Tagesarchiv für 21. März 2016

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Willy Brandt machte ihn zum Sozialdemokraten

Montag, den 21. März 2016
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Der Kreistagsvorsitzende Karsten Peter Schröder feiert heute in Bärenklau seinen 60. Geburtstag – die Wende 1990 änderte damals auch sein Leben

MAZ Oberhavel, 21.3.2016

Bärenklau.
Er bleibt gelassen, sagt er. Immerhin feiert Karsten Peter Schröder heute seinen 60. Geburtstag. Nach kurzem Überlegen: „Manchmal glaubt man’s gar nicht, mit jedem Jahr wird man älter, vergeht die Zeit schneller.“ Er sieht das als Signal, die Zeit zu nutzen, die man noch hat.
Wer aber auf die lange Liste dessen schaut, was der Bärenklauer für Aufgaben und Ehrenämter hat, merkt: Er nutzt sie schon jetzt und schon lange. Karsten Peter Schröder ist Unterbezirks-Geschäftsführer der SPD Oberhavel. Er sitzt im Kreistag und ist dessen Vorsitzender. Er ist Gemeindevertreter in Oberkrämer und sitzt im Ortsbeirat von Bärenklau. Außerdem unter anderem Mitglied im Förderverein der Feuerwehr, Ehrenmitglied bei Grüß-Weiß Bärenklau, im Vorstand des Kulturvereins Arge-Baer. Und so weiter.

In Bärenklau ist er tief verwurzelt. Geboren am 21. März 1956 – allerdings in Hennigsdorf. „Mein Makel“, sagt er scherzhaft und lächelt. Eigentlich sollte er ein Mädchen werden. Seine Eltern hatten aus ihren ersten Ehen je einen Sohn mitgebracht. „Bis ich in die Schule kam, wurde ich auf Mädchen getrimmt.“ Er lernte in Bärenklau, Velten und Hennigsdorf. Die schlechte Mathe-Note sorgte jedoch dafür, dass es nicht zum Abitur reichte. Das Abschlusszeugnis der 10. Klasse bekam er erst drei Wochen nach Ferienbeginn. „Weil ich zur Zeugnisausgabe kein FDJ-Hemd an hatte.“
Er begann eine Lehre als Elektriker bei der LEW in Hennigsdorf, später im sächsischen Heidenau als Elektromaschinenbauer. Nach einer Zwischenstation im Stahlwerk war er 1975/76 bei der Armee. „An der Grenze.“ Glücklicherweise an einer ruhigen Ecke, wie er sagt, am Übergang zu Niedersachsen. „Hinterher habe ich mitgekriegt, wie blöd das hätte laufen können. Man wurde in der Ausbildung darauf getrimmt, Grenzverletzter unschädlich zu machen.“ Rückblickend ein schlimmer Gedanke.
Danach arbeitete er erneut im Stahlwerk, später bei einer Metallaufbearbeitungsfirma in Velten – bis zur Wende. Die änderte alles, auch im Leben von Karsten Peter Schröder. „Anfang 1990 hieß es, die wollen in Bärenklau eine CDU-Truppe aufmachen.“ Das aber sei nicht das Richtige für ihn gewesen. Willy Brandt – das ist eines seiner politischen Vorbilder. „Er war der Grund, mich mit der SPD zu identifizieren.“ Beim ersten Runden Tisch in Bärenklau war die SPD nicht dabei. „Wir haben dann organisiert, dass 14 Tage später auch die SPD informiert“, so Schröder. Das war damals im Dorfkrug – und Schröder ist zum Vorsitzenden der Ortsgruppe gewählt worden. „Da ging es los.“ Die Wahlen kamen, und Schröder stieg endgültig in die Politik ein. „Wir wollten gemeinsam was für Bärenklau erreichen.“ 1992 wurde er Bürgermeister.
Als der damalige Landrat Karl-Heinz Schröter im Dezember 1990 den Sprung in den Bundestag schaffte, wurde Schröder einer seiner Mitarbeiter. „Da kam mir meine Stahlwerk-Zeit zugute. Ich hatte zu den Arbeitern einen guten Draht und konnte mit denen reden.“ Die Zeiten nach der Wende aber waren hart: „Da saßen 40 Leute auf dem Flur, alle waren verunsichert, weil man ihnen ihre Grundstücke wegnehmen wollte.“ Stichwort Vermögensrecht und Altbesitzer.
Bis 2002 arbeitete Schröder für Bundes- und Landtagsabgeordnete – und pflegte dann seinen Vater. „Er war ein schwerer Pflegefall. Das mitzuerleben, ist schlimm, es ging dann auch nicht mehr zu Hause.“
2004 nahm er die Arbeit wieder auf, vier Jahre danach ist er Vorsitzender des Oberhavel-Kreistages geworden. „Das ist das, was ich am liebsten mache.“ Mehr, sagt er, gehe zwar – wolle er aber nicht. Sein Credo: Egal, wer kommt, es ist immer eine Herausforderung. Angst vor neuen Aufgaben habe er nie gehabt – auch wenn die Zeiten rauer werden. „Es gibt manchmal Fragen, wo es schwerfällt, Antworten zu geben. Nicht, weil es keine gibt, sondern, weil diese nicht gehört werden wollen.“ Menschen nach dem Mund reden, das will er nicht.

Schröder hat eine Tochter, seit 2014 ist er zum zweiten Mal verheiratet. „Es war ein Glücksfall, eine Frau zu finden, die das alles mitmacht.“ Hobbys abseits der Ehrenämter hat er kaum. „Gerne mal Niveauloses im Fernsehen.“ Verreisen will er gar nicht. Immerhin, sagt er, habe er zur Rente zu Hause noch einige Sachen vor.
Seinen Geburtstag heute feiert er im Bärenklauer Dorfkrug. Der könnte voll werden. „Ich freue mich über jeden der kommt.“

RT im Kino

Raum

Montag, den 21. März 2016

Jack ist fünf geworden. Er ist jetzt schon groß. Gemeinsam mit seiner Mutter wird er einen kleinen Kuchen backen. Sie hat es ihm versprochen, schließlich soll man ja zum Geburtstag etwas richtig Tolles machen.
Was Jack (Jacob Tremblay) nicht weiß: Andere Jungs in seinem Alter machen Ausflüge. Jack allerdings weiß nicht mal, was Ausflüge sind. Jack kennt keine Ausflüge. Er kennt nur Raum.
Der Junge lebt gemeinsam mit seiner Mutter (Brie Larson) in einem nur neun Quadratmeter großen Zimmer – dem Raum.
Vor sieben Jahren ist sie entführt worden, so lange lebt sie dort schon – ohne zu wissen, wo konkret sie sich aufhält. Ihr Peiniger schreckt auch nicht davor zurück, sie regelmäßig zu vergewaltigen – so bekam sie Jack. Jack, der nicht weiß, was außerhalb von Raum ist – oder eher: Dass da überhaupt noch was ist, außerhalb von Raum.
Aber Ma hat einen Plan, und Jack muss ganz tapfer sein…

Als Zuschauer bekommt man regelrechte Beklemmungen, wenn man Teil des Raums ist. Die Kamera bewegt sich nicht raus, wir sind immer mit drin. Wir sehen, wie die beiden damit klar kommen (müssen), dass sie nicht mehr Platz haben – dass sie unfrei sind. Wobei ja Jack nichts anderes kennt.
Brie Larson hat für ihre Rolle einen Oscar als beste Hauptdarstellerin bekommen – und das zurecht. Die zerbrechliche Art, das Beschützende, das Kämpfende, die traurige-wütende Mutter spielt sie großartig. Aber auch der Junge ist eine ganz große Entdeckung. Die Arglosigkeit, die naive Art spielt Jacob Tremblay sehr hinreißend.
Emma Donoghue lieferte nicht nur die Romanvorlage, sondern auch das Drehbuch – und nutzt das dazu, um ihre Geschichte auf eine sehr kluge und weise Art weiterzuerzählen.
“Raum” ist spannend, manchmal traurig, zudem an einigen Stellen sehr berührend, wenn Jack Lebensweisheiten von sich gibt, die uns ganz normal erscheinen – und durch Jack plötzlich einen ganz anderen Stellenwert bekommen.
Ein wirklich besonderer Film, der den Oscar für den besten Film so viel mehr verdient hat, als “Spotlight”, mit dem sich die Medienbranche letztlich nur selbst beschenkt hat.

Raum
Kanada 2015, Regie: Lenny Abrahamson
Universal, 118 Minuten, ab 12
9/10