Tagesarchiv für 19. Juli 2015

RTZapper

Tiere wie wir

Sonntag, den 19. Juli 2015
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MI 15.07.2015 | 21.15 Uhr | Sat.1

Das ist wirklich die mit Abstand härteste Strafe, die je im deutschen Fernsehen zu ertragen war: sich von einer Ziege die Füße lecken und beknabbern lassen.
Und weil man diese Strafe nun wirklich niemandem zumuten will, ist die neue Show “Tiere wie wir” auch so… ähm… na ja, spannend jedenfalls nicht.

Irgendwas ist bei der Entwicklung der neuen Unterhaltungssendung von Sat.1 schief gegangen. Jeden Mittwochabend dreht sich bei Jürgen von der Lippe alles um lustige Fragen rund um die Tiere.
Das ist nett. Muss sich aber bei der Produktion als unfassbar öde rausgestellt haben. Und warum sonst müssen Lacher in die Sendung reingeschnitten werden, die da garantiert nicht hingehören? Warum überhaupt ist besonders in den ersten Minuten sehr viel geschnitten worden? Und wieso macht man das nicht wenigstens so dezent, dass es nicht auffällt? Warum wirken die Promi-Kandidaten an einigen Stellen so gelangweilt?

Die Idee an sich ist völlig in Ordnung. Immerhin lernt der Zuschauer in “Tiere wie wir” auch ein bisschen was. Aber der Witz, den Jürgen von der Lippe hat, kann sich kaum entfalten. Oliver Pocher und Bernhard Hoecker, die zur Stammbesetzung gehören, versuchen sich immer wieder die Bälle zuzuwerfen, was aber beim Publikum vor Ort kaum Reaktionen auszulösen scheint. Dazu musste zwingend irgendein Youtube-Star geholt werden, um auch junge Zuschauer zu locken (die sich dadurch aber bestimmt nicht locken lassen).

Und wer verliert, bekommt die Zehen genuckelt. Das ist an sich schon doof, aber Sat.1 macht es noch absurder: Vor den beiden Werbepausen verraten die Ausschnitte schon, wer am Ende verliert. Um ja nicht ein Fünkchen Spannung aufkommen zu lassen.
Es sei denn, bei Sat.1 hat jemand gedacht, dass der größte Cliffhanger ist, wie Youtube-Star Joyce den Ziegenknabber-Angriff übersteht – denn sie war es, die Mittwoch verloren hat.

“Tiere wie wir”: guter Ansatz von harmloser Unterhaltung – aber irgendwie dann doch vergeigt. Jedenfalls gibt es keinen Grund, nächste Woche wieder einzuschalten.

Hits: 81

RT im Kino

Unknown User

Sonntag, den 19. Juli 2015

Eines muss man diesem Film lassen: “Unknown User” ist wirklich ungewöhnlich und bietet eine Idee, die so vermutlich noch nicht umgesetzt worden ist.
Er spielt in Echtzeit, aber noch viel wichtiger: Er besteht aus nichts anderem aus der Laptop-Oberfläche eines jungen Mädchens. Wir sehen ausschließlich nur das, was sie auf ihrem Bildschirm sieht. Was sie macht, wohin sie ihren Curser bewegt, welche Videos sie sieht oder mit wem sie wo chattet.
Und, ja, das ist durchaus faszinierend.

Blaire (Shelley Hennig) daddelt auf ihrem Laptop rum. Sie skypt mit ihrem Freund Mitch (Moses Jacob Storm). Aber irgendwas ist seltsam, denn plötzlich mischt sich ein unbekannter Anrufer ein. Er hat kein Profilfoto. Auch als sich weitere Freunde dazuschalten, bleibt der Unbekannte Teil des Chats – und lässt sich nicht wegdrücken.
Aber es gibt mehr und mehr Hinweise: Genau vor einem Jahr ist Mitschülerin Laura gestorben. Sie ist schwerstens gemobbt worden. Und jetzt? Jetzt will sie Rache.

“Unknown User” zieht sein simples Konzept eiskalt durch. Das führt insbesondere im ersten Drittel dazu, dass wir ausschließlich sehen, wie Blaire chattet, wie sie irgendwelche Dinge anklickt. Da kommt es schon mal vor, dass über weite Strecken nichts geredet wird. Der Zuschauer muss lesen, er muss gucken, was passiert rechts, was passiert oben links auf dem Bildschirm, und er bekommt auch viel zu sehen: Für die deutsche Fassung ist der Film umfassend bearbeitet worden, es gibt ausschließlich deutsche Texte, deutsche Links (plus kleine versteckte Gags) – relativ aufwändig für die heimische Fassung. oder was man so relativ nennt – mit nur einer Million Dollar war “Unknown User” extrem preiswert.
Das führt dazu, dass einerseits irgendwie wenig passiert – aber interessant ist’s trotzdem. Nach und nach kommt Leben in den Film, und als der geheimnisvolle Fremde hinzukommt, auch die Spannung. Schnell entwickelt sich alles zum harten Thriller.
“Unknown User” ist etwas andere Kinounterhaltung – auf jeden Fall sehenswert.

Unknown User
USA 2014, Regie: Levan Gabriadze
Universal, 83 Minuten, ab 12
7/10

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RTelenovela

Rügen 2015 (8): Auf der Suche nach dem Notfall

Sonntag, den 19. Juli 2015
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(7) -> 18.7.2015

Eine ruhige Nacht in der Selliner Wilhelmstraße. Von meinem Hotelzimmer aus habe ich einen ganz guten Blick auf die Haupt-Bummelstraße des Ostseebades.
Ein Blaulicht düst vorbei. Neugierig, wie ich bin, blicke ich aus dem Fenster.
Ein Krankenwagen. Er stoppt am Nachbarhaus. Aber niemand steigt aus.
Das Auto fährt weiter bis zu den Pollern vor der Abfahrt zur Seebrücke. Und wieder ein Stopp.
Der Krankenwagen dreht und fährt wieder die Wilhelmstraße hoch. Einmal noch stoppt der Wagen und fährt dann langsam falschherum die Einbahnstraße entlang.

Scheinbar scheint es einen Notruf gegeben zu haben, aber niemand weiß, wo genau der Verunfallte ist. Ein Bekannter, der in Sellin lebt, meint, dass es wohl immer mal wieder dort passiert.

Gute fünf Minuten vergehen, der Krankenwagen nähert sich erneut, diesmal ohne Blaulicht. Langsam bewegt sich das Auto wieder auf die Seebrücke zu, diesmal fährt er an den Pollern vorbei und stoppt direkt am Ende der Wilhelmstraße, vor der Seebrückentreppe.
Nun steigen zwei Männer aus. Langsam laufen sie irgendwo hin, raus aus meinem Blickfeld.
Viele Minuten steht der Krankenwagen dort, ob sie finden, was sie suchen, ist nicht zu sehen. Sehr viel später erst, fährt der Krankenwagen aber erneut durch die Wilhelmstraße, weg von der Ostsee. Hoffentlich ist alles gut gegangen – falls es denn wirklich einen Notfall gab…

Hits: 93