Tagesarchiv für 5. April 2016

RT liest

Lance Rubin: Bin mal kurz tot

Dienstag, den 5. April 2016

Es ist ja schon unheimlich, dass wir irgendwann sterben. Dass irgendwann einfach Schluss ist. Dass wir dann schlicht nicht mehr sind.
Noch unheimlicher ist es, genau zu wissen, an welchem Tag man sterben wird. Oder ist es vielleicht sogar ganz praktisch? Weil man sich dann weniger Sorgen macht?

Denton Little ist gerade mal 17, als sein letzter Lebenstag naht. Er weiß schon seit er 5 Jahre alt war, dass er mit 17 sterben wird.
Wenn sein Sterbedatum aber schon morgen ist, dann macht man sich so seine Gedanken. Seine Beerdigungszeremonie steht an, an der er einen Tag vor seinem Tod teilnehmen wird. Und um Mitternacht – wenn der Tag der Tage anbricht – beginnt dann die Beisitzung, das große Warten auf das Ende.
Allerdings verlaufen die beiden Tage ganz anders als geplant. Denton schlittert von einer irren Katastrophe in die nächste. Und die Zeit wird irgendwann wirklich knapp.

Die Vorstellung ist faszinierend und angsteinflößend zugleich. Lance Rubin entwirft eine wissenschaftliche Sensation – dass man erforschen kann, wann ein Mensch stirbt. Schon nach der Geburt werde das festgestellt. Der Autor, der auch als Comedian arbeitet, fantasiert darüber, was alles damit zusammenhängt, wenn man sein Sterbedatum kennt. Darf man dann noch ein Flugzeug besteigen – man könnte ja die anderen Passagiere in Gefahr bringen. Und darf man noch Auto fahren? Und so weiter.
So hat sein Roman viele nachdenkliche Augenblicke, ist aber an sich locker und lustig, leicht geschrieben und letztlich so interessant, dass man schnell wissen will, wie denn Denton nun … geht.
Bekloppt ist eigentlich nur der deutsche Romantitel “Bin mal kurz tot”. Erstens aus inhaltlichen Gründen und zweitens weil er sich damit nur an das bekannte Kerkeling-Sprichwort ranwanzen will. Im Original heißt das Buch “Denton Little’s Deathday”. Der Titel hätte auch auf Deutsch funktioniert und wäre sehr viel interessanter gewesen als “Bin mal kurz tot”.

Lance Rubin: Bin mal kurz tot
Ivi, 343 Seiten
8/10

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RTZapper

Die Story im Ersten: #PanamaPapers – Im Schattenreich der Offshorefirmen

Dienstag, den 5. April 2016
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MO 04.04.2016 | 23.20 Uhr | Das Erste

Es sind große Tage für den Journalismus, für die freie Presse in der ganzen Welt, und das Stichwort und der Twitter-Hashtag dafür lauten #PanamaPapers.
Mehrere Staatspräsidenten, Promis aus aller Welt, Kriminelle und Schmuggler haben viele Jahre die Dienste einer Kanzlei in Panama genutzt, um Geld zu verstecken – in Briefkastenfirmen. Ein Datenleck macht es möglich, Papiere auszuwerten, Namen zu recherchieren und die Beschuldigten mit ihrer Tat zu konfrontieren.

Ein Whistleblower wandte sich 2015 an die Süddeutsche Zeitung und übergab Millionen von Daten. Die dortigen Journalisten schlossen sich mit Kollegen aus aller Welt zusammen und gingen der Sache ein Jahr lang auf den Grund. Am Ende konnte am Sonntag um 20 Uhr die “Tagesschau” die Sache publik machen. Bis dahin war alles geheim.

Das ist ein großer Coup, und er sorgt überall auf der Welt für Unruhe. “Die Story im Ersten” zeigte am Montagabend viele Hintergründe. Zu sehen war der Staatschef von Island, der im Interview eiskalt gelogen hat, bevor er dann mit den Vorwürfen der Briefkastenfirma konfrontiert worden ist. Zu sehen sind merkwürdige Verstrickungen mit Russlands Staatschef Putin. Sportler wie Formel-1-Fahrer Nico Rosberg, Manager und viele weitere sind darin verstrickt.
Vermutlich wird das große Ausmaß dieser Enthüllungen überhaupt erst noch bekannt, in einigen Ländern sind schon Untersuchungsverfahren eingeleitet.

Glückwunsch an alle Journalisten, die dort mitgearbeitet haben und nun diesen Sumpf enthüllt haben.

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RTelenovela

Rügen 2016 (3): Kind schreit, Kellnerin schlichtet

Dienstag, den 5. April 2016
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(2) -> 3.4.2016

Direkt an der Binzer Strandpromenade befindet sich einer dieser total angesagten Burgerläden. Der Name hat sich kürzlich geändert, und der Laden ist so angesagt, dass ich sowohl den alten als auch den neuen Namen schon wieder vergessen habe.
Aber am frühen Nachmittag um 14 Uhr ist der Laden so richtig voll. Fast alle Tische sind besetzt.

Und die junge Kellnerin scheint genervt. Am Tisch schräg gegenüber mosern die Leute, weil irgendwas nicht so funktioniert hat, wie es gewollt war. Die Kellnerin wiegelt ab, gibt den Leuten recht und bittet um Entschuldigung, aber die Leute scheinen untröstlich zu sein.

Am Nachbartisch beginnt ein Kind zu schreien. Die Mutter hat es Arm, und es scheint, als ob sie das Schreien selbst überhört. Es stört sie nicht, oder sie ist einfach nur apathisch. Die anderen Leute im Lokal hören es aber – und sind zunehmend genervt. Auch weil keiner am Tisch zumindest einen Tröstversuch unternehmen. Die Oma blickt sich lächeln im Raum um, als möchte sie sagen: Tjaja, so sind die Kinder.
Das Kind schreit weiter, immer lauter. So laut, dass inzwischen die andere Gespräche im großen Raum zum Erliegen kommen. Mama ist’s egal.
Da kommt die Kellnerin, bleibt stehen, sieht zum Kind und ruft laut: “Na, was hat denn das Kleine? Wer ärgert es denn so, dass es hier so einen Alarm macht?” Sie macht das freundlich, aber bestimmt – und es wirkt. Plötzlich schreit das Kind nicht mehr. Es scheint zu merken, dass das jemand ist und mit ihm spricht.
Alle sind beeindruckt. Die Kellnerin geht weiter, und das Kind bleibt tatsächlich ruhig und gibt in der kommenden halben Stunde keinen Mucks mehr ab.

Vielleicht sollte die Kellnerin ihren Job wechselt. Sie scheint ein Talent zu haben, Kinder zu beruhigen…

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