Tagesarchiv für 1. März 2016

aRTikel

Erst die Bundesliga, dann die WM

Dienstag, den 1. März 2016
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Max Ritter (15) und Moritz Hagedorn (16) aus Oranienburg sind seit einem halben Jahr ein Schiedsrichter-Team beim Handball

MAZ Oberhavel, 1.3.2016

Oranienburg.
Max und Moritz, diese beiden – nein, sie haben keinen neuen Streich ausgeheckt. Auch wenn das Gespann immer mal wieder auf die beiden Figuren aus der Wilhelm-Busch-Geschichte angesprochen wird: Ihnen geht es nicht um Streiche. Ganz im Gegenteil, in gewisser Hinsicht wollen sie Streiche eher verhindern. Oder eher: Regelverstöße. Seit zwei Jahren arbeiten Max Ritter (15) und Moritz Hagedorn (16) als Schiedsrichter beim Oranienburger Handballclub, seit einem halben Jahr als Team.
Wenn sie auf dem Feld stehen, dann verstehen sich ohne Worte. Gesten und Zeichen reichen. „Das funktioniert“, sagt Moritz. Klopft der eine auf die Brusttasche, dann könnte eine „Gelbe Karte“ ins Spiel kommen. Dauert ein Angriff zu lange, nehmen sie Augenkontakt auf, einer klopft auf die Uhr.
„Im Spiel hat ja jeder von uns seine Aufgabe“, sagt Max. Einer ist Tor-, der andere Feldschiedsrichter. Da wechseln sie sich auch schon mal ab. Und wenn sie sich nicht sicher sind, „dann halten wir das Spiel an, reden kurz und treffen eine Absprache.“ Moritz nickt: „Wir sind ja auch bloß Menschen.“
Max und Moritz spielen auch selbst Handball in der B-Jugend des OHC und kennen dementsprechend auch die andere Seite.

Vor zwei Jahren fing es an mit dem Pfeifen: „Es wurde Werbung für einen Schirikurs gemacht“, erzählt Max, der auf das Runge-Gymnasium geht. „Ich wurde gefragt, ob ich Interesse habe.“ Und er hatte, ebenso wie Moritz, Schüler am Louise-Henriette-Gymnasium. Ein Wochenende lang ging es zu einem Lehrgang, dort mussten sie auch eine Prüfung absolvieren. Später mussten sie mehrere Spiele gemeinsam mit einem erfahrenen Schiedsrichterwart und später mit weiteren erfahrenen Schiris pfeifen. „Dann bekommt man einen Schein“, so Moritz.
„Man fängt bei den Kleinen an“, erzählt er weiter. „Man braucht ja Selbstsicherheit, und am Anfang stand ich völlig unter Adrenalin.“ Wichtig war: runter kommen, der Herr auf dem Feld zu sein. Grundgelassenheit sei notwendig, dann sei vieles einfacher.
Das ist auch deshalb nötig, weil sich viele Zuschauer in der Halle ebenfalls als Schiri sehen. „Da gibt es drei Stufen“, sagt Max. „Bis zur D-Jugend sind die Zuschauer ziemlich aktiv und rufen viel rein.“ Von der A- bis zur C-Jugend gestalte sich das ruhiger. Bei den großen Spielen werde das dann wieder härter. „Dort gibt es dann mehr Beschwerden von außerhalb“, so Max weiter. „Aber man muss lernen, das auszublenden.“ Beide kritisieren, dass man in den Schirikursen zwar die Regelkunde lerne, „aber nicht den Umgang mit dem Publikum“, sagt Moritz. Es werde ihnen auch nicht beigebracht, wie man in besonders schwierigen Situationen mit den Trainern reden könne.

Auf Kreisebene dürfen Max Ritter und Moritz Hagedorn alle Spiele pfeifen. „Sehr spektakulär war ein Testspiel der ersten Männermannschaft, das wir pfeifen durften“, sagt Moritz. „Da merkt man dann auch, wie hart sie spielen.“ Max ergänzt: „Es ist toll zu sehen, wie das im Profibereich abläuft.“
Ihr Ziel: „Man strebt schon die erste Bundesliga an – und natürlich die WM“, sagt Max. Was man können muss? „Man braucht Durchsetzungsvermögen, sollte aber nicht autoritär sein“, erzählt Moritz. „Man sollte sympathisch rüber kommen, nicht zu ernst.“ Max nickt: „Und Konzentrationsfähigkeit ist gefordert, um richtige Entscheidungen zu treffen.“

Der Handball spielt im Leben der beiden die größte Rolle. Max möchte später vielleicht Lehrer oder Erzieher werden. „Mit Kindern zu arbeiten, macht mir Spaß.“ Moritz spielt nebenher Gitarre und liest gern. Jetzt aber wollen sie erst mal am Ball bleiben – im wahrsten Sinne des Wortes. „Der Spaß am Handball lässt einen nie los ist“, sagt Moritz. Sein Schirikollege Max nickt nur und lächelt.

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RT im Kino

Erschütternde Wahrheit

Dienstag, den 1. März 2016
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Football. Was für ein Sport! Spannend, unterhaltsam, aufregend. Aber auch: hart. Extrem hart. Wenn die Körper der Spieler aufeinander donnern. Wenn die Helme mit den Köpfen darin mit unfassbaren Kräften aufeinander knallen.
Was macht das mit einem Gehirn? Was passiert im Kopf von den Spielern, wenn das passiert, und es passiert ja wahnsinnig oft beim Football. Kurz ohnmächtig und weiter spielen. So läuft das. Aber wie geht das weiter?

Mit genau dieser Frage beschäftigt sich die “Erschütternde Wahrheit”. Denn diese Wahrheit ist: Es tut den Spielern – den Gehirnen der Spieler – nicht gut, was da passiert.
Dr. Bennet Omalu (Will Smith) ist Facharzt für forensische Neuropathologie. Nachdem ein ehemaliger Football-Spieler unter merkwürdigen Bedingungen gestorben ist, beginnt er seine Untersuchungen – und entdeckt das Phänomen der CTE, ein Hirntrauma. Verursacht durch das Footballspiel. Klar, dass man bei der NFL ganz und gar nicht begeistert ist und Omalus Ergebnisse anzweifelt.

Peter Landesman erzählt in seinem Film über die Schattenseiten eines Sports, der in den USA das höchste Ansehen genießt und die höchsten Einschaltquoten erzielt. Über ein Problem, über das in der NFL bis heute nicht gern geredet wird, immerhin geht es um einen schockierend hohen Anteil von betroffenen Spielern.
So lebt “Erschütternde Wahrheit” natürlich vom spannenden Thema an sich. Die Inszenierung ist nicht außergewöhnlich, dabei hätte das alles an einigen Stellen aber gern ein bisschen weniger pathetisch sein können. Will Smith spielt seltsam trantütig, aber vielleicht ist der von ihm dargestellte Mensch ja wirklich so gewesen.
Und vermutlich ist die wirklich erschütternde Wahrheit, dass diesen Film auch in den USA nicht so viele sehen wollen – man könnte ja den Football-Sport beschmutzen.

Erschütternde Wahrheit
USA 2015, Regie: Peter Landesman
Sony, 123 Minuten, ab 12
7/10

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RTZapper

Das literarische Quartett: Maxim Biller

Dienstag, den 1. März 2016
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FR 26.02.2016 | 23.30 Uhr | ZDF

Schade, Maxim Biller macht den Spaß am “Literarischen Quartett” im ZDF kaputt. Seine Art zu streiten, ist – gelinde gesagt – schwierig.

Streit ist gut, Streit ist wichtig. Und natürlich ist es für eine Diskussionssendung unerlässlich, dass sich die teilnehmenden Personen nicht einig sind. Aber diese Meinungsverschiedenheiten sollten auf einer Ebene stattfinden, dass man sich immer noch in die Augen schauen kann, dass es immer noch irgendwie grundsympathich ist.
Vielleicht war das der Erfolg von Marcel Reich-Ranicki. Er polterte herum, er stritt sich, er stand zu seiner Meinung – dass er aber beleidigte, das kam nur selten vor. Und wenn, dann knallte es ordentlich im Karton.
Man erinnere sich nur an Sigrid Löffler, die einst das Quartett verließ, weil Ranicki sie persönlich anging.

Maxim Biller scheint dagegen ständig zu beleidigen. Die meisten Büchern scheint er so richtig scheiße zu finden, und wenn andere das gut finden, findet er die anderen auch scheiße – und lässt es die Kollegen auch spüren.
Es macht keinen Spaß, Biller zuzuhören. Er argumentiert permanent hart. Sehr hart an der Grenze zur Bösartigkeit. Christine Westermann (war diesmal krank) ist bisher in jeder Sendung von ihm angegangen worden, und es schien, als treffe sie das auch immer wieder. Gast Eva Menasse schien am Freitag ebefalls schwer genervt als Billers Hasstiraden.

Wie gesagt: Kontroversen müssen sein. Aber bei einer Literaturdiskussion darf der Streit gern ein wenig niveauvoller ausfallen und nicht so fies wie es Biller viel zu oft tut.

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