Tagesarchiv für 25. September 2016

RTZapper

Die Geschichte eines Abends

Sonntag, den 25. September 2016
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FR 23.09.2016 | 0.00 Uhr (Sa.) | NDR fernsehen

Keine Talkshow, sondern eine Doku über einen gemeinsamen Abend.
Oder so ähnlich. Aber wie auch immer: “Die Geschichte eines Abends” ist spannendes Fernsehen! Und wie das immer so ist mit spannendem Fernsehen, läuft es eher in den Randbereichen, in diesem Fall am späten Freitagabend um Mitternacht im NDR.

An so einem Abend passieren schon mal ungewöhnliche Dinge: Während die Runde in einem Ladenlokal um einen Tisch sitzt, alle plaudern, öffnet sich plötzlich die Tür, und ein (vermutlich) Obdachloser bitte um eine Flasche heißes Wasser. Da schauen sich erst mal alle irritiert an, irgendwie beschaffen sie ihm dann auch das Wasser. Weil dann aber die Pizzalieferung kommt und sie nicht einfach vor dem Mann essen wollen, überlassen sie ihm eine der Pizzen.
Das sei nicht geplant gewesen, wie Gastgeber Dirk Stermann versicherte.

Für einen Abend kamen bei Dirk Stermann vier Leute zusammen: Komikerin Carolin Kebekus, “Tagesschau”-Moderatorin Linda Zervakis, Schauspieler Ralf Richter und Sänger Roberto Blanco. Sie treffen sich, laufen durch Hamburg zum Italiener und dann noch in eine Karaoke-Bar. Im Mittelpunkt steht gar nicht so der Talk, sondern das Drumherum. Das Beobachten, was sie sich wie und wo erzählen. Das ist spannend und zudem auch gut zusammengestellt und geschnitten. Allerdings erscheinen 45 Minuten dafür etwas kurz.
Dennoch kommt einiges rüber: Dass Roberto Blanco seinen Job ernst nimmt, liebt und Spaß daran hat. Und dass er damit klar kommen muss und auch klar kommt, wenn ihn Leute auf privates ansprechen. Dass Linda Zervakis es pervers findet, wenn Promi-Frauen drei Tage nach einer Geburt schon wieder präsent sein wollen und das als normal propagieren. Das sind auch die Momente, wo man den fünf Leute dort an den Lippen hängt, wo das Format dann doch gern mehr Gesprächsfreiraum lassen könnte.

Wie überhaupt “Die Geschichte eines Abends” toll ist, aber noch viel mehr Potenzial hat.

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RT im Kino

SMS für dich

Sonntag, den 25. September 2016

Gerade haben sie sich noch liebevoll verabschiedet: Clara (Karoline Herfurth) und von ihrem Ben (Florian Stetter). Da wird er vor ihren Augen von einem Besoffenen überfahren.
Lange, sehr lange kommt Clara über den Verlust ihres Freundes nicht hinweg. Sie zieht sich zurück und kommt erst nach einer langen Pause nach Berlin zu ihrer Mitbewohnerin Katja (Nota Tschirner) zurück. Ein Rat an Clara: Mit Ben reden. Aber wie? Sie schreibt Ben an sein altes Handy eine SMS. Und noch eine, und noch eine.
Aber natürlich ist Bens alte Telefonnummer längst neu vergeben – an den Journalisten Mark (Friedrich Mücke). Der ist von den herzlichen Worten von Clara sehr angetan – zumal es mit der eigenen Freundin mies läuft. Also macht sich Mark mit seinem Kollegen David (Frederick Lau) auf die Suche nach der geheimnisvollen SMS-Schreiberin.

“SMS für dich” ist die erste Regiearbeit von Karoline Herfurth – und die ist wirklich sehr gut gelungen. Die Geschichte ist nicht neu – und alles rund um die SMS ist heute ja fast schon wieder altbacken. Aber das ist in diesem Fall egal.
Herfurth schafft es mit ihrem durchweg tollen Ensemble immer den richtigen Ton zu treffen. Der Kitsch ist nicht zu kitschig. Der Humor nicht zu doof. Zudem haben viele der Schauspieler einen angenehmen Berliner Dialekt drauf, es handelt sich also um einen Berliner Liebesfilm. Es gibt Szenen, die wirken so real, dass man denken könnte, da gab es gar kein Drehbuch, oder alle dachten, die Kamera läuft gar nicht. In einer Sequenz erzählen sich Clara und Katja irgendwelchen Unsinn, und sie sind dabei herrlich albern, und das wirkt alles andere als aufgesetzt. Man sieht dem Treiben einfach unheimlich gern zu.
Dazu kommen gut komponierte Bilder, dazu ein unaufdringlicher, aber schöner Soundtrack.
Katja Riemann ist aber wunderbare schrullige, aber eben auch nicht doof-alberne Rolle als Schlagersängerin, die von Mark interviewt wird – und noch eine besondere Rolle einnimmt.
“SMS für dich” ist bestes deutsches Kino!

SMS für dich
D 2016, Regie: Karoline Herfurth
Warner, 107 Minuten, ab 0
9/10

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