Tagesarchiv für 2. November 2016

RT im Kino

Whiskey Tango Foxtrot

Mittwoch, den 2. November 2016

Schluss mit dem Schreibtischjob: Die Journalistin Kim Baker (Tina Fey) will raus aus dem Alltagstrott. Nicht mehr im kuscheligen Studio sitzen und alles aus der Ferne beobachten. Stattdessen will sie in den gefährlichen Reportereinsatz nach Afghanistan.
Es fällt ihr zunächst schwer, sich in diesem Krieg und dem, was da alles dranhängt, zurecht zu finden. Und zunächst ist Kim auf der Suche nach der großen Story, aber sie muss einsehen, dass das dort alles eben doch ein bisschen anders abläuft.

Es ist schon interessant, zu sehen, wie der deutsche Filmverleih auf Biegen und Brechen versucht, aus diesem Film eine ganz lustige Nummer zu zaubern. Ist ja auch kein Wunder, denn Tina Fey liegt in der Komödienschublade. Und die muss man bedienen.
Tatsächlich hat “Whiskey Tango Foxtrot” auch lustige Elemente. Aber eigentlich ist dieser Film eher am Rande eine Komödie. Grundsätzlich erzählen Glenn Ficarra und John Requa eine ernsthafte Story. Denn durchaus geht es auch darum zu zeigen, wie die Soldaten mit diesem Krieg klarkommen. Und auch, wie das läuft mit den Reportern, die ständig vor Ort sind.
“Whiskey Tango Foxtrot” ist kein großes Kino, er hat auch Längen, Tina Fey spielt annehmbar, das dort erzählte Thema jedoch ist durchaus interessant.

Whiskey Tango Foxtrot
USA 2015, Regie: Glenn Ficarra, John Requa
Paramount, 107 Minuten, ab 12
6/10

RTZapper

Anne Will: Schöne neue Arbeitswelt – Ist der Computer der bessere Mensch?

Mittwoch, den 2. November 2016
Tags: , , ,

SO 30.10.2016 | 21.45 Uhr | Das Erste

Die Diskussionskultur geht vor die Hunde. Das ist immer öfter zu erleben: Keiner hört mehr dem anderen zu. Keiner differenziert mehr. Alle sehen sie nur Schwarz und Weiß.
Auf genauso eindrucksvolle wie ärgerliche Weise war das am Sonntagabend bei “Anne Will” im Ersten zu erleben.
Es ging um die “Schöne neue Arbeitswelt – Ist der Computer der bessere Mensch?”. Mal abgesehen davon, dass so eine Frage kaum zu beantworten ist. Selten ist so heftig und unerbittlich gestritten worden.

Psychiatrie-Professor Manfred Spitzer zum Beispiel. Er hat mit vielem, was er sagt, mindestens im Ansatz recht. Nur leider fuhr er ständig allen anderen dreist über den Mund.
Dass es problematisch ist, wenn man überall und ständig am Internet hängt, ist nicht von der Hand zu weisen. Es stresst auf die Dauer, und man muss sich zwingen, auch mal Abstand zu halten. Nichts anderes sagt der Professor. Und es ist richtig, wenn er sagt, dass man Kinder davor schützen muss. Ab 16 sollte man sie ans Internet lassen, sagt er. Das ist natürlich übertrieben und unsinnig, aber man könnte sich ja darauf einigen, Kinder mehr unter Aufsicht zu stellen, was das Netz angeht. Vielleicht meint er das ja auch so, die anderen haben ihn da ja leider gleich niedergewalzt.
Aber es kann schlicht nicht gut für uns sein, permanent online zu sein, permanent zu chatten, permanent unter dem Druck zu stehen, präsent zu sein, antworten zu müssen. Man muss sich nur mal auf den Straßen umsehen, da sieht man, wie oft und wie viele Leute ständig aufs Handy glotzen (und ich schließe mich da nicht aus).

Internetexperte Sascha Lobo verteufelt, was Spitzer sagt. Für Sascha ist das alles Unsinn. Alles, was Spitzer sagt, hält er für Unsinn – und umgekehrt. Dabei müsste es doch einen Mittelweg geben, über den man Sprechen kann. Konnten die beiden aber nicht. Und beide gaben sich wenig, was die Unsympathie anging. Selbst als Spitzer das Beispiel zweiter Schulklassen aufführte, bei der eine mit Smartboards unterrichtet wird, die andere mit Tafel und Kreide, und dass die “unmoderne” Klasse besser drauf war, wollte das Lobo einfach nicht glauben. Wieso kann man das nicht einfach mal hinnehmen?

Die Diskussion über die neue Computerwelt war leider komplett ohne Mehrwert. Alle faselten sie nur rum, was ja kein Wunder ist, denn in die Zukunft schauen, können wir eh nicht.
Dass die neue Technologie großartig ist, ist unbestritten. Dass sie Gefahren mit sich bringt, dass sie den Menschen verändert, und das nicht nur zum Guten, muss man aber auch diskutieren und in Betracht ziehen.