Tagesarchiv für 8. Juni 2015

RT im Kino

Camino de Santiago

Montag, den 8. Juni 2015

Seit uns Hape Kerkeling erzählt, wie es auf dem Jakobsweg zugeht, ist der Pilgerpfad auch bei den Deutschen bekannt – und immer beliebter. Hunderttausende laufen den Weg jedes Jahr. Um sich etwas zu beweisen, um nachdenken, um sich zu selbst zu finden.
Davon handelt auch die schweizer Doku “Camino de Santiago”. Leider ist sie nicht gut.
Die Regisseure Manuel Schweizer und Jonas Frei zeigen den Camino und die Städte und Dörfer entlang des Weges wie in einem vom Tourismusverband bezahlten Reiseführer. Dazwischen erzählen Pilger, warum sie pilgern.

Leider bleibt der Film dabei extrem oberflächlich. Spätestens wenn der vierte Pilger erzählt, dass er zu sich selbst finden will, dass er irgendwie rausfinden will, welche Wende er vollbringen will, dann ist das ermüdend. Inhaltlich haben die vielen Leute, die in der Doku vorkommen, leider nicht viel zu sagen. Oder man lässt sie nicht. Denn wirklich tiefergehend erzählt niemand. Es taucht auch niemand später in Film nochmal auf. Es gibt keine Identifikationsfigur, es fehlen die Emotionen, die es ohne Zweifel auf dem Weg gibt. Es geht nicht darum, was man auf dem Weg erlebt – alles wird nur angerissen, und alles ist supi, alles ist total toll, und immer ist es eine schöne Erfahrung. Das Leid, die Anstrengung, von der Hape Kerkeling ja auch erzählt hat, alles das kommt in der Doku nicht vor.
Die Macher haben es sich viel zu einfach gemacht, sie kratzen nur an der Oberfläche.
In dieser Form leider überflüssig.

Camino de Santiago
Schweiz 2014, Regie: Manuel Schweizer und Jonas Frei
Farbfilm, 86 Minuten, ab 0
3/10

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RTZapper

BR extra: G7 in Elmau – Obama und Merkel besuchen Krün

Montag, den 8. Juni 2015
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SO 07.06.2015 | 9.00 Uhr | Bayerisches Fernsehen

Hach, ist das aber schöön! Trachten und Gewänder, Berge und Blasmusik, Weißbier und Weißwurst. Na, Servus und Grüß Gott!
Wenn die Amis an Deutschland denken, dann haben sie oft genau dieses Bild vor Augen, und genau das lieferte ihnen CNN am Sonntag live nach Hause. In Deutschland übertrug u.a. das Bayerische Fernsehen.

Bevor der G7-Gipfel auf Schloss Elmau begann, trafen sich Barack Obama und Angela Merkel zum Frühschoppen. Im bayerischen Provinzkaff Krün bekam Obama genau das Deutschland-Bild präsentiert, das dem Klischee entspricht.
Die Welt hielt den Atem an, als sich Millionen Zuschauer fragten: Wird Obama eine Weißwurst verspeisen? Und wird er sie mit Messer und Gabel essen anstatt sie zu zutzeln? Und kippt er sich ein Bierchen hinter?
Und tatsächlich: Obama zeigte sich mal wieder volksnah, zog sein Jackett aus, machte Smalltalk, trank Bier und futterte eine Weißwurst. The bavarian President sorgte mal wieder für fröhliche und ach so sympathische Bilder, die in die Welt gingen (okay, in den USA war es an der Ostküste erst kurz vor 5 Uhr, da schliefen die Amis noch).

Nur die Lederhose hat er vergessen. Es wäre aber auch zu schön gewesen, wenn er mit seiner Freundin Angie in Krün einen Schuhplattler aufs Parkett gelegt hätte. Da wäre der Rest der in Elmau wartenden G7-Truppe bestimmt neidisch geworden.

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RTelenovela

Zu Besuch bei Herrn Röntgen

Montag, den 8. Juni 2015
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Der Alte Friedhof von Gießen ist echt alt – und zwar fast 500 Jahre. Allerdings: Genaugenommen ist er nicht mehr wirklich ein Friedhof. Eher ein Friedhofsauslaufmodell. Zwar findet man dort viele Gräber, aber sie sind schon sehr, sehr alt. Schon seit 1993 wird dort – bis auf wenige ausnahmen – niemand mehr beerdigt. Schon 1903 ist ein neuer Friedhof eröffnet worden, weil die Kapazitäten nicht mehr ausreichten. Laut Wikipedia lagen dort 28.000 Beerdigte.
Der Alte Friedhof ist deshalb jetzt ein Stadtpark. Aber eben ein sehr interessanter.

Inzwischen sind längst nicht mehr alle Gräber da. Wenn man auf die immer noch vielen vorhandenen Grabstellen schaut, liegen die Toten dort schon sehr lange. Die gräber sind oft mehr als 100 Jahre alt, auf einigen verwitterten Steinen sind sogar Daten aus dem 19. Jahrhundert zu lesen.
Auch gibt es kaum 08/15-Gräber zu sehen. Die sind vermutlich längst abgeräumt. Wer auf dem Alten Friedhof spazieren geht, entdeckt kunstvoll gestaltete Grabstellen und -steine. Kaum eine Totenstelle gleicht der anderen.

Der bekannteste “Bewohner” des Alten Friedhofs in Gießen: der Nobelpreisträger Wilhelm Conrad Röntgen, gestorben im Jahre 1923. Das ist den Gießenern so wichtig, dass das Grab sogar ausgeschildert ist.

Die Gießener selbst scheinen den Alten Friedhof tatsächlich kaum noch als Friedhof wahrzunehmen, sondern als Stadtpark – was er ja offiziell auch ist. Da wird gejoggt, da latschen die Leute über die Wiesen, da wird gejohlt und gerufen.
Komisch, ich würde mich das nicht trauen. Aber andererseits ist diese Alltagsnormalität auf diesem Gelände ja irgendwie auch gewollt.

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