Tagesarchiv für 21. Oktober 2016

RTelenovela

Jarre

Freitag, den 21. Oktober 2016
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Am Ende des Konzert ruft ein Künstler oft: “Danke!”
Im Fall von Jean Michel Jarre müsste ich eigentlich zurückrufen: “Gleichfalls!”

Am Donnerstagabend erlebte ich den Pionier der elektronischen Musik in der Berliner Mercedes-Benz-Arena. Das Konzert war sehens- und hörenswert, wenn auch bei weitem nicht das Konzert des Jahres. Das liegt natürlich daran, dass bei weitgehend instrumentaler Musik ja nicht viel mehr passieren kann, als dass der Musiker vorne an seinen Reglern steht.
Und für mehr als 70 Euro in der bei weitem nicht günstigsten Preiskategorie hätte ich mir schon gewünscht, dass man das mit Sounds und Effekten wettmachen kann.
Leider konnte Jarre das nicht einlösen. Die Musik kam eindimensional von vorn. Die Lichtshow war okay, aber wirklich nicht phänomenal. So war es auch schwierig, in der bestuhlten Arena das Publikum aus der Reserve zu bringen. Es gelang ihm, aber erst im letzten Drittel.
Na ja, was soll’s. In dem Fall zählte: Ich habe ihn mal live erlebt, und die Musik ist ja auch wirklich toll.

Ich höre Jarre schon sehr lange. Ob ich ihn schon vor der Wende kannte, kann ich leider nicht mehr sagen. Auf elektronische Musik stand ich aber schon immer. Schon in der Kinderbibliothek zu DDR-Zeiten liebte ich die Kassette mit einem Album von “Pond”. Den Song “Planetenwind” mochte ich besonders gern.
So stieß ich dann auch auch Jean Michel Jarre und “Oxygen”. Das Album ist schon 40 Jahre alt. Viele der Songs begleiten mich und mein Leben in verschiedensten Situationen. Klar, dass 1993, als ich endlich auf CD umsteigen konnte, ich dann auch Jarre-CDs kaufte.
Es dauerte nun also etwas mehr als ein Vierteljahrhundert bis zum Live-Erlebnis. Aber besser spät als nie.

Hits: 14

RT im Kino

Snowden

Freitag, den 21. Oktober 2016
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Edward Snowden lebt in Moskau. Nicht ganz freiwillig. In den USA droht ihm ein Prozess.
Warum, das zeigt der Film von Oliver Stone.

Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) ist Mitarbeiter beim CIA und der NSA. Dort kommt er mit unzähligen geheimen Dokumenten in Berührung, und schnell ist ihm klar: Dort passieren Dinge, die so nicht passieren dürfen.
Er gibt tausende geheime Dokumente an Reporter weiter. Die machen die Existenz von Programmen öffentlich, mit der die Totalüberwachung des weltweiten Internetverkehrs möglich ist.
Als die Daten veröffentlicht werden, sorgt das für Unruhe. Bei den Menschen – aber vor allem in der Politik. Snowden hat Geheimnisse verraten, und das dürfe nicht sein, heißt es.

Grundsätzlich ist es nicht neu, was Oliver Stone in seiner Biografie über “Snowden” erzählt. Er bringt es aber weiter auf den Punkt. Gezeigt wird, wie Snowden mehr und mehr in die Materie eindringt, was er darüber denkt, wie er mit sich hadert. Später folgen die Verhandlungen mit den Reportern, die sich wiederum mit ihren Chefs und deren Sorgen rumschlagen müssen.
Das ist oft interessant, an anderen Stellen aber auch langatmig, letztlich zieht sich der Film dann doch ziemlich.
Klar, was Edward Snowden getan hat, ist richtig und gut. Aber Oliver Stone drückt uns diese Haltung ziemlich auf’s Auge, was unnötig ist. Auch der Auftritt vom echten Snowden am Ende hätte so nicht sein müssen. Der mitdenkende Zuschauer hätte die Botschaft auch so verstanden.

Snowden
USA / D 2015, Regie: Oliver Stone
Universum, 135 Minuten, ab 6
5/10

Hits: 40

RTZapper

Inside Nordkorea

Freitag, den 21. Oktober 2016
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MI 19.10.2016 | 22.45 Uhr | Das Erste

Nordkorea. Ein Land, in dem der eiserne Vorhang bis heute nicht zur Seite gezogen worden ist. Der Staat und seine Herrscher sind so streng, dass es kaum jemandem gelingt, von außen hinter die Kulissen schauen zu können.
Am Mittwochabend lief im Ersten die Doku “Inside Nordkorea”. Sie versprach einzigartige Blicke in diesen Staat. Sie lieferte sie aber nur bedingt.

Die Filmcrew durfte ein Jahr lang eine nordkoreanische Familie begleiten. Bei der Arbeit, im Alltag, beim Frühstück.
Aber: Die Zensoren sind immer dabei. Sie sollten dafür sorgen, dass die Crew den schönsten Staat der Welt vorgesetzt bekommt. Wo alle immer guter Laune sind, wo es viel zu essen gibt – alles tutti.
Ist es natürlich nicht. Allerdings haben die Filmemacher einen Trick angewandt: Sie ließen an vielen Stellen einfach weiterlaufen. Wenn die Zensoren der Familie und den anderen Protagonisten Anweisungen gibt. Wie sie auf Details achteten – und so natürlich den Irrsinn der Parteilinie aufzeigten.

Mehr aber leider auch nicht. “Inside Nordkorea” handelt von einem Filmdreh und davon, wie die staatlichen Institutionen Einfluss nahmen. Das ist skurril, ja. Aber kann es ein Anspruch sein, nur zu zeigen, wie skurril Nordkorea ist? Ist das alles, was wir über das Land wissen sollen?
Wie ist denn wirklich das Lebensgefühl in dem Land? Wie denken die Leute abseits der offiziellen Parteiveranstaltungen? Was gibt es in den Läden? Letztere Frage wird im Film sogar aufgeworfen – mit der Antwort, dass man es nicht wisse.

Es ist ein wenig wie mit dem Umgang mit der DDR. In Erinnerungen lacht man gern über die DDR. Über das Skurrile. Über die starren Partei-Events. Darüber, was die Herrscher so machten und was nicht.
Gern wird darüber geurteilt, aber man lässt oft außer Acht, nachzufragen, wie sich Otto-Normal-DDR-Bürger eigentlich gefühlt hat. Was er dachte, abseits des Offiziellen.

So funktioniert auch die Doku, die am Mittwochabend im Ersten lief. Ein Film ohne wirklich Mehrwert. Dass Nordkorea von Inszenierungen lebt, wenn etwas nach außen dringt, das ist nicht wirklich neu. Und mehr hat dieser Film nicht rübergebracht, außer die Bestätigung dessen.
Es ist extrem schwierig, etwas über Nordkorea rauszufinden, den Alltag abzufilmen – fast unmöglich. Das zeigte diese Doku, die nicht wirklich “Inside” war.

Nur kurz blitzte da was auf: Als die Zensoren einmal nicht dabei waren, wird die Tochter der Familie gefragt, wie es ihr geht, was sie denkt. Das Kind weiß nicht, was es sagen soll, es beginnt, zu weinen. Sobald es theoretisch sagen kann, was es will, weiß sie nicht, was sie sagen soll. Als sie nach einem Gedicht gefragt wird, rezitiert es einen Partei-Spruch.
Die Szene zeigt, dass die Kinder scheinbar und offenbar einer Gehirnwäsche unterzogen wird, die erfolgreich ist. Aber ein Kind in Großaufnahme beim Heulen zu zeigen, ist dann schon wieder grenzwertig. Nur das Kind konnten die Filmemacher kurz “knacken”. Spricht auch nicht wirklich für diesen Film. Es hinterlässt leider einen sehr schalen Beigeschmack.

Hits: 18