RTelenovela

Früher Kachelöfen, heute Kultur

Der Hof ist menschenleer. Das soll ein Kulturzentrum sein?
Wir laufen zum Haupteingang. Der Tresen ist verwaist. Niemand ist da, der uns bedienen oder eine Auskunft geben könnte. Wir wollen ins Kino, und keiner ist da, der uns irgendwas verkaufen könnte.

Wir sind in Neustrelitz, in der Alten Kachelofenfabrik. Früher sind dort, überraschenderweise, Kachelöfen hergestellt worden, seit 1998 ist dieser Ort eine Kulturstätte. Aber irgendwie auch tot, jedenfalls an diesem Karfreitagabend.
Also, dachten wir zumindest.
Das Lokal nebenan war voll, alle Tische belegt. Dort fragen wir mal wegen des Kinos nach und erfuhren: Geht bald los.

Also warteten wir. Eine Katze stromerte um uns herum, die Kinoplakate in den Schaukästen wies auf das Programm hin – viele kleinere Produktionen, Filmkunst, Dokus. Erstaunlich und auch gut, dass so was dort funktioniert.
Und tatsächlich ist dann der Raum geöffnet worden, eine Frau war nun auch da, um uns zu bedienen.
Sie arbeitet mit weiteren Leuten ehrenamtlich dort. Ein Filmclub berät über die Filme, die dort gezeigt werden. Die Preise sind mehr als erschwinglich, der Eintritt kostete nur 5 Euro, auch die Getränke sind spottbillig. Fast schon zu billig, möchte man meinen.
Es finden sich dann tatsächlich auch noch Leute ein, die gemeinsam mit uns den Film schauen wollten, und von denen man sich am Ende dann auch verabschiedete. Wo macht das das schon in Berliner Multiplexen?

Wir kommen wieder. Im Frühjahr, spätestens im Sommer, wenn man dann auch im Garten sitzen kann, was essen und trinken kann. Sah nämlich auch im Dunkeln mindestens vielversprechend aus.

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