Tagesarchiv für 18. April 2016

aRTikel

Der Mann mit der schmusigen Stimme

Montag, den 18. April 2016
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Sky Du Mont las im Hennigsdorfer Stadtklubhaus

MAZ Oberhavel, 18.4.2016

Hennigsdorf.
Sky Du Mont ist mit gleich zwei Büchern ins Hennigsdorfer Stadtklubhaus gekommen. „Ich hoffe, das hat man Ihnen gesagt“, meint der 68-jährige Schauspieler und Autor gleich zu Beginn seiner Lesung am Freitagabend. Der Saal war zu zwei Dritteln gefüllt. Die Frauen waren in recht großer Mehrheit.
Es ist vor allem seine schmusige Stimme, die gleich zu Beginn auffällt. Sky Du Mont hat eine auffallend schöne Stimme, der man gern zuhört.

Anfangs habe er Krimis geschrieben, erzählt er. Das habe ihn dann allerdings gelangweilt. Die Idee für ein weiteres Buch entstand durch die Teilnahme an der RTL-Show „Typisch Frau – typisch Mann“, an der er mit seiner vierten Ehefrau Mirja teilnahm. Das dortige Geplänkel ist wohl in Verlagskreisen gut angekommen. Danach erhielt Du Mont das Angebot, ein Buch zu schreiben – eine Art Mann-Frau-Konflikt-Buch. So kam es dann auch.
Seine beiden neuesten Werke heißen „Full House – Liebeserklärung an die Chaosfamilie“ und „Steh ich jetzt unter Denkmalschutz? – Älterwerden ist nichts für Spaßbremsen“. In launiger Art und Weise beschreibt Du Mont einerseits sein aufregendes Familienleben, andererseits die Last und die kleinen Zipperlein, die das Alter so mit sich bringt.

Seine Anekdoten kommen im Stadtklubhaus in Hennigsdorf gut an. „Meine Frau wollte eine größere Küche“, so las er vor. Und das, weil sich größere Küchen in größeren Wohnungen befänden. Seine Frau wollte nämlich raus aus der kleinen Wohnung. Stattdessen Haus mit Garten – und natürlich direkt danach der Nestbau. Wer Kinder wolle, müsse die Wohnung noch mal komplett umbauen – inklusive Kataloge wälzen und nach schadstofffreien Möbeln suchen. Sie: „Das ist nicht das, was wir wollen.“ Er: „Also ich finde…“ Sie: Es ist nicht das, was wir wollen!“
Sky Du Mont nimmt sich auch gern selbst auf die Schippe – zum Beispiel, wenn er von seinen Schwiegereltern erzählt. Er hatte mit ihnen ein freundschaftliches Verhältnis. Allerdings stellte er klar: „Meine Schwiegermutter ist zehn Jahre jünger als ich.“ Und schiebt nach: „Optisch kann ich das aber nicht bestätigen.“
Später berichtet er vom Umgang der Männer mit Krankheiten. „Es sind die Mütter, die uns jahrelang betütteln, und plötzlich sollen wir schweigen, nur weil eine andere Frau in mein Leben getreten ist.“ Über den Sohn, der in die Kita kommt: „Er genießt die Zeit, und wir übrigens auch.“ Und: „Ausdrücke wie Arschloch oder Pisser gehen ihm nun fließend über die Lippen.“

Das Publikum war zufrieden. „Seine Art, sich zu geben, ist lustig“, sagte Waldtraud Masur aus Hennigsdorf. Diese lustigen Geschichten habe sie ihm nicht zugetraut. „Wir finden ihn auch gut“, sagte Rainer Ulrich, ebenfalls aus Hennigsdorf. „Ein lustiger Mensch, der auch was zu sagen hat.“ Rente Bischoff aus Hennigsdorf findet Sky Du Monts Stimme toll, und „als Schauspieler kennt man ihn ja.“ Eines aber hatte sie zu kritisieren: „Was mir nicht gefällt, sind die vielen Kraftausdrücke“, sagte sie.

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RT im Kino

Unter dem Sand

Montag, den 18. April 2016
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Eigentlich war im Mai 1945 alles vorbei. Deutschland hat den Zweiten Weltkrieg verloren. Die Soldaten wurden aus den vormals besetzten Ländern abgezogen.
Aber nicht alle. In Dänemark mussten ein gutes Dutzend sehr junger Soldaten noch bleiben, und sie bekamen einen hochgefährlichen Auftrag, ohne den zu erledigen, sie nicht nach Hause dürfen.
Am Nordseestrand liegen 45.000 Tretminen – etwa 20 Zentimeter tief im Sand. Die Jungs – und es sind wirklich Jungs, keine Männer – müssen sie ausgraben und entschärfen. Drei Monate haben sie Zeit.
Jede Mine könnte die letzte sein – aber die Aussicht auf die Rückkehr nach Hause lässt sie nicht aufgeben.

Mit “Unter dem Sand” erzählt Martin Zandvliet eine bislang recht unbekannte Geschichte, und die nagt ganz gehörig an den Nerven der Zuschauer.
Der Film zeugt die Ungeheuerlichkeit, die den Jungs da zugemutet wird. Aber auch, wie die Situation in Dänemark war. Der Hass der Menschen auf die Deutschen, die im Krieg für viel Leid und Elend gesorgt haben. Die hochgefährliche Aufgabe ist gewissermaßen der Denkzettel.
Die Angst aber, die ist den Jungs ins Gesicht geschrieben. Der Fakt, dass jederzeit eine Mine hochgehen kann, der schwebt permanent über der Handlung, es gibt Szenen, da hat man regelrecht Angst, hinzugucken.
Diese Spannung, diese Angst, die überträgt sich aus der Leinwand heraus.
Dafür sorgen auch die vielen jungen, talentierten Schauspieler, unter ihnen Louis Hofmann und Joel Basman.
Einen Minuspunkt bekommt das Styling der Jungs – das wirkt in der dreimonatigen Arbeit, in dem kargen Leben mit Hunger und harter Arbeit, einfach viel zu perfekt.

Unter dem Sand
Dänemark 2015, Regie: Martin Zandvliet
Koch Media, 101 Minuten, ab 12
8/10

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RTZapper

ZDF spezial: Abschied von Hans-Dietrich Genscher

Montag, den 18. April 2016
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SO 17.04.2016 | 11.55 Uhr | ZDF

Stille.
Mit Stille können die Fuzzis beim Fernsehen leider so gar nichts anfangen.
Bei Stille werden die nervös. Bei Stille denken sie an Sendeausfall und daran, dass die Leute denken könnten, der Fernseher sei kaputt.
Und deshalb lassen Fernsehfuzzis Stille nicht zu.
Deshalb wird Stille konsequent zugequatscht.

Das ZDF übertrug am Sonntagmittag live aus Bonn den Staatsakt für den verstorbenen Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher.
Da gab es den Moment, als der Sarg von Bundeswehr-Soldaten aus dem Saal getragen worden ist.
Im Saal war das ein Moment der Stille.
Aber wie gesagt: Stille im Fernsehen – das, finden Fernsehleute, geht nicht. Also laberte Kommentatorin Bettina Schausten drauf los. Sie laberte, um des Laberns Willen, denn inhaltlich hatte sie nichts zu sagen. Außer dass gerade der Sarg rausgetragen werde, aber das hat der ZDF-Zuschauer eh gesehen. Dann erzählte Frau Schausten, dass der Sarg auf den Platz getragen werde, aber auch das hat… nun ja. Dann musste noch ein Studiogast befragt werden, wie er denn das alles fand.

Der Moment der Stille – und vor dem der Augenblick des Respekt vor dem letzten Weg – den wollte die ZDF-Frau dem Herrn Genscher nicht gönnen. Denn dann hätte sie ja schweigen müssen. Und das war leider nicht machbar.

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