Tagesarchiv für 3. Dezember 2015

RT im Kino

Stonewall

Donnerstag, den 3. Dezember 2015

Danny Winters (Jeremy Irvine, könnte ein Sohn von Patrick Swayze sein) kommt aus der Provinz nach New York – in die Christopher Street. Er musste weg, sein Vater hat ihn gewissermaßen verstoßen, nach dem er rausgefunden hat, dass sein Sohn schwul ist.
Nun also muss er sich in der Großstadt zurechtfinden. Er lernt eine Gruppe Jungs kennen. Es sind Stricher, Dragqueens – Freunde. Sie haben kein Dach über dem Kopf, und irgendwie müssen sie sich zurecht finden.
Treffpunkt ist eine Bar namens “Stonewall”, unterwandert von der Mafia, und immer wieder gibt es dort Übergriffe der Polizei. Schickane. Prügeleien.
Die Stimmung hitzt sich mehr und mehr auf, und eines Tages fliegen Steine.

Diesmal lässt es Roland Emmerich mal nicht knallen. Diesmal erzählt er in einem Drama, was 1969 auf der Christopher Street passierte und dazu führte, dass es seit 1970 immer im Sommer in vielen Orten der Welt der CSD gefeiert wird. “Stonewall” erzählt also eine gesellschaftlich-politisch wichtige Geschichte. Denn Ende der 60er war es keineswegs so, dass Homosexualität anerkannt war. Damals durfte an Schwule nicht mal Alkohol ausgeschenkt werden, auch auch immer.
Allerdings hätte Emmerich für seinen Film etwas weniger in die Klischeekiste greifen können. Da kommt also der hübsche, naive Junge aus dem Dorf in die Stadt und blüht dort auf. An sich nett, aber irgendwie dann zu nett. Auch die Jungs, die sich dort rumtriben, bedienen Klischees. Andererseits: Vermutlich ist es 1969 tatsächlich so gewesen, dass man diese Leute dort hätte antreffen können.
Ansonsten ist “Stonewall” interessant und spannend, man fiebert mit, manche Handlungen erscheinen zweifelhaft, und die Rührseeligkeit darf natürlich auch nicht fehlen. Unterhaltsam allemal.

Stonewall
USA 2015, Regie: Roland Emmerich
Warner, 129 Minuten, ab 12
7/10

Hits: 11

RTelenovela

Nur ein Krümelhaufen

Donnerstag, den 3. Dezember 2015
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Manchmal ist es besser, wenn man sich informiert, bevor man etwas kauft. Aber immer auf den Weihnachtsmärkten beäuge ich die Schneeballen, die dort oft verkauft werden.
Vor einigen Jahren war ich sogar schon mal in Rothenburg ob der Tauber, wo diese Schneeballen herstammen. Irgendwie wusste ich aber nie, woraus die bestehen – und habe es, wie gesagt, auch nicht nachgelesen.

Heute, auf dem Weihnachtsmarkt am Potsdamer Platz in Berlin, konnte ich dann noch nicht widerstehen. Immerhin war da von Marzipan-Nougat-Füllungen die Rede und anderes leckeres Zeug. Also kaufte ich so einen Schneeballen für 3,50 Euro.
Zu Hause dann das böse Erwachsen: Das Ding besteht aus Mürbeteig und fällt relativ schnell zu Krümeln auseinander. Und schmeckt irgendwie nach Nichts.
Und jetzt habe ich hier einen Krümelhafen zu liegen, der wohl demnächst leider im Müll landet…

Keine Ahnung, was an diesen Rothenburger Schneeballen so toll sein soll.

Hits: 9

RT liest

Jörg Thadeusz / Stefan Frohloff: Wie riecht die Queen? Die fiesen Sieben und andere kühne Fragen

Donnerstag, den 3. Dezember 2015
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Seit zehn Jahren interviewt Jörg Thadeusz im rbb prominente Menschen. Seine Gäste und er sitzen sich an einem Tisch gegenüber und plaudern eine halbe Stunde lang.
Und es gibt zwei Rituale in “Thadeusz”: das Verlesen der eigenen Akte sowie “Die fiesen Sieben”. Das sind besonders knifflige oder eben auch fiese Fragen, die der Gast zu beantworten hat.

Zum zehnten Talkshow-Jubiläum ist nun ein Buch erschienen, in dem 51 der gut 400 Promis zu Wort kommen, die bei Thadeusz im Studio waren. Klaus Wowereit spricht über die Zeit nach seinem Politiker-Dasein, Gregor Gysi darüber, wo er gern gelebt hätte, wäre er ein Wessi gewesen, Claudia Roth über ihre Zeit bei “Ton Steine Scherben”, Hans Dietrich Genscher darüber, was an der DDR gut war. Auch Iris Berben, Roger Willemsen, Franz Müntefering, Barbara Schöneberger, Marcel Reich-Ranicki und viele andere kommen im Buch vor.

Die Gespräche oder Anmerkungen zu den eigenen Akten lesen sich meistens recht interessant. Manche winden sich, andere sind sehr offen. Amüsant, spannend, hier und da erhellend.
Zwei Dinge an diesem Buch aber sind merkwürdig: Erstens das wirklich misslungene Cover, auf dem wie wild mit verschiedenen Schriftarten und -größen gewütet wurde, dazu ein seltsames schwarz-weiß-Foto vom Moderator. Punktabzug. Dass es zwar um Interviews aus der Talkshow geht, diese selbst aber gar nicht mit einem Schriftzug oder auch der rbb mit dem Logo nur klein auf dem Rückcover vertreten ist, verwundert dann doch.

Jörg Thadeusz / Stefan Frohloff: Wie riecht die Queen? Die fiesen Sieben und andere kühne Fragen
KiWi, 461 Seiten
7/10

Hits: 21