas ganz Tolles, und ein Erwachsener, der das auch kann, versucht das Kind zu schlagen. Also im spielerischen Sinne.
So konnte ein Junge Städte nur anhand von Weltraum-Nachtfotos erkennen. Vermutlich hat er sich die Karten ewig eingeprägt, und sein Gegner, Smudo, hat die Dinger das erste Mal gesehen. Wäre natürlich ein Vorteil fürs Kind, weil es aber ein Kind ist, ist das okay. Nur nicht sehr spannend.

Toll war eine Elfjährige, die großartig rechnen konnte – aber leider langsamer war als das erwachsene Mathe-Ass – und deshalb verlor. Oder die 50 Kinder, die beim gemeinsamen Seilspringen gegen Polizeischüler verloren, weil die mehr Sprünge schafften.
Da haben die Kinder verloren – wollte man aber so nicht sagen. Während die Polizeischüler wieder gehen durften, bekamen die Kinder trotzdem ihren Preis.
Merke: Es ist wurscht, ob du gewinnst oder nicht. Du bist immer ein Gewinner. Das ist nicht verwerflich, das ist ein sehr schöner Ansatz. Dass die Kinder aber alle Preise gewinnen, egal, wie es ausgeht, das finde ich dann doch merkwürdig. Da sollte ein schöner Trostpreis her. Auch wenn die Kleinen sooo süüüß sind. Ein bisschen mehr Konsequenz wäre gut.

Hits: 25

RTZapper

Echt Julia!

Dienstag, den 20. Dezember 2016
Tags: ,

SA 17.12.2016 | 19.45 Uhr | one

In Folge 2 tut sich Julia beim Baden im See die Hand weh. In Folge 3 labert sie davon, dass sie sich von ihrem Freund getrennt hat, einfach so. Und beschwert sich, dass er das so hingenommen hat.
Das ist keine Zusammenfassung der Handlung. Mehr passiert schlicht nicht in der neuen coolen Jugendserie “Echt Julia!”, die diese Woche im ARD/ZDF-Jugendangebot Funk und am Sonnabend bei one angelaufen ist.

1985 herrschte Aufruhr: Die neue wöchentliche Serie “Lindenstraße” sah damals sehr billig aus. Für viele ein Tiefpunkt.
1992 der nächste Schock. Das damalige RTL plus startete “Gute Zeiten, schlechte Zeiten”, eine tägliche Soap. Noch billiger.
2011 ging’s weiter mit “Berlin Tag & Nacht” bei RTL II. Laiendarsteller improvierten irgendwas dahin. Nochmal billiger.
2016 kommt der nächste Trend: Selfie-Serien. Vor allem im Internet, auf Youtube, Instagram oder Snapchat, gibt es Leute, die ihr Leben filmen. Sie labern, sie erleben was, erzählen davon, und alles ist ganz dramatisch.

Diese Art Selfie-Serien gibt es natürlich auch gescriptet. Auf RTL II You gibt es “Berlyn”, wo sich alle nur selber filmen, was natürlich noch viel billiger ist, weil man ja keine großartige Kameratechnik mehr braucht.
Jetzt ziehen Funk und one nach. “Echt Julia!” funktioniert auch auch so, dass diese Julia scheinbar ihr Leben filmt.

Nur interessant ist das leider überhaupt nicht. Zugegebenermaßen ist es aber auch schwierig, in den nur fünfminütigen Folgen (mehr und längere Aufmerksamkeit geht leider nicht mehr), irgendwas aufzubauen, was nach einer Geschichte riecht.
Leider waren aber die ersten drei Folgen, die am frühen Sonnabendabend bei one liefen, alles andere als spannend. Da tut sich Julia also an der Hand weh. Au weia. Und dann kommt wie aus dem nichts die Trennung vom Freund mit einer irrwitzig-bekloppten Begründung.
Die Frau soll 29 Jahre alt sein, benimmt sich aber wie ein dümmlicher Teenie. Und das will die junge funk-Zielgruppe sehen? Und die, die älter sind als 20 oder 25: Ist denen das nicht auch zu dämlich?

Wirklich peinlich ist übrigens, dass diese Julia mit der Kamera spricht, als wäre die ihre Freundin. Sie nennt sie Kitty.
Klingelt da was? Anne Frank nannte ihr Tagebuch, dem sie sich anvertraute, auch Kitty. Soll dieser Zusammenhang wirklich hergestellt werden? Oder ist das Zufall (Nein, das kann kein Zufall sein)? Das wirkt geradezu unangenehm peinlich, weil dieser Vergleich irgendwie gar nicht geht. Nicht, weil man das eventuell nicht darf, sondern weil er im Fall von “Einfach Julia” so dumm ist.
“Echt Julia!” ist leider nur erschütternd blöd.

Hits: 24