Tagesarchiv für 16. Juli 2016

RTZapper

Live: Militärputsch in der Türkei

Samstag, den 16. Juli 2016
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FR 15.07.2016 | 1.35 Uhr (Sa.) | N24

Es ist 1 Uhr in der Nacht zum Sonnabend, als beim Teilzeit-Nachrichtensender N24 die spannende Doku “Black Box – Kollision über den Wolken” beginnt. Es ist sicherlich interessant zu erfahren, was denn damals bei einem Flugzeugunglück passiert ist.
Blöderweise passiert auf der Welt gerade mal wieder eine Krise, einen vermutlichen Militärputsch in der Türkei – nur bei N24 fühlte man sich noch nicht krisengeschüttelt genug, um live auf Sendung zu gehen. Unverdrossen liefen stundenlang Dokus statt Nachrichten.
Erst gegen 1.35 Uhr ging man plötzlich auf Sendung, immerhin 80 Minuten lang mit Bildern aus der Türkei und mit Einschätzungen verschiedener Korrespondenten. Spät, erst drei Stunden nach den ersten Meldungen, aber immerhin.

So ist das ja immer mit Krisen, die unglücklicherweise am späten Wochenend-Abenden eintreten. Irgendwie hat da keiner so richtig Zeit für. Das “Nachtmagazin” im Ersten dauerte nach Mitternacht zwar doppelt so lange wie geplant, aber dann verabschiedene man sich bis 3.45 Uhr, also drei Stunden Informationslosigkeit im Ersten – zu einem Zeitpunkt, wo die Nachrichtenlage am angespanntesten war.

Das ZDF immerhin war sowieso gerade mit dem “heute journal” auf Sendung, als die Krise bekannt wurde, auch bei n-tv war man auf der Höhe der Zeit. Bei phoenix versprach man, morgen um 9 Uhr wieder live auf Sendung zu sein, und als Zuschauer fragte man sich: echt jetzt? Ernsthaft? Morgen um 9?
Bei euronews zeigten die erneut wahllose Live-Bilder aus Istanbul, auf denen man aber kaum etwas erkennen konnte und dafür aber Schüsse zu hören waren. Das alles kommentiert wie ein Fußballspiel (“Wir hören Schüsse…”), ohne echte Erkenntnisse. Merkwürdiger Journalismus.

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Die schlechtesten Filme aller Zeiten: Musik, Musik – da wackelt die Penne

Samstag, den 16. Juli 2016
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FR 15.07.2016 | 22.05 Uhr | Tele 5

Gruselig. Der junge Chris Roberts sitzt in einem Klassenzimmer, setzt sich neben ein blondes Zopfmädchen, nimmt es in den Arm und singt sein Teddybär-Lied.
“Baby, ich wollt’ ich wär’, Baby, dein Teddybär. Du würdest mich küssen, mich sehr vermissen. Baby, ich wollt’ ich wär’, oh Baby, dein Teddybär. Sei wieder zärtlich und komme zu mir. All meine Liebe schenke ich dir. Oh biduda, sing’ ich, oh bidudi. So schön wie heute war es noch nie.”
Die Szene ist von 1970, und damals hat man sich vielleicht nichts dabei gedacht. Aber heute – da wird einem übel.

“Musik, Musik, da wackelt die Penne” – so heißt der Musikfilm, den uns Oliver Kalkofe und Peter Rütten in ihrer Tele-5-Reihe mit den schlechtesten Filmen aller Zeiten zugemutet haben.
Und wirken Filme wie “Sharknado” oft so, als sei die Scheißigkeit so gewollt – da ist der deutsche Film “Musik, Musik” einfach wirklich nur unterirdisch schlimm.
Nicht nur wegen Chris Roberts, der aus dem Nichts auftaucht, um im Klassenzimmer zu trällern und sich an ein minderjähriges Mädchen ranzumachen.

Damals waren Paukerfilme total in, also lustige Klamotten rund um Schüler und Lehrer. In diesem Fall wollte es Regisseur Frank Antel aber wohl besonders billig. Besonders auf eine schlüssige Story ist verzichtet worden. Der junge Hansi Kraus wird von seinem Vater, einem Unterrichtsminister (was auch immer das ist), gezwungen, das Nach-Abitur zu machen was auch immer das wieder ist). Er muss auf eine Schule, und seine Freude, die grad eh nichts zu tun haben, kommen einfach mit – sie proben gerade an einem Musical.

Es gibt ja guten Trash und miesen. Es gab gute Paukerfilme und die, die nicht zu ertragen sind. “Musik, Musik – da wackelt die Penne” gehört beide Male in die zweite Kategorie.
Insbesondere der damals unfassbar überschätzte Ilja Richter spielt wie ein Schülertheater-Laie, mit völlig übertriebenen Gesten und unnatürlichen Bewegungen. Keine Ahnung, wie aus dem damals ein Star werden konnte.
Hinzu kommt Howard Carpendale, der sein schönes Mädchen auf Seite 1 besingt und sich während des Liedes auf einem Motorboot rumfahren lässt. Warum, weiß niemand. Vermutlich nur aus PR-Gründen.

Aber – einmal mehr – zum Glück hatten wir ja Kalkofe und Rütten, die die Perle mit ihren Kommentaren erträglich gemacht haben.
In Berlin wurde das Spektakel schon vorab im Kino “International” gezeigt, und es war eine große Party mit Szenenapplaus und großen Lachern. So lassen sich auch die beschissensten Filme ertragen. Wobei: “Musik, Musik” ist schon wirklich atemberaubend schlecht.

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