Tagesarchiv für 4. Oktober 2015

RTelenovela

Ein Vierteljahrhundert vereint

Sonntag, den 4. Oktober 2015
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Am Ende stieg über dem Berliner Reichstag ein Feuerwerk in die Luft – zur Musik der Deutschen Nationalhymne.
Am 3. Oktober 1990 standen wir vor dem Reichstag, genau 25 Jahre danach, am 3. Oktober 2015, fanden wir uns wieder dort ein.
Der Bundestag hatte zur Feier eingeladen, es gab viel Musik, Tanz und Poetry Slam. Die Fassade des Reichstages ist mit tollen Bildern illuminiert worden.
Besinnlich, erfreut und staunend verfolgten tausende Menschen das Geschehen.

25 Jahre ist die deutsche Einheit nun schon her. Eine ganze Generation ist nachgewachsen, für die das vereinte Deutschland normal geworden ist. Für die der Frieden, in dem wir leben, Normalität ist.
Aber Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte es in seiner Rede auf dem Platz der Republik ganz richtig: Wir sollten uns darauf nicht ausruhen, wir sollten es eben nicht als Normalität betrachten, dass wir in Frieden leben. Wir müssen weiter dafür arbeiten – und auch die neuen Herausforderungen annehmen.

Dass die zentrale Feier zum 25. Jubiläum in Frankfurt/Main stattfand, wirkt schon ein wenig merkwürdig, aber Berlin feierte auch – und ausgiebig. Viele Tausende waren auf der Festmeile auf der Straße des 17. Juni unterwegs. Das mag am guten Wetter gelegen haben – aber vielleicht ja auch daran, das vereinte Deutschland zu feiern.

Emotional ist natürlich der 9. November, der Tag des Mauerfalls 1989, der wichtigere Tag, wenn es um das Ende der DDR ging. Aber der 3. Oktober 1990 war zumindest, was die direkte Wendezeit anging, der Endpunkt. Es ist vieles schief gegangen, die Wirtschaft lag am Boden, die blühenden Landschaften ließen auf sich warten. Am Ende ist die Bilanz aber definitiv gut. Und ich selbst konnte mich nie beschweren über die Zeitenwende.
Wenn mich jemand fragt, welches historische Ereignis das ist, welches mein Leben am meisten geprägt hat, dann ist es die Wende und die Wiedervereinigung. Sehr vieles wäre ohne diese Ereignisse in meinem Leben sehr viel anders verlaufen. Deshalb werde ich immer wieder dankbar sein und an diesem Tag immer wieder zurückblicken – wenn’s passt in Berlin und am Reichstag.

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RTZapper

Das literarische Quartett

Sonntag, den 4. Oktober 2015
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FR 02.10.2015 | 23.10 Uhr | ZDF

Hellmuth Karasek hätte sich gefreut. Er ist drei Tage, bevor im ZDF die Neuauflage des “Literarischen Quartetts” auf Sendung gegangen ist, gestorben. Gemeinsam mit Marcel Reich-Ranicki zoffte er sich schon mal über Romane.
Nun hat sich also eine neue Runde zusammengefunden, und man kann sagen: Schön, dass es die Sendung nach 14 Jahren Pause wieder gibt.

In 45 Minuten (es dürfen sehr gern 60 sein) besprach die Runde vier Bücher, und glücklicherweise wurde recht hart und doch unterhaltsam diskutiert. Dabei scheint es sich vor allem Maxim Biller zur Aufgabe gemacht zu haben, ein wenig für Zoff zu sorgen. Wenn ihm was nicht passte, dann teilte er ordentlich aus, selbst wenn er mal der Meinung war, dass Christine Westermann irgendwas im besprochenen Buch nicht verstanden habe. “Das literarische Quartett” ist Hochkultur, aber es kommt nicht so daher. Die vier Kritiker plaudern so, dass alle dem Gespräch gut folgen können, es ist spannend, der Runde zu lauschen, auch wenn einen die Bücher selbst vielleicht gar nicht so interessieren.

Vielleicht fällt die Sendung (keine Einspieler, keine Musik) ein wenig aus dem heutigen modernen Fernsehrahmen, vielleicht ist sie etwas zu kurz, vielleicht ist der Sendeplatz am Freitagabend nach der “heute show” nicht der Beste. Aber “Das literarische Quartett” hat Potenzial, und ich freue mich auf die nächste Ausgabe.

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