Tagesarchiv für 26. September 2016

RTelenovela

Wann ist privat privat?

Montag, den 26. September 2016
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Der Hennigsdorfer SPD-Fraktionsvorsitzende Udo Buchholz hat auf seiner Facebook-Seite zum Boykott eines Lokals in Nieder Neuendorf aufgerufen. Dort hatte die AfD nämlich eine Versammlung abgehalten.
Als es darum ging, dass die Presse das öffentlich machte, wollte er wohl zunächst nicht, dass sein Name im Zusammenhang mit diesem Boykottaufruf genannt wird. Weil das ja eine private Äußerung gewesen sei.

Das ist natürlich Unsinn.
Wenn ein in der städtischen Politik nicht ganz unwichtiger Mann auf seiner ach so privaten Facebook-Seite eine politische Äußerung tätigt, dann ist das alles andere als privat. Und überhaupt: Was ist “privat” in diesem Moment?
“Ach, ich veröffentliche da nur hin und wieder etwas”, sagte Buchholz später.
Aber ein Boykottaufruf ist nicht irgendetwas.

Jeder, der in irgendeiner öffentlichen Funktion ist, jeder, der irgendwie durch irgendwas bekannt ist, muss sich immer und überall überlegen, was er kundtut. Da ist auch die eigene total private Facebook-Seite kein Rückzugsort, an den man sich zurückziehen kann. Äußert man dort was, dann äußert man sich. Dann ist es in der Welt. Und entweder steht man dazu oder bittet um Entschuldigung und löscht es.
Inhaltlich kann ich dem Boykottgedanken sogar etwas abgewinnen, aber Udo Buchholz sollte dann auch dazu stehen und den Gegenwind aushalten. Oder eben solche Äußerungen sein lassen.

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Das ProSieben-Auswärtsspiel

Montag, den 26. September 2016
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SA 24.09.2016 | 20.15 Uhr | ProSieben

In Sachen Fernseh-Anarchie ist ProSieben ja schon länger ganz weit vorn. In “Schlag den Raab” dauerte es schon mal sechs Stunden, bis jemand gewann, und wenn das Team vom Studio zur anderen Location wechselte, dann dauerte das eben, und die Kameras liefen weiter. Mit dem “ProSieben-Auswärtsspiel” hat man das am Sonnabend auf die Spitze getrieben.

Die Idee: Leute konnten sich darum bewerben, die Show zu sich nach Hause zu holen, und noch zu Beginn der Live-Show weiß keiner, wo das ganze denn nun stattfindet. Dann kommt das Team, und im Haus, im Garten, in der Wohngegend und auf dem Sportplatz ein paar hundert Meter weiter gehen dann die Spiele über die Bühne.
Der Aufwand ist immens, und wenn es schon nicht immer spannend war – irgendwie war es doch immer interessant.

Das erste “ProSieben-Auswärtsspiel” fand irgendwo in Hessen statt, allerdings hätte man sich offenbar die Geheimnistuerei um den Spielort sparen können. Schon als Elton und Palina dort ankamen, standen dort Dutzende Menschen Spalier. Aber vermutlich würde das alles auch funktionieren, wenn im Ort schon bekannt ist, dass alles dort stattfindet.
Andererseits: Zu beobachten, wie eine Show erst live entsteht, sieht man nicht alle Tage. In den ersten Minuten wurde Technik im Garten aufgebaut, später Scheinwerfer auf der Wohngebietsstraße postiert, zig Spiele aufgebaut, lange Kameraseile gezogen und und und.
Die Spiele waren aufwändig, und manchmal drohte Elton alles zu entgleiten, weil wieder irgendjemand nicht zugehört und die Regeln nicht verstanden hat. Aber diese Anarchie, diese Ungewissheit, was kommt und ob alles funktioniert, machte diese Show aus.
Und vor allem: Da wurde mal was Neues ausprobiert, und es war kein durchgestyltes, fertiges Produkt. Heutzutage muss man allein dies schon würdigen.
Dass die Kritiken so mies ausfielen, ist da kaum nachzuvollziehen. Die Sendung hat Potenzial, und an einigen Stellschrauben kann man noch drehen. Zum Beispiel wäre es eventuell sinnvoller, eine ganze Nachbarschaft antreten zu lassen – denn dann haben von dem Show-Trubel finanziell mehr Leute was davon, wenn sie gewinnen.

Dass hierzulande der Sozialneid immer schlimmer wird, ist da ein ärgerlicher Nebenaspekt. Im Internet tobten sich viele Leute aus, die meinten, der Kandidat hätte doch keine 100.000 Euro nötig, weil er ja so ein tolles Haus hat, und überhaupt. Ich wusste gar nicht, dass solche Leute (die sicherlich einen knackigen Kredit abzahlen) nicht mehr an solchen Sendungen teilnehmen dürfen. Dieses Nichtgönnen ist unangenehm.

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ZAPPER VOR ORT: Linie 1

Montag, den 26. September 2016
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SA 24.09.2016 | Berlin, Grips-Theater

“Wittenbergplatz, Nollendorfplatz, Kurfürstenstraße, Gleisdreieck. Möckernbrücke, Hallesches Tor, Prinzenstraße, Kottbusser Tor. Görlitzer Bahnhof, Schlesisches Tor!”
Das ist nicht irgendeine Aufzählung. Das sind Bahnhöfe in Berlin. Aber auch nicht irgendwelche. Diese Bahnhöfe liegen an der U-Bahn-Linie 1, und im Jahre 1986 sind sie erstmals besungen worden.
Höre ich diese Namen, dann habe ich auch sofort die dazu passende Melodie im Kopf.
Schon vor sehr langer Zeit habe ich den Film “Linie 1” gesehen. Der Film entstand Ende der 80er basierend auf dem gleichnamigen Musicals des Grips-Theaters.
Das Originalstück im Originaltheater zu sehen – das stand schon sehr lange auf meiner Liste.

West-Berlin, Mitte der 80er: In dem Musical “Linie 1” kommt ein junges Mädchen aus Westdeutschland am Bahnhof Zoo an. Sie ist auf der Suche nach ihrer großen Liebe und trifft in dem manchmal eher schmuddeligen Umfeld viele Menschen. Den jungen Typen, der ihr gleich helfen will, den Schwarm zu suchen. Reaktionäre Wilmersdorfer Witwen. Drogenabhängige. Traurige und lustige Menschen. Die ganze West-Berliner Bandbreite.

Das Auffällige ist: “Linie 1” ist keineswegs unaktuell geworden. Mal abgesehen vom West-Berliner Hintergrund könnte diese Story auch 2016 genau so spielen. Denn es gibt sie ja alle immer noch: die kaputten Typen, die Drogenopfer, die Stalker. Die, die über alles meckern. Rechte. Linke. Liebespaare. Ökos, Rumspielende Kinder.
“Linie 1” feierte in diesem Jahr das 30. Jubiläum der Erstaufführung und ist immer noch auf der Höhe der Zeit. Das macht dieses wunderbare, mitreißende Musical aus.
Die Songs gehen ins Ohr, sie sind zum Mitwippen und an anderer Stelle zum Mitheulen.

Ein echtes Urgestein ist übrigens auch dabei: Dietrich Lehmann (76) spielt seit 1986, also von Anfang an, im “Linie 1”-Ensemble. Wer den Film kennt, wird in sofort an seiner Stimme und an seiner Art erkennen. Er spielt den grantigen alten Mann und weitere Rollen im Stück. Wirklich sehenswert!
Das sind aber alle Schauspieler, allen voran die jungen Hauptdarsteller Davide Brizzi, Patrik Cieslik und Amelie Köder.
Nur die beiden Mädels Risi und Bisi haben in der aktuellen Besetzung etwas von ihrem Biss verloren. Nina Reithmeier und Ariane Fischer spielen die frechen Mädchen nicht ganz auf den Punkt, so dass ihr Witz nicht genug herausgehoben wird.

“Linie 1” dauert drei Stunden, aber die vergehen wie im Flug. Das Stück ist immer noch unglaublich mitreißend, manchmal vergisst man echt, dass man da im Theater sitzt, obwohl die Kulissen nicht üppig sind. Aber sie reichen aus, um eine gute Illusion herzustellen.
Und wenn man dann mit der U-Bahn wieder nach Hause fährt (okay, mit der U9, nicht mit der U1) hat man viele, viele Melodien im Kopf.

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Schreibwerkstatt der Grundschule Bötzow: Das geheimnisvolle Buch

Montag, den 26. September 2016
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Das wissen viele gar nicht. Am Rande von Bötzow, in einem Wald, lebt Lilia. Sie ist eine kleine Fee und 100 Jahre alt, was für Feen noch sehr jung ist. Die älteste Bötzower Fee ist schon 12 260 Jahre alt. Der Wald ist auch kein normaler, sondern ein verzauberter – mit Einhörnern, Wichteln und eben auch mit den Feen. Das daneben liegende Waldstück gehört den bösen Drachen.

Von der kleinen Fee Lilia und den bösen Drachen erzählt die elfjährige Laura Bernhard in einem Buch, das jetzt erschienen ist. „Das geheimnisvolle Buch“ entstand in den vergangenen Monaten in der Schreibwerkstatt der Grundschule Bötzow. Anlass ist der zehnte Geburtstag der Bibliothek im Dorf.
In den 16 Geschichten geht es um eine geheimnisvolle Kirche, um echte Freundschaft, geheime Karten und die Welt der Mächte.
Unterstützung bekamen die Kinder von der Illustratorin Anke Am Berg und der Schriftstellerin Angela Planert. Die Idee dazu kam von Bibliothekarin Margot Deetz. „Zumindest wollte ich, dass wir zum zehnten Geburtstag der Bötzower Bibliothek etwas Besonderes machen“, erzählt sie. Einen Anstoß dafür erhielt sie vom Friedrich-Bödecker-Kreis, der sich um die Förderung der Literatur kümmert.

Es ist ein in der Tat recht spannendes Buch geworden. Schon allein, um mal zu lesen, was sich Kinder zwischen 10 und 12 Jahren so alles ausdenken. Da sind geheimnisvolle Storys bei. Ein bisschen Fantasy, auch Dramatisches.
Hinzu kommen sehr farbenfrohe Bilder, die die jungen Autoren selbst gemalt haben. Da gibt es auch noch mal viel zu entdecken.
Der Buchsatz mit seinen sehr breiten Zeilen ist dabei der einzige wirkliche Negativpunkt. Aber an sich haben alle Beteiligten da etwas Tolles geschaffen.

Ein Euro vom Erlös ist übrigens pro Buch für einen guten Zweck bestimmt. Sie gehen an den Verein „Furaha Phönix Kinderhaus“, für den sich der Bötzower Maik Pfeiffer engagiert. Er leistet aktive Entwicklungshilfe in Kenia.

Schreibwerkstatt der Grundschule Bötzow: Das geheimnisvolle Buch
CreateSpace Independent Publishing Platform, 123 Seiten
7/10

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