Tagesarchiv für 4. März 2016

RTelenovela

Symbolträchtig: Das Schloss vor dem Hass beschützt

Freitag, den 4. März 2016
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In zwei Jahren wird Oranienburg einen neuen Bürgermeister haben. Hans-Joachim Laesicke dürfte im Herbst 2017 zwar noch mal antreten, aber er will nicht, wie er jetzt noch mal klarstellte. Und, ja, ich finde das schade. Denn was Oranienburg an diesem Bürgermeister hat, das hat sich am vergangenen Freitag herausgestellt. Und das hat übrigens nichts mit seiner Parteiangehörigkeit zu tun – sondern mit seiner Person.
Weil ich beruflich verhindert war, konnte ich das alles zwar nur aus der nahen Ferne beobachten, aber er hat dort für eine Aktion gesorgt, deren Symbolwert mir eigentlich erst sehr viel später klargeworden ist.

Der sogenannte Abendspaziergang, an dem neben besorgten Bürgern vor allem diverse rechtsextreme Größen der Region teilnehmen, sollte diesmal ein Abendappell sein. Als solcher ist er angemeldet worden, und schon das Wort an sich ist gruselig.
Der als rechter Hassprediger bekannte Blogger Michael Mannheimer sollte vor dem Schloss sprechen. Das Kalkül der Neonazis: das Schloss als schöne Kulisse für den Appell.

Allerdings sind gleich zwei Gegendemos angemeldet worden.
Die Linken marschierten vom Bahnhof zum Schloss und schrien und pfiffen den Appell nieder. Legitim, aber letztlich können sich damit sehr viele Menschen, die den Appell ablehnen, auch nicht identifizieren.
Andererseits klang Mannheimers Rede rein akustisch auch so, dass einem ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Auch dass es Menschen gibt, die das beklatschen.

Bemerkenswert war aber die Aktion “Oranienburg zeigt Herz”. Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke und der ebenfalls sehr engagierte Pfarrer Friedemann Humburg riefen dazu auf.
Nach einem Gottesdienst in der Nicolaikirche liefen 500 Menschen zum Schloss. Mit Kerzen, mit Spruchbändern.
Sie liefen an dem Platz vor dem Schloss vorbei, auf dem die Rechten, die Neonazis und deren Anhänger standen.
Die “Oranienburg zeigt Herz”-Aktion fand nämlich auf dem Südhof des Schlosses statt, also innerhalb der Schloss-Umzäunung. Das Schloss selbst ist mit Herz-Botschaften versehen worden. Die mussten sich die Hassprediger-Zuhörer ansehen.

Ich finde, das war ein bemerkenswertes Bildnis: Die Menschen, die ein Herz haben (die guten Menschen, die Gutmenschen, und nein, “Gutmenschen” ist kein Schimpfwort, weil gute Menschen, ja was Gutes sind), haben das Schloss beschützt. Sie haben es für ihre Liebesbotschaften genutzt und dafür gesorgt, dass eben dieses Schloss nicht ohne Weiteres für Hassbotschaften missbraucht werden konnte.
Erst hinter dem Zaun, ein paar Meter vom Schloss entfernt, standen die, die Gutmenschen scheiße finden. Die, die gut finden, was ihnen stattdessen ein Hassprediger zu sagen hat. Die, die nichts anderes mehr hören wollen, was nicht ihrer Meinung entspricht.

Es war ein tolles Symbol, was dort von der “Oranienburg zeigt Herz”-Aktion ausging. Hoffentlich eines mit Zukunft. Und für die Schaffung dieses Symbols kann man Laesicke und Humburg nur danken.

RTZapper

Oscar 2016: red! Carpet

Freitag, den 4. März 2016
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SO 28.02.2016 | 0.30 Uhr (Mo.) | ProSieben

Weil Steven Gätjen neuerdings lieber schlechte Shows im ZDF moderiert, musste der Stellplatz am Roten Teppich bei den Oscars in Hollywood neu besetzt werden.
Erstmals war es Annemarie Carpendale, die am späten Sonntagabend für ProSieben die Stars befragen durfte, die an ihr vorbeischritten. Wobei man sagen muss, dass die meisten wirklichen Stars an “Ännemäry” vorbeigeschritten sind, ohne mit ihr zu reden.

Es war schon bei der Oscar-Nacht 2015 amüsant und ärgerlich gleichzeitig, mitanzusehen, wie da ein ProSieben-Moderator steht und nicht wirklich was zu sagen hat, weil einfach kein Promi bei ihm stehen bleibt, um mit ihm zu reden.
2016 schien alles noch schlimmer zu sein.

Annemarie Carpendale stand also ziemlich nervös am Roten Teppich herum und wartete, dass sich jemand Bekanntes zu ihr gesellt. Nebenan stand ein US-Reporter, der im Gegensatz zu ihr quasi permanent neue Gesprächspartner hatte. Vermutlich ist es dort nicht gut angekommen, als Annemarie mal fix ihr rotes ProSieben-Mikro nach nebenan hielt und einfach mal mithörte. Das hat sie allerdings nur einmal gemacht – vermutlich hat sie sich in der Werbepause vom US-Kollegen ein paar Hinweise anhören dürfen.

Und wenn sie dann doch mal jemanden vor sich zu stehen hatte, waren ihre Fragen, nun ja, ziemlich modelastig. Das Kleid, der Schmuck – alles musste besprochen werden. Und ob er/sie schon mal in Deutschland war und wie das denn so war.
Übersetzt hat sie ihre Gespräche danach nicht, vielleicht hat sie nicht zugehört oder es war einfach uninteressant.

So schnell wie die Oscar-Verleihung dann vergeht, so langsam schreitet die Zeit bis zum Beginn dahin. Ich erwarte keine tiefgründigen Gespräche am Teppich, aber die ewige Modelaberei langweilt schnell.