Tagesarchiv für 7. Januar 2016

RT im Kino

Joy – Alles außer gewöhnlich

Donnerstag, den 7. Januar 2016

Joy (Jennifer Lawrence) hatte es nie einfach in ihrem Leben. Die Eltern trennten sich früh, und sie erlebte den Beziehungskrieg mit. Als Jugendliche wurde es nicht besser. Als junge Frau heiratet sie, aber auch ihre Ehe geht in die Brüche. Und dann das Geld, das fehlende. Die ganze Familie wohnt unter ihrem Dach, und die Kohle reicht hinten und vorne nicht.
Aber sie hat eine Idee: Sie will ein Patent einreichen. Ein Wischmopp, der sich selbst auswringt und der in die Waschmaschine kann. Aber wie kann sie die an die Frau bringen? Als es ihr gelingt, damit beim neuen Shoppingsender QVC unterzukommen, droht ihr auch dort ein Desaster – und die völlige Pleite.

Eine Frau will nach oben. Das könnte der eigentlichen Untertitel von “Joy” lauten. “Alles außer gewöhnlich” stimmt zwar auch irgendwie, trifft es aber nicht im Kern. Wir sehen eine Frau, die ein Leben lang zurückstecken muss – und das irgendwann nicht mehr will. Sie kämpft. Sie will mehr. Sie will nicht mehr sparen müssen, Schulden haben.
David O. Russell erzählt die Geschichte aber leider auf eine sehr zähe Art und Weise. Nahezu höhepunktlos plätschert der Film vor sich hin. Wäre da nicht die Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence, die gut spielt, dann wäre der Film vollends verloren. Interessant wird es nur, als sich Joy bei QVC vorstellt und dort erste Schritte macht. Ansonsten aber fehlt es an Timing – und, nun ja, vielleicht auch an echter Substanz. Besonders in der ersten Hälfte. Dass 125 Minuten dafür viel zu lang sind, versteht sich von selbst.

Joy – Alles außer gewöhnlich
USA 2015, Regie: David O. Russell
Fox, 125 Minuten, ab 12
4/10

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RTZapper

ZDF spezial: Gewalt gegen Frauen – Was geschah in der Silvesternacht?

Donnerstag, den 7. Januar 2016
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DI 05.01.2016 | 19.20 Uhr | ZDF

Es passieren schon merkwürdige Dinge im deutschen Fernsehen im noch jungen 2016. Da überträgt Silvester um Mitternacht der WDR live aus Köln, ist sogar mit einer Kamera auf der Domplatte vertreten, mit Schwenk in Richtung Hauptbahnhof. Aber keiner hat dort mitbekommen, dass sich zu diesem Zeitpunkt Dinge abspielten, über die nun zu reden sein wird?
Vier Tage danach kommen die Ungeheuerlichkeiten nach und nach ans Licht, und das ZDF bringt in der “heute”-Sendung immer noch nichts darüber?
Irgendwas läuft da falsch.

Hunderte wohl nordafrikanisch aussehende Männer (so die offizielle Aussage) hatten sich Silvester vor dem Kölner Hauptbahnhof versammelt und wahllos Blitzknaller und Raketen gezündet. Nach Mitternacht sollen dann hunderte Frauen von einigen der Männer – oder auch Gruppen heraus – sexuell belästigt und bestohlen worden sein. Bis Mittwoch gingen etwa 100 Anzeigen ein.
In diesem Ausmaß ist es eine Ungeheuerlichkeit, die da passiert ist. Und es ist ganz klar, dass diese Dinge aufgeklärt werden und die Männer bestraft werden müssen.

Es dauerte ungeheuerliche vier Tage, bis die bundesweiten Medien den Fall aufgriffen. Wer hat da versagt?
War es die Polizei, die die Ereignisse in der ersten Zusammenfassung zu Neujahr erstaunlich harmlos dargestellt hat? Ist es der Umstand, dass die Ungeuerlichkeit der Ereignisse erst nach und nach wirklich ans Licht kommt? Dass das, was dort passiert ist, vermutlich von außen erst mal kaum ersichtlich war?

Andererseits: Lokale Medien haben wohl schon früher berichtet, und auch in den sozialen Medien ist diskutiert worden. Die bundesweiten Medien sprangen trotzdem nicht drauf an.
Warum? Aus Angst, es könne sich im Netz nur um eine aufgebauschte Sache handeln? Weil man runterspielen wollte, dass Ausländer (vielleicht Asylbewerber, das weiß man ja noch nicht) beteiligt waren und man in kein Wespennest stechen wollte?
Immerhin läuft der Meinungskampf im Social Web nun auf Hochtouren. Vor allem die rechten Kräfte schöpfen aus Köln neue Kraft, es wird gehetzt und gemutmaßt, und viele steigen darauf ein.

Wenn das ZDF also am Dienstagabend – fünf Tage danach – ein “ZDF spezial” sendet, dann ist das rein thematisch zwar sehr berechtigt. Aber definitiv zu spät, wenn man das Ganze einen Tag davor noch ignoriert hat.
Im Fall des Kölner Massenmobbings haben jedenfalls einige versagt – die Polizei, und die Medien auch. Ganz vorn das ZDF.

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