Monatsarchiv für August 2015

RT liest

Thomas Mohr: Die Schützen

Montag, den 31. August 2015

Der Berliner Geschichtsstudent Timo forscht in seiner eigenen Familienhistorie. Sein Opa Ernst lebt in Rostock, und seine Kriegserinnerungen sind überraschend spannend. Ernst verliebte sich nämlich an der Ostfront in einen anderen Wehrmachtssoldaten. Und nicht nur das: Die beiden waren jahrelang ein Paar. Heimlich, natürlich.
Nun, 2001, lebt Ernst mit seiner Frau in Rostock, und Timo will rausfinden, was eigentlich passiert ist, dass sich Ernsts Leben offenbar so änderte.
Timo hat währenddessen auch seine eigenen Probleme: Seine Seminararbeit wird nicht fertig, und seine Beziehung zum Jordanier Ammar steht auf der Kippe. Allerdings hat Timo eine Chance, die Ernst in den 50ern nicht hatte: Er kann um seine Liebe kämpfen – und wenn er dafür bis nach Akaba reisen muss.

Der Roman “Die Schützen” beginnt enttäuschend. Das erste Kapitel ist seltsam verquast aufgeschrieben. Komplizierte Sätze machen das Lesen schwer. Fast schon widerwillig liest man weiter – und wird belohnt. Denn der Schreibstil lockert sich glücklicherweise und wird immer flüssiger, immer interessanter.
Denn das ist die Story, die Thomas Mohr aufgeschrieben hat, in der Tat: interessant, spannend, rührig, lustig, traurig. Im Grunde sind es zwei Geschichten, denn Mohr unterteilt die Kapitel – immer wird die Kriegsgeschichte erzählt, im nächsten Kapitel wird das Hier und Jetzt weitergeführt.
So gelingt es dem Autor, die Spannung hochzuhalten, denn die meisten Kapitel enden mit einem Cliffhanger.
“Die Schützen” ist ein wahrer Trip durch die Geschichte eines Weltkrieges, aber auch die der Verfolgung Homosexueller. Eine Geschichte, der sich der Leser gleich von zwei Seiten nähert. Gut überlegt, und spannende, manchmal fast schon erschütternde Wendungen machen diesen (allerdings recht schlampig redigierten) Roman zu einem Erlebnis.

Thomas Mohr: Die Schützen
Querverlag, 405 Seiten
9/10

RTelenovela

Tegel: Alles doof, aber…

Sonntag, den 30. August 2015
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Ja, es ist verdammt eng auf dem Flughafen in Berlin-Tegel. Im Warteraum vor dem Gate ist kein Sitzplatz mehr frei. Eng an eng sitzen die Leute und warten auf ihre Flüge.
Es gibt einen einzigen Stand mit Getränken und ein paar Naschereien, man steht
ewig an. Wenn man mit Bankkarte zahlen will, dann funktioniert das Terminal nicht, und man wartet als dahinter stehender Karte noch länger. Weil es auch bei der nächsten Kundin wieder nicht funktioniert, geht man stattdessen zum Getränkeautomaten, wirft unverschämte 3,50 Euro für eine Cola ein – und bekommt nichts, weil der Automat im Eimer ist und auch das Geld nicht wiedergibt. Und natürlich ist auch sonst keiner zuständig.

Man möchte man liebsten alle Leute zusammenbrüllen, weil die Situation am Flughafen Tegel so beengt und irgendwie technisch bedenklich ist.
Tja. Aber wir lieben ihn trotzdem, diesen Flughafen.
Wir lieben, dass wir nur 20 Minuten brauchen, bis wir da sind.
Wir lieben, dass wir mit dem Auto bis an das richtige Gate fahren dürfen.
Wir lieben, dass wir nur ein paar Schritte bis zum Schalter laufen müssen, wo wir das Gepäck aufgeben.
Wir lieben, dass wir nur weitere wenige Schritte bis zum Check-in laufen müssen.
Wir lieben, dass es dann nur noch wenige Schritte bis zum Flugzeug sind.
In dieser Hinsicht ist und bleibt Tegel unschlagbar.

Schade, dass es bald vorbei ist. Allerdings: Wer weiß, wann das mit dem BER im fernen Schönefeld klappt…

RT liest

Nils Mohl: Mogel

Samstag, den 29. August 2015

Dies ist die Geschichte einer Partynacht. Vier Jungs, die sich amüsieren. Und dann einen Einfall haben: Miguel muss sich eine Nacht verkleiden – als Frau. Aber so richtig.
Gesagt, getan. Aus Miguel wird Miguela, und sie ziehen gemeinsam los. Ihr Ziel: das “Chackabum!”, eine angesagte Disco.
Miguel, äh, Miguela lernt auch gleich ein Mädchen kennen. Candy erzählt ihr, dass sie einem Typen auf den Leim gegangen ist. Ihrem Fast-Ex. Und so kommt es, dass Miguela mit Candy und ihrem Fast-Ex in dessen Wohnung fahren…

Auf nicht ganz 200 Seiten erzählt Nils Mohl die Geschichte eines Jungsabends. das heißt, irgendwie ist es ja auch ein Mädelsabend.
Die Story ist simpel, sie lebt von einer recht guten Beschreibung der Szenen, die einen ganz gut am Geschehen teilhaben lässt. Auch die Dialoge sind lebensnah aufgeschrieben – vor allem in der Ich-Perspektive des 15-jährigen Miguel. Jugendsprache, die aber nicht aufdringlich-blöd ist. Sehr packend allerdings auch nicht. Schnelle Literatur für zwischendurch.

Nils Mohl: Mogel
ro ro ro Rotfuchs, 200 Seiten
6/10

RTelenovela

Kinder vs. Flüchtlinge? Denk einfach mal länger nach!

Freitag, den 28. August 2015
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Mit Emotionen kann man Hass schüren. Und Missgunst. Und Neid. Gerade jetzt in der Asyldebatte.
Auf Facebook zeigt sich das ganz deutlich. Gestern zum Beispiel: Ein Foto, auf dem ein Mann ein Plakat in der Hand hält. Zu sehen ist ein Kind mit Kulleraugen. Ach, wie süß. Und sooo arm.
“Mama, ich habe Hunger”, steht darunter. Und weiter: “Ich weiß, mein Schatz, aber erst kommen die Fremden dran.” “Warum, Mama?” “Weil man uns beide sonst als Nazis bezeichnen würde.”
Was für ein Schwachsinn. Und langsam geht mir dieser Schwachsinn auf den Geist.

Einem Bekannten von mir habe ich das auch mitgeteilt. Daraufhin postete er ein Foto eines mutmaßlichen Obdachlosen und einen offenen Brief an den Innenminister, warum man 800.000 Flüchtlinge aufnehmen will, aber es nicht mal schafft 20 Obdachlosentote zu verhindern.

Ich schreib ihm zurück.
Der Beitrag war aus mehreren Gründen Schwachsinn. Erstens ist es Schwachsinn und einfach mal zu kurz (oder gar nicht) gedacht, wenn man Kinder und Flüchtlinge gegeneinander aufwiegt. Aber genau das machen Rassisten (oder Leute, die nicht nachdenken), wenn sie mit Emotionen Hass oder Neid schüren wollen. Zweitens ist es aber auch Schwachsinn, zu sagen, man werde gleich Nazi genannt, wenn man so was sagt. Man könnte höchstens (nochmals) sagen, dass man vielleicht mal länger drüber nachdenken soll und nicht dumpf irgendwas nachlabern soll.

Und die Obdachlosen? 20. 20! Das ist – so hart es klingt – verschwindend gering. Und von diesen 20 müsste man auch erst mal die Umstände klären. Ich bin mir nämlich sehr sicher, dass davon genau null erfrieren müssten. Gerade im Winter wird dafür gesorgt, dass die Leute einen Nachtplatz bekommen. Und, ja, es gibt Obdachlose, die vermutlich aus purem Stolz nicht in solche Unterkünfte gehen und denken, sie schaffen es so. So was gibtes. Die wollen natürlich nicht sterben, es passiert aber. Und, 20: Wenn man bedenkt, wie viele an einer Grippe sterben oder wie viele Senioren sterben, wenn Hitze herrscht…
Und ganz allgemein: Es geht uns verdammt gut. Und die Probleme, die wir zweifelsohne haben, sind natürlich auch da. Aber das ist doch nichts gegen das Flüchtlingselend. Selbst wenn die Politik vor Ort irgendwie eingreift, wird es noch lange dauern, bis die Leute keinen Grund mehr haben zu flüchten. Und natürlich läufts nicht ideal in der EU und der Aufteilung der Flüchtlinge.
Aber sollen die das jetzt ausbaden? Sollen wir Ihnen deshalb die Heime abfackeln? Ich finde das widerlich, und ich finde auch, dass wir die Probleme anpacken müssen. Jedes für sich. Neid, Ignoranz und auch Blödheit (vor allem, sich von Rassisten wie den NPD-Hetzern ködern zu lassen) – das ist das Gift.
Und das müssen wir verhindern, dass es sich weiter ausbreitet.

RTelenovela

Vor 20 Jahren (114): Stars und Sternchen auf der IFA

Donnerstag, den 27. August 2015
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(113) -> 14.7.2015

Sonnabend, 26. August 1995.
Wahnsinn! Breitbildfernseher! Und CD-Rom! Digitalfernsehen! Windows 95!
Das war die Internationale Funkausstellung 1995 in Berlin. Was heute in der Technik Standard oder schon wieder längst überholt ist, war vor 20 Jahren noch Zukunftsmusik.
Es war meine zweite Funkausstellung, und damals war das noch das ganz große Ding. Die IFA fand zu dem Zeitpunkt nur alle zwei Jahre statt.
Damals fuhr man nicht nur wegen der Technik hin, sondern mehr wegen der Promis und der vielen Fernsehsender, die sich dort präsentierten.

Im IFA-Sommergarten moderierten Jürgen Fliege und Eva Herman eine mehr als lahme Musikshow. Wir waren bei der Probe, als gerade ein Helga-Hahnemann-Double auftrat. Alles ganz schön peinlich.
Cherno Jobatey stand an der Seite rum und gab keine Autogramme. Am Stand von RTL konnte man Aufklebner abstauben. Wie überhaupt Aufkleber damals ein Muss waren.
In der Halle von ARD aktuell war ich bei der Aufzeichnung einer Talkshow, in der Sarajevo-Korrespondent Friedhelm Brebeck über seine Arbeit erzählte. Am darauffolgenden Tag lief die Sendung im Nachmittagsprogramm von N3. Vorher schaute noch Ulrich Wickert vorbei und erzählte zum x-ten Mal, wie er an seine Geschichten rankam, die er immer vor dem Wetter wiedergab.
Sogar Kabel 1 hatte damals eine Halle auf der IFA – und sendete sogar live! Ich war bei der “Hugo-Show” dabei, moderiert von Minh-Khai Phan-Thi. Die Spielshow, in der ein Computer-Troll durch diverse Spiele geleitet werden musste, liebte ich damals.
Auch Sat.1 war groß vertreten. Damals stand der Sender vor einer Mega-Programmoffensive und stellte sich in einer riesigen Halle mit diversen Live-Shows vor. Leider war zum Zeitpunkt, als ich dort war, nur der Nachrichtenchef Heinz-Klaus Mertes dort.
Für den “Sportschau-Treff” ließ sich Steffen Simon an einem Bungee-Seil hochschießen.
Alles sehr aufregend…

Der Komiker Jörg Knör war damals für Grundig unterwegs und machte auf der IFA 1995 eine Show, in der die Produkte vorgestellt wurden und er ständig in neue Rollen schlüpfte. War mäßig lustig, aber aufwendig.
Bei (ich glaube, es war) Philipps stand Susanne Holst am Mikro und berichtete von Karin, einem Navigationssystem.

Und so gab es damals unheimlich viel zu sehen.
Auch die damals neuen PAL-plus-Fernseher im neuen 16:9-Format. Fanden wir damals doof. Auch weil das Bild noch ziemlich unscharf war. Nicht überzeugend!
Eine CD-Rom haben wir am Stand von Fritz ausprobiert – aber dafür habe ich mich 1995 schon nicht sonderlich interessiert.
Auch das neue Digitalfernsehen, das in den Startlöchern stand, nahmen wir zur Kenntnis. Mehr aber auch erst mal nicht.

Nur zu ProSieben sind wir damals nicht vorgedrungen: Robbie Williams war dort zu Gast – und die Halle so überfüllt, dass sie geschlossen werden musste…

RT liest

Lauren Holmes: Barbara die Schlampe und andere Leute

Mittwoch, den 26. August 2015

Lauren Holmes schreibt Kolumnen in mehreren Zeitschriften. Die scheinen so erfolgreich und beliebt zu sein, dass nun auch ein Buch mit ihren Kurzgeschichten erschienen ist: “Barbara die Schlampe und andere Leute”.
Um es kurz zu machen: Das Beste am Buch ist der Titel.

Die Autorin schreibt über Liebe und Freundschaft, über Partnerschaften, über das Erwachsenwerden und darüber, Entscheidungen zu treffen.
Eine junge Frau kommt nach lange Zeit mal wieder nach Hause zu den Eltern – fühlt sich da aber nicht wirklich wohl. Ein Mann und eine Frau lernen sich kennen, aber die Beziehung kommt nicht in Gang. Um zwei Beispiele zu nennen.

Es gibt einige Storys, die lesen sich ganz nett. Aber alles in allem sind die Geschichten bedrückend belanglos. Insbesondere die ersten 2-3 Geschichten sind von Langeweile gekennzeichnet. Die schreibt die Autorin, was die Personen machen, aber das ist so lahm, dass man sich als Leser fragt, was das alles soll. Es plätschert alles so dahin, bis die Geschichte einfach zu Ende ist.
Später nimmt die Relevanz (wenn man das so nenn möchte) immerhin ein bisschen zu, aber packend oder irgendwie erhellend sind die kurzstorys alle nicht. Eine große Enttäuschung!

Lauren Holmes: Barbara die Schlampe und andere Leute
ro ro ro, 256 Seiten
4/10

RTZapper

Promi Big Brother – Die Late Night Show: Menowin

Dienstag, den 25. August 2015
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SA 22.08.2015 | 23.55 Uhr | sixx

Seit mehr als einer Woche sitzen die mehr oder weniger Prominenten im “Promi Big Brother”-Haus von Sat.1 und sixx. Es gibt lustige Momente, doofe, langweilige – und dann die, in der Wahrheiten ausgesprochen werden.
Zum Beispiel, wenn es um die Frage geht, warum die Promis sich das überhaupt über sich ergehen lassen.

Am späten Sonnabendabend erzählte Menowin Fröhlich – live in der late Night Show bei sixx – was ihn umtreibt.
Er möchte endlich ernst genommen werden. Er möchte, dass man ihn als Menschen sieht – und nicht nur den Typen, der verurteilt worden ist und Mist gebaut hat. Er sagte, er habe noch nie eine Couch besessen. Und eine neue Wohnung brauche er auch. Er wolle seiner Familie endlich was bieten.
Er hatte zwar mal Geld, aber er hat alles verprasst. Drogen, so heißt es. Und mehr.

Menowin braucht den Sieg bei “Promi Big Brother”. Es hängt verdammt viel dran. Und es gibt die Augenblicke, wo diese Schattenseite des Ruhms auch in einer solchen Sendung zutage treten.
Auch wenn sich mein Mitleid in Grenzen hält, das sind die ernsthaften, die wahrhaftigen Momente in dieser Unterhaltungsshow.