Monatsarchiv für Oktober 2015

RTelenovela

Auf die Größe kommt’s nicht an? Na ja, doch, ein bisschen!

Samstag, den 31. Oktober 2015
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In Brandenburg ist dieser 31. Oktober ein Feiertag. In Berlin nicht. Und was machen viele Brandenburger? Fahren nach Berlin – zum Einkaufen.

Das Beste an den Potsdamer Platz Arcaden in Berlin-Tiergarten waren genau drei Geschäfte. Erstens: Der China-Imbiss in der oberen Etage. Zweitens: Der Saturn-Markt am anderen Ende des Flures. Drittens: Der Buchladen gegenüber.
Für die Arcaden spricht außerdem der gute Bahnanschluss. Von Oranienburg fährt man nur eine gute halbe Stunde.
Deshalb war neulich der Schock groß. Denn sowohl Saturn als auch der Buchladen sind weg. Nicht mehr da. Stattdessen noch mehr langweilige Klamottenläden, und langweilige Klamottenläden haben die Arcarden schon vorher genug gehabt.
Immerhin der Asia-Imbiss ist noch da – hat aber im Untergeschoss Konkurrenz bekommen. Da gibt es jetzt einen Imbiss, bei dem man pro Teller zahlt und den sich selbst vollknallen kann.

Das neue Center auf dem Leipziger Platz hätte eine echte Alternative werden können. Hätte. Die Berlin Mall gilt als Attraktion, warum auch immer.
Das Besondere ist durchaus, dass erstaunlich viele Marken dort vertreten sind. Die Vielfalt allerdings hat seinen Preis. Und die schlägt sich in der Größe der Läden wieder.
Saturn ist von den Potsdamer Platz Arcaden zum Leipziger Platz gezogen. Aber mein Entsetzen war groß: Denn der Laden ist erschreckend klein. Die DVD- und CD-Abteilung sind enttäuschend übersichtlich. Für das bisschen muss ich da nicht hinfahren.
Ebenso C&A. Als ich in der Herrenabteilung stand, traute ich meinen Augen kaum. Die Ladenfläche war – verglichen mit anderen Läden – ebenfalls sehr klein, was sich natürlich auch auf die Auswahl niederschlägt.

Vermutlich sind die Mieten dort so hoch, dass sich die Unternehmen große Ladenflächen dort gar nicht leisten können. Aber für ein Einkaufserlebnis muss ich dann da auch nicht hinfahren. Dabei geht es mir gar nicht darum, wie groß ein Laden nun ist, aber wenn die Auswahl so enttäuschend ist, dass man nicht findet, was man sucht, dann sucht man sich eben ein anderes Center – oder das Internet.

Aber: Die Fressmeile in der Berlin Mall ist magenfüllend. Jede Art zu essen ist dort möglich. Burger, Sandwiches, Asia, Deutsch – was auch immer. Alles da. Mahlzeit.

aRTikel

Kremmens absurdes Theater

Freitag, den 30. Oktober 2015
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Der Streit um den Posten des Stadtverordnetenvorstehers wird zur Posse – Münzwurf beendet Zoff

MAZ Oberhavel, 30.10.2015

KREMMEN.
Da konnte CDU-Fraktionschef Frank Bommert nur noch mit dem Kopf schütteln. Er war der Verlierer eines Abends, der als denkwürdig zu bezeichnen ist – und das, obwohl er seine Forderung durchsetzen konnte, Kremmens Stadtverordnetenvorsteher Detlef Reckin (SPD) abzusetzen. Zunächst. Denn am Ende des Abends war der nämlich trotzdem wieder im Amt.

Man hätte meinen können, als Zuschauer wohne man einem Theaterstück bei. Absurdes Theater. War es vielleicht auch. Der Titel des Stücks am Mittwochabend im Rathaussaal, „Sondersitzung er Stadtverordneten“, mag langweilig klingen, aber es war eine spannende Komödie mit überraschenden Wendungen.
Ausgangspunkt waren Absprachen zwischen CDU und SPD betreffs der Chefpositionen im Ortsbeirat und Stadtparlament. Laut Frank Bommert habe sich die SPD, habe sich Detlef Reckin, nicht an eine solche Absprache gehalten.

„Was passiert hier eigentlich gerade“, fragte die Stadtverordnete Sonja Karas (Grüne) zu Beginn. Die Sitzung fände statt, weil auch ein Schlichtungsgespräch gescheitert, gar nicht erst zustande gekommen sei. „Hier sitzen ganz viele alte Männer rum, die alle offene Rechnungen haben“, sagte sie. Christoph Brunner (BfB) verwahrte sich später gegen die „alten Männer“, Frank Bommert gegen die „offenen Rechnungen“. Karas brachte auch die „Hinterzimmergespräche“ in die Runde. Frank Bommert: „Die waren nicht im Hinterzimmer, sondern auf dem Spargelhof.“ Es sei legitim, das man sich abspreche, so der CDU-Fraktionschef. „Dass man guckt, wo man Mehrheiten bekommt.“ Reckin habe sein Ehrenwort gegeben, den Posten als Stadtverordnetenvorsteher zugunsten von Stefanie Gebauer (CDU) zu räumen, wenn er stattdessen Ortsvorsteher werde. Reckin habe sein Ehrenwort gebrochen, betonte Bommert nochmals. Reckin wollte sich nicht äußern, wies aber in früheren Interviews den Vorwurf immer wieder zurück. SPD-Fraktionschef Peter Winkler sagte, man habe Reckin das Vertrauen ausgesprochen und ihn gebeten, als Stadtverordnetenvorsteher weiterzumachen.

Christoph Brunner meinte, schon seit der Wende würden die Posten in der Stadtpolitik immer wieder „ausgehökert“. In Kremmen kenne jeder jeden. „Wenn es solche Absprachen gibt, sollen sie doch. Aber wenn man sich dann nicht dran hält, dann ist das das Allerletzte“, so Brunner weiter.

Elf Abgeordnete stimmten für die Abwahl Reckins, sechs dagegen – ein Mitglied des Parlaments hat nicht mit abgestimmt. Die CDU nominierte daraufhin Stefanie Gebauer, die SPD erneut Detlef Reckin. „Auch wenn das paradox ist“, so Fraktionschef Winkler. Die Überraschung und der Lacher: Reckin bekam neun Stimmen, Gebauer nur sieben. Zwei Abgeordnete enthielten sich. Aber Reckin brauchte im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit von zehn Stimmen. Im zweiten Wahlgang dann das Patt: neun zu neun. Am Ende entschied der Münzwurf. Detlef Reckin entschied sich für „Kopf“, Stefanie Gebauer für „Zahl“. Malte Voigts (parteilos, CDU-Fraktion) warf die Münze. Kopf gewann. Die Komödie erreichte ihren Höhepunkt.

Der sowieso schon absurde Zoff ist auf ebenso absurde Weise beendet worden. Der Zufall entschied darüber, dass der Abgewählte am Ende wieder auf seinem Stuhl saß. Die Zuschauer im Saal applaudierten – wie es sich am Ende eines Theaterstücks gehört. Teil zwei folgt am Montag. Ab 19.30 Uhr geht es darum, ob Reckin Ortsvorsteher bleibt. Die CDU ist dagegen. Aus bekannten Gründen.

RTZapper

Plötzlich Krieg? – Ein Experiment

Freitag, den 30. Oktober 2015
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MI 28.10.2015 | 21.45 Uhr | zdf_neo

Wie hetzt man zwei Gruppen von Menschen aufeinander. Wie schürt man Neid, Hass und Gewalt? Auf zdf_neo ist ein spannendes Experiment gewagt worden. “Plötzlich Krieg?” lautete am Dienstag- und Mittwochabend die Frage.

Zwei Teams zogen “Big Brother”-mäßig in zwei Bereiche eines Hauses, aber erst später haben sie erfahren, dass es ein anderes Team überhaupt gibt.
Wer sind die anderen? Und können sie zur Gefahr werden?
Das zdf_neo-Team hat beide Gruppen beobachtet – und manipuliert. Sie ließ erst eine Gruppe absichtlich verlieren, um zu schauen, wie die Redaktionen sind. Sie ließ sie denken, die anderen nähmen ihnen was weg. Sie bauten Frust auf und trieben es immer weiter.
Es entwickelten sich unangeahnte Gruppendynamiken, die Aggressivität stieg scheinbar von Stunde zu Stunde.

Manchmal ein wenig langatmig, aber letztlich doch sehr spannend. Denn die Doku sagte viel aus über die Menschen an sich. Wie sie sich manipulieren lassen. Wie Ängste und negative Gefühle schürt werden können. Was Neid und Hass in uns verändert, was passiert, wenn wir das Gefühl haben, dass es uns an den Kragen geht. Aber auch, wie wir uns manipulieren lassen, ohne dass wir das überhaupt merken.
In dem Experiment ist den Teilnehmern nie gesagt worden, dass es um etwas gehe. Den Druck bauten sie dann selbst immer mehr auf. “Wir vernichten euch”, hieß es dann plötzlich. Häme, Schimpfwörter, Kriegserklärungen, Kampfansagen. Und das alles in nur fünf Tagen, so lange dauerte das Experiment.
Erhellende drei Stunden Fernsehen.

ORA aktuell

Erneut schwerer Radler-Unfall in Oranienburg

Freitag, den 30. Oktober 2015

Erneut gab es in Oranienburg einen schweren Unfall, bei dem ein Radler beteiligt war. Eine 58-jährige Frau ist dabei auf dem Schlossplatz schwer verletzt worden.
Sie wollte in Begleitung ihres Mannes von der Breite Straße aus gerade in Richtung Schlossbrücke. Sie hatten Grün. Ein Lkw erfasste die Frau beim Rechtsaabiegen, er wollte von der Breite in die Berliner Straße.

Die Frau musste mit einem Rettungshubschrauber nach Berlin-Marzahn gebracht werden. Ihr Mann erlitt einen Schock und musste auch ins Krankenhaus.
Das Areal war stundenlang gesperrt, der Verkehr wurde einspurig vorbeigeführt.

RTelenovela

Kino? Bitte zieh dir was Warmes an!

Freitag, den 30. Oktober 2015
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Okay, draußen ist Herbst, und da ist es lange nicht mehr so warm wie im Sommer. Aber im Cubix-Kino am Berliner Alexanderplatz scheint schon der Winter ausgebrochen zu sein.
Schon als wir den Saal betreten, frösteln wir. Es ist merklich kühler als draußen im Foyer. Als wir uns setzen, sind die Stühle kühl, fast könnte man sagen: Der ganze Saal ist feucht-kühl-klamm.

Die Werbung beginnt, und wir hoffen darauf, dass irgendwann die Heizung anspringt. Aber es bleibt kühl, und um uns herum beginnen die Leute bereits, sich wieder anzuziehen.
Langsam wird auch mir kalt. Der dicke Pullover reicht nicht aus, auch ich muss mir die Jacke überziehen.

Interessanterweise halten aber alle aus. Keiner geht, keiner beschwert sich. Während des Films muss ich mal aufs Klo, und gleichzeitig kann ich mich im Foyer aufwärmen. Es ist leider niemand da, bei dem ich mich hätte beschweren können. Die Bar auf der Etage ist verwaist.

Normalerweise zieht man sich ja an, wenn der Abspann läuft und man raus will. Diesmal, im Cubix, standen die Leute auf und machten sich erst die Jacke wieder auf. Draußen war’s ja schließlich wärmer.
Angeblich gab es das Kälteproblem auch am Tag davor. Die Leute am Einlass interessierte das alles jedenfalls nicht besonders.

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Fear

Donnerstag, den 29. Oktober 2015
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DI 27.10.2015 | Berlin, Schaubühne

Deutschland, im Herbst 2015. Eine Bestandsaufnahme.
Deutschland hat Angst. Vor den Fremden. Vor zu vielen Fremden. Vor Überfremdung. Davor, selbst weniger vom Kuchen abzubekommen. Davor, zu kurz zu kommen. Die, auf der einen Seite.
Die auf der anderen Seite klatschen den Flüchtlingen zu, wenn sie aus den Zügen steigen. Sie reißen sich den Arsch auf, um zu helfen, um die Lage irgendwie im Griff zu behalten.

Das Stück “Fear”, das derzeit an der Berliner Schaubühne zu sehen ist, ist hochaktuell, ist hochbrisant. Zwei Stunden lang sieht das Publikum eine Abfolge von Szenen, die das Thema von verschiedenen Seiten beleuchten sollen.
Und es ist beklemmend, das alles zu sehen. In komprimierter Form vorgesetzt zu bekommen, was hierzulande gerade abgeht. Was falsch läuft. Und es läuft viel falsch.

Da gibt es die Hassprediger von AfD, NPD, Pegida und Co. Die Lügenpresse-Schreie. Die Ängste, die Vorurteile, den Unsinn, vor dem so viele Menschen Angst haben, weil sie sich so sehr reinsteigern, dass gar nichts bleibt außer der Angst und dem Misstrauen. Wie Zombies, die von einem Virus erfasst werden.
Das sehen wir in einer der Szenen: Die Hassreden und die Menschen, die zu Zombies werden. Wir hören die besorgten Bürger. Aber wir bekommen auch den krassen Gegensatz vor Augen geführt: Die Bürger, die Angst haben, nicht mehr gebraucht zu werden, die kaum Kohle haben. Und die, die beklatscht werden, wenn sie aus den Zügen steigen. Zwei Welten, die aufeinanderprallen. Die Ängstlichen und die, die anpacken. Und sich gleichzeitig gegenseitig hochschaukeln in ihrer Wut.
Beide Seiten sehen nicht gut aus in dem Stück. Die Geschwätzigen genauso wie die, die gegen sie kämpfen. Gut und Böse – aber wie gut sind die Guten, und wie böse sind die Bösen, und warum sind die Bösen so böse?
Das Stück gibt keine Antwort, aber es wirft die Frage auf, über die man als Zuschauer mal nachdenken sollte.

“Fear”, Angst, handelt von eben jenem Gefühl. Und davon, dass sich jeder, der hier lebt, irgendwann fragen muss, wo er steht, wofür er steht, was er für sich erreichen möchte. Welches Ziele er hat. Oder möchte man sich ganz raushalten? Sich lieber um den Schrebergarten kümmern, ein bisschen Musik machen und die Politik draußen lassen?

Es gibt Augenblicke, wo das Stück ein bisschen platt erscheint, und vielleicht ist es auch nicht allzu kontrovers, weil es eventuell zu wenig die andere Seite der Gesellschaft beleuchtet, immer nur von scheinbar “linker Seite” draufhaut.
Aber letztlich hat das Ensemble, der Autor Falk Richter schlicht und einfach eine Haltung, und die vertritt er sehr vehement. Gegen die Angst, gegen die Dummheit, gegen den Hass und dagegen, dass sich Menschen von diesem Hass und dieser Angst allzu sehr leiten lassen.

Ein sehr gutes Stück. Schauspielerisch interessant umgesetzt, stellenweise fallen die Darsteller aus ihren Rollen, um dem Publikum irgendwas zu erklären, warum dieses oder jenes im Stück nicht funktioniert. Das Bühnenbild ist mit ein paar Laufstegen und einem Glaskasten macht was her, die Lichttechnik ist gelungen, die Sounds und die Musik nahezu perfekt.
“Fear” sorgt für staunen, für fesselnde Momente, für Entsetzen – aber macht irgendwie, so ein kleines bisschen Mut. Sich dagegenzustellen.

RTelenovela

Der kleine Horror zum Feierabend

Donnerstag, den 29. Oktober 2015
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Ich bin allein im Büro. Der Kollege meinte beim Rausgehen noch, ich solle keine Angst haben, und ich habe gelacht.
Nun aber lache ich nicht mehr. Das ist ein Geräusch. Es hört sich an, als ob es von irgendwoher tropft.
Ich lausche. Stehe auf. Laufe in den Flur. Lausche wieder. Tropf. Tropf. Tropf. Ich habe das Gefühl, direkt im Geräusch-Epizenztrum zu stehen. Es ist aber nichts zu sehen. Kein Fleck. Keine Nässe. Nichts. Nur das Geräusch: Tropf. Tropf. Tropf.
Ich laufe raus in den Hausflur. Da ist es ganz still. Nichts. Bis ruckartig eine Tür geöffnet wird und jemand vom Flur gegenüber auftaucht. Aber die Frau läuft schweigend weiter.
Wie im Horrorfilm.

Ich laufe wieder ins Büro. Wieder in den Flur. Und wieder dieses: Tropf. Tropf. Oder ist es ein Knacken? Feuer?
Es tut sich aber nichts. Nur: Tropf. Tropf. Tropf.

Ich mache Feierabend, verlasse das unheimliche Büro. Als ich in den Hausflur trete, lausche ich wieder: Im Büro gegenüber ist ein Knacken zu hören. Ein Rascheln.
Das Gruselhaus.

In meiner Wohnung ist es glücklicherweise ganz still. Fast. Denn plötzlich blubbert es. Ja, es blubbert, und es ist irgendwo auf meiner Etage. Ich fühle mich wie im Aquarium.
Blubber. Tropf. Knack.
Und es ist kein Traum. Nur gruselig.