Tagesarchiv für 30. Juli 2015

aRTikel

Eine ganz besondere Lebensgeschichte

Donnerstag, den 30. Juli 2015
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Harald Schmidt aus Sommerfeld hat ein Buch über seinen bruder Jochen herausgegeben

MAZ Oranienburg, 20.7.2015

SOMMERFELD
Die erste Auflage ist bereits vergriffen. In seinem neuestem Büchlein berichtet der Sommerfelder Autor Harald Schmidt über seinen neun Jahre älteren Bruder Jochen. Der Titel: „… so ist es Mühe und Arbeit gewesen – Das Leben eines Bauern und Christen in vier Gesellschaftsordnungen“.

Es sei ihm ein Anliegen gewesen, über das Leben seines Bruders zu berichten, sagt Harald Schmidt, der seit 55 Jahren in Sommerfeld lebt. Er wuchs in Bachfeld in Südthüringen auf, sein Bruder Jochen lebt dort 87-Jährig auch heute noch auf einem Bauernhof. „Wir haben ein gutes Verhältnis, wir telefonieren jeden Tag“, sagt Harald Schmidt. Das Besondere an der Lebensgeschichte von Jochen Schmidt: Zeit seines Lebens hat er keinen Schluck Alkohol angerührt – aus religiösen Gründen. Wie überhaupt der fundamentale Glaube eine sehr große Rolle im Leben des Porträtierten spielt.

Auf den gut 40 Seiten berichtet Harald Schmidt von den Ereignissen in Bachfeld. Davon, wie Jochen in den Krieg musste. Wie er nach seiner Rückkehr zu Hause das Ruder übernehmen musste, weil der Vater erst später heimkehrte. Von dessen Arbeit als Bauer in der DDR und wie er nach der Wende mit der Zeltmission umher zog, um für seinen christlichen Glauben zu werben.

Dass ein Buch über ihn entstehen soll, das hat Jochen Schmidt erst mal skeptisch gemacht. Er sei doch nicht bedeutend, hatte er seinem Bruder Harald gesagt. „Aber das ist ja keine Lobhudelei“, sagt der Sommerfelder dazu. Als das Buch fertig war, hat sich dann auch Jochen darüber gefreut. In Bachfeld fand sogar eine Lesung statt, bei der die Brüder vereint waren. „Die Leute dort kennen ihn ja alle“, sagt Harald Schmidt. Deshalb sei das Interesse dort auch recht groß.
Dass die Geschichte recht kurz geraten ist, sei Absicht. „Zu einem richtigen Roman fehlt mir die Fantasie“, so der Autor. Zu umfangreichen Werken würden zudem viele Leute ungern greifen. „Es sollte ja letztlich auch nur ein Infoheft werden.“

Ende 2015 oder Anfang 2016 soll Harald Schmidts nächstes Buch erscheinen – das Letzte, wie er sagt. Darin geht es um Nachwendenotizen eines Betagten.
Tagebuchartig berichtet er über die Dinge des Lebens. Er erzählt kurze Geschichten aus Sommerfeld, Kremmen, von der Stammtischrunde, dem Hohen Neuendorfer Kulturverein oder auch aus dem Familienleben. „Wenn mir etwas Neues auffällt, dann mache ich mir darüber Notizen“, erzählt Harald Schmidt.
An seinen Büchern verdient er nichts. „Es ist mein Hobby. Und das Schöne ist, dass man bei Lesungen immer wieder neue Leute kennenlernt.“

Kontakt : Wer Interesse an seinem Buch hat, kann sich bei Harald Schmidt melden,  033055/7 52 70, E-Mail: schmidt-som@freenet.de

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RT im Kino

Kartoffelsalat – Nicht fragen!

Donnerstag, den 30. Juli 2015

Es gibt diese Momente, da sitzt man im Kino, starrt auf die Leinwand und kann es einfach nicht fassen.
Einfach nicht fassen.
Das Interessanteste an “Kartoffelsalat – Nicht fragen!” (der Filmtitel ist Programm, besonders der Untertitel) sind die Umstände, unter denen er entstanden ist. Viele der Mitwirkenden sind Stars aus der Youtube-Szene. Fans konnten Geld spenden. Freshtorge alias Torge Oelrich ist allerdings bei ESC-Insidern auch als Experte für den Eurovision Song Contest bekannt. Seine Talente als Filmschauspieler sind allerdings… sagen wir mal: begrenzt.

Leo Weiß (Torge Oelrich) ist der Klassenälteste (und das sieht man ihm auch an, eigentlich nimmt man ihm die Rolle eines Schülers zu keiner Sekunde ab), und alle hänseln ihn. Er muss die Schule wechseln, aber auch dort hat er es schwer.
Als es jedoch zu einem Zwischenfall kommt und sich fast alle Schüler und Lehrer zu Zombies verwandeln, schlägt seine große Stunde.

Eines kann man diesem Film zugute halten: Alle Beteiligten nehmen ihn vermutlich nicht allzu Ernst, es gibt einen oder zwei Momente, die mit Selbstironie glänzen. Nett sind auch die Kurzauftritte von Jenny Elvers, die sich in Sachen Alkohol ebenfalls witzig auf die Schippe nimmt.
Im Grunde war es das aber auch. Der Rest funktioniert vorne und hinten nicht. Der Film ist Trash – aber kein guter.
Da wird beim Sprechen mit den Armen gerudert, Overacting steht auf der Tagesordnung, von allem zu viel, nur vom Humor zu wenig. Da werden Grimassen gezogen und Witze gerissen, die nicht witzig sind. Ein Konzept scheint es zu sein, Wortwitze wörtlich zu nehmen und sie szenisch umzusetzen – das wirkt oft primitiv und man denkt nur: pffff.
Die Auweia-Momente häufen sich. Der Film wirkt wie ein Schulprojekt, das eigentlich nur für eine interne Schulaufführung geplant war. Dafür 7 Euro auszugeben, ist fast schon eine Beleidigung.
Da hilft es auch nicht, dass Otto Waalkes im Film alte Witze aufwärmt und weitere C-Promis Gastauftritte haben.

Ist es das, was Jugendliche heute lustig finden? Rennen die Fans der Youtube-Stars nun ins Kino und finden das alles zum Brüllen komisch? Bin ich mit 37 einfach nur zu alt für diesen Kram? Sehr, sehr enttäuschend. Dieser Film macht mich ratlos. Aber vor allem wütend.
“Kartoffelsalat” ist ein Anwärter für die “SchleFaZ”-Reihe auf Tele 5. Eigentlich wartet man während des Films die ganze Zeit auf Oliver Kalkofe und Peter Rütten, die uns erklären, warum das in der Reihe “Die schlechtesten Filme aller Zeiten” sehr gut aufgehoben ist. Also, Kalkofe und Rütten – bitte nehmt euch der Sache an! Schnell!

Kartoffelsalat – Nicht fragen!
D 2015, Regie: Michael David Pate
Centralfilm, 81 Minuten, ab 12
0/10

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RTZapper

Die Lars Reichow Show: Lisicki und Pocher

Donnerstag, den 30. Juli 2015
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DI 28.07.2015 | 23.30 Uhr | ZDF

Es war nicht der spaßigste Talkshow-Besuch, den Oliver Pocher da vermutlich erlebt hat. Fast schien es, als würde er sich langweilen, als fände er es absolut mies, was er da gerade miterleben muss. Gemeinsam mit seiner Freundin Sabine Lisicki war er zu Gast in der “Lars Reichow Show” im ZDF.

Wenn du denkst, schlimmer kann’s nicht werden – dann belehrt uns Lars Reichow vom Gegenteil. War schon Folge 1 seiner so was wie eine Late-Night ziemlich mau, zeigte er in der zweiten Sendung, dass es noch ein paar Stufen bergab gehen kann. Scheinbar scheinen alle Shows schon aufgezeichnet zu sein, so dass niemand mehr auf die (völlig zurecht) miesen Kritiken reagieren kann.

Diesmal ging es um das Thema Ehe und Beziehungen, und nach einem bedrückend langweiligen Monolog, holte Reichow seine Gäste auf die Bühne.
Sabine Lisicki fragte er allen Ernstes, wie es denn so ist, in Florida zu leben, und es es denn so ist, ständig auf Reisen zu sein. In einem Spiel mussten Pocher und Lisicki Tischtennis spielen und doofe Fragen beantworten.
Man hat es inbesondere Oliver Pocher angemerkt: Immer wieder machte er gegenüber Reichow spitze Bemerkungen, er ließ ihn deutlich merken (aber vermutlich hat’s Reichow nicht gemerkt), was er von ihn und seiner Show hält: wenig.

Aber dafür, dass Reichow Kabarettist ist, ist er erstaunlich unlustig. Aus seinen eigentlich spannenden Gästen holt er nichts heraus. Im Gegenteil: Er lässt sich in seiner lahmen Art sogar vorführen. Seine Gags sind unfassbar bieder, seine Fragen sind plump-dämlich, die ganze Show ist zum Fremdschämen. Wer verbricht eigentlich so etwas? Welcher Fernsehverantwortliche meint, dass so etwas noch lustig ist? Was vielleicht 1970 für den einen oder anderen Schenkelklopfer gut war, ist 2015 nur noch für eine Maßnahme gut: absetzen!

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RTelenovela

Tegel: In der Einflugschneise

Donnerstag, den 30. Juli 2015
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Gleich, um 20.10 Uhr, muss ein ganz besonderer Flieger ankommen. Mit Propellern, so was sieht man nicht mehr so oft.
Und tatsächlich: Es ist fast 20.10 Uhr, da hören wir das Brummen, und es wird immer lauter. Der Flieger taucht hinter den Bäumen auf, wird größer. Er nähert sich uns und donnert in niedriger Höhe über uns hinweg. Nur wenige Meter weiter setzt er zur Landung an.

Wir sind in Berlin-Reinickendorf. Da, wo die Leute direkt in der Einflugschneise für den Flughafen Tegel wohnen. Wer bei Kentucky Fried Chicken sitzt, kann die Flieger zu den Stoßzeiten im 90-Sekunden-Takt rüberdonnern sehen. Scheinbar haarscharf über dem Mehrgeschosser fliegen sie rüber, ehe sie in Tegel landen.

Am Autobahnzubringer zwischen dem Kurt-Schumacher-Damm und dem ehemaligen Dreieck Reinickendorf (A111) gibt es eine Stelle, an der man als Vorbeifahrender immer sehr viele Leute auf der Mauer sitzen sitzt.
Seit in den “111 Orten, die man in Berlin gesehen haben sollte” diese Stelle genannt worden ist, ist sie auch kein Geheimtipp mehr.
Wer dort sitzt oder steht, hat einen tollen Blick auf das Flughafen-Gelände. Man sieht, wie die Flieger landen – sie fliegen ja über einen hinweg – und wie sie starten und meist in Richtung Spandau verschwinden.

Es halten sich mitunter interessante Leute dort auf. Wir treffen einen jungen Mann, der es sich scheinbar zum Ziel gemacht hat, ankommende Flugzeuge zu fotografieren. Immer wieder. Dann zeigt er die Fotos den anderen, um zu zeigen, welche am besten ist und welche er stattdessen wieder löschen könne. Das Urteil der Befragten zählt jedoch nicht, denn er hat sich längst entschieden. Vermutlich geht es ihm eher darum, sich mit anderen zu unterhalten. Er weiß, wann Flieger kommen und vor allem: woher sie kommen. Er weiß auch, welche Fluggesellschaft gleich ankommt und ob es eine spezielle Maschine ist. Er hat immer Geschichten zu erzählen – ob sie alle stimmen steht auf einem anderen Blatt.

Man erreicht den Tegel-Ausguck über die Meteorstraße. Durch dieses Viertel zu laufen, ist ebenfalls sehr spannend. An einer Stelle donnern die Flieger direkt über den Kopf hinweg. Laut. Krachend. Deshalb passt auch der Name Meteorstraße so perfekt.
Die Hinweislichter für die Einflugschneise stehen dort teilweise sogar in den Gärten der Büros oder Privatgrundstücke.
Das Getöse der Flugzeuge ist dort gewaltig, und man fragt sich, wie die Leute das aushalten. Auffallend viele unfertige Häuser stehen dort. Viele warten die Leute, bis der Flughafen Tegel geschlossen hat. Andere Häuser haben – so ist es für die Bewohner zu hoffen – eine dichte Dämmung.

Damit könnte bald Schluss sein – falls in Schönefeld, am anderen Ende Berlins, irgendwann mal der neue Flughafen eröffnet wird.
Ich fänd’s schade – trotz allem. Tegel muss offen bleiben.

Gleich, so weiß es unser Tegel-Experte, kommt ein besonders dicker Brummer an. und tatsächlich: Eine große Maschine schwebt über die Fahrbahn neben uns, er scheint besonders langsam auf die Landebahn zuzufliegen. Er setzt auf, und unser Freund zeigt wieder seine Fotos herum.

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