Tagesarchiv für 3. November 2016

RTZapper

Glücksrad

Donnerstag, den 3. November 2016
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MI 02.11.2016 | 19.25 Uhr | RTLplus

Ich kann mich noch gut an die Computerspiel-Variation vom “Glücksrad” erinnern. Sie hatte damals einen echten Billiglook im Vergleich zu dem, was da immer auf Sat.1 zu sehen war.
Genau so sieht die Show jetzt bei RTLplus aus. Inklusive der Buchstabenfee.

Unter den vier Neuauflagen der alten Gameshows bei RTLplus ist das “Glücksrad” die schwächste. Denn dieser Sendung sieht man am stärksten an, dass RTLplus dafür nur ein Minibudget hat.
Die Beträge auf dem Rad sind lächerlich klein. Am Ratepult ist nicht mal Platz für Moderator Jan Hahn, der die ganze Zeit blöd in der Gegend rumstehen muss. Die Buchstabenwand ist eine LED-Anzeigetafel (ja, das war bei 9live und Kabel 1 auch schon so), und Buchstabenfee Isabel Edvardsson muss die Buchstaben nicht umdrehen, sondern antippen. Eigentlich ist die überflüssig. Dafür macht sie Bewegungen wie eine in den 90ern programmierte PC-Spiel-Figur, sie tanzt und hebt die Arme, wenn jemand gewinnt. Wie ein Roboter.

Moderator Jan Hahn wirkt meist sehr gelangweilt, und sehr ausfüllend ist die Moderation der Show auch nicht. Man kann nur für ihn hoffen, dass ihm RTL auch noch andere, spannendere Shows gibt.

Und sonst? Drei überflüssige Schnellraterunden, um zu ermitteln, wer zuerst drehen darf. Früher war jeder der drei Kandidaten in den drei Runden einmal als erstes dran. Das war sinnvoll.
Auch sollte man den Leuten von RTLplus mal sagen, dass die Show “Glücksrad” heißt und die Spannung auch darin besteht, zu schauen, wohin sich das Rad dreht. Leider sieht man das oft erst, wenn es schon auf einem Betrag steht.

Und dann die, ähm, Gewinne. Sachpreise (”Ich nehme die gesamte grüne Gewinnpalette.”) gibt es schon lange nicht mehr, dabei wäre das doch sicher auch eine Möglichkeit, Kohle reinzubekommen – für eine Dauerwerbesendung. Stattdessen gibt es ein bisschen Kohle, und das Finale – die Bonusrunde – besteht aus einem Geldgewinn aus einem vorher gezogenen Umschlag. Wenn der Kandidat Pech hat, sind nur 150 Euro drin. Gähn.
Ein bisschen mehr Mühe und Aufwand hat das Glücksrad auch 2016 verdient.

ORA aktuell

Orafol ist neuer Sponsor des Oranienburger FC

Donnerstag, den 3. November 2016
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Der Döner hat ausgedient. Die Fußballer vom Oranienburger FC Eintracht haben mit der Firma Orafol einen neuen Sponsor gefunden. das berichtet der Oranienburger Generalanzeiger.
Orafol ist Exclusivpartner und neuer Namensgeber des Stadions an der André-Pican-Straße. Es heißt nun nicht mehr nach einem Dönerimbiss, “Carolli’s Toleranzarena”, sondern “Orafol-Stadion”.

Die Orafol Europe GmbH gründete sich 1919 in Oranienburg. Sie ist einer der marktführenden Hersteller von selbstklebenden grafischen und reflektierenden Materialien sowie Klebebandsystemen weltweit. Sie hat etwa 950 Mitarbeiter und ist das größte Oranienburger Unternehmen.

RT liest

Nana Rademacher: Wir waren hier

Donnerstag, den 3. November 2016
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Berlin, 2039. Es ist Krieg. Wir erfahren nicht, was genau passiert ist. Wir wissen aber, dass Europa tot ist. Dass Truppen einmarschiert sind. Dass Bomben gefallen sind, dass geschossen worden ist. Und dass viele, viele Menschen gestorben sind.
Berlin ist ein Trümmerhaufen, es kaum kaum öffentliches Leben. Die Leute kämpfen ums pure Überleben.
Unter ihnen ist Anna (15). Ihre Familie hat lange überlebt. Irgendwo in einem kaputten Haus, immer auf der Suche nach Nahrung und etwas, das sie warm hält.
Das Internet funktioniert halbwegs, so lernt sie Ben kennen. Er will aus Hamburg nach Berlin kommen, sagt er. Und tatsächlich: Sie treffen sich. Sie verlieben sich.
Sie wollen raus aus der Stadt, auf’s Land. Aber als sie sich auf den Weg machen, gibt es weitere Schwierigkeiten.

“Wir waren wir” heißt der Zukunfts- und Endzeitroman von Nana Rademacher. Es ist bedrückend zu lesen, was in ihrer Vision in der Mitte Europas passiert, und man führt sich vor Augen: Wer sagt denn, dass in Deutschland ewig Frieden herrschen wird?
In diesem Roman bekommen wir eine Ahnung davon, wie es wäre, wenn…
Im ersten Drittel ist der Roman wie ein Blog erzählt. Annas Einträge lesen sich sehr spannend. Man ist gefesselt von dem, was sie zu berichten hat. Man möchte mehr wissen, und eigentlich will man auch wissen, was denn genau passiert ist. Aber letztlich ist das für den Roman nicht wichtig – da geht es um die Auswirkungen.
Leider verlässt sich die Autorin nicht auf das Konzept. Mit der Flucht wechselt auch die Art zu erzählen – immer noch aus der Ich-Perspektive von Anna, aber nicht mehr tagebuchartig.
Das ist sehr schade, zudem sich die Story inhaltlich verlagert. Plötzlich geht es um die Zustände in einem Mädchenheim und später um den Kampf um eine Fabrik. Und irgendwie ist das leider nicht mehr so packend.
Die Autorin hätte sich mehr um das eine Thema, um den Krieg kümmern sollen, die Geschichte dort weiter erzählen können.

Nana Rademacher: Wir waren hier
Ravensburger, 347 Seiten
6/10