Tagesarchiv für 11. Mai 2015

RTelenovela

Stellenabbau mit gleichbleibend hoher Qualität. Oder so.

Montag, den 11. Mai 2015
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Die Mediengruppe Madsack, die in Deutschland viele Lokalzeitungen herausgibt, schreibt sich auf die Fahnen, dass die lokale Berichterstattung auch in Zukunft für das Überleben des Journalismus sorgen wird.
Ich frage mich allerdings, wie das gehen soll, wenn immer mehr Stellen abgebaut werden. Auch im lokalen Bereich.

Die Geschäftsführung des Konzerns ließ verlauten, dass in den Lokalredaktionen weiterhin auf Stellenabbau gesetzt werde. Es solle das Ziel sein, „mit möglichst wenigen Journalisten eine möglichst gute Zeitung zu machen“. Die Qualität der Zeitung werde dabei nicht sinken. „Wenn wir an der Qualität der Tageszeitung etwas ändern würden, wäre das fatal“, so einer der Geschäftsführer.

Finde den Fehler. Manchmal ist man so schockiert, dass man einen Moment sprachlos ist. Und man fragt sich: Wie soll das gehen? Gleiche Qualität mit noch weniger Leuten? Die paar Hanseln, die dann noch da sind, sollen also die Fahnen hochhalten und ein tolles Produkt abliefern.
Mit solchen Aussagen stößt man seinen Mitarbeitern ordentlich vor den Kopf, und dem Produkt, das man herausgibt, tut man damit keinen Gefallen.
Die Qualität wird darunter leiden, und sie leidet schon jetzt. Alles andere zu behaupten, wäre Schönfärberei.

(Offenlegung: Ich arbeite für eine der Tochtergesellschaften, die zur Mediengruppe Madsack gehört.)

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RTZapper

Eine wie diese

Montag, den 11. Mai 2015
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SO 10.05.2015 | 20.15 Uhr | ZDF

Normalerweise laufen im “Herzkino”, sonntagabends im ZDF, immer nur Schnulzen. Frau A liebt Herrn B., der aber liebt Frau C., und eine gemeine Intrige gibt es dann auch noch – bevor es zum Happy-End kommt.
Man könnte meinen, gegen die übermächtige ARD-Krimi-Konkurrenz geht nichts anderes, aber diesmal versuchte es das ZDF doch mal mit Relevanz.

“Eine wie diese” ist Siggi. Die 22-Jährige bewirbt sich 1974 als Polizeikommissarin. Das war natürlich zu der damaligen Zeit das ganz große Ding. Kein Mann nahm sie ernst, auch ihr eigener Vater nicht. Aber auf Kinder und Kochen hat Siggi keine Lust.
Klar, der Film geht gut aus, am Ende ist Siggi total anerkannt bei all den männlichen Kollegen und dem Vater.
Das ist durchaus unterhaltsam gewesen – und so erstaunlich unkitschig. Das ZDF zeigte den Film trotzdem unter dem Label “Herzkino”. Vielleicht, damit das Herz-Schmerz-Publikum sozusagen aus Versehen doch mal was Relevantes anschaut.

Und nächsten Sonntag: ein neuer Rosamunde-Pilcher-Film. Dann ist die Sonntagabend-Welt im ZDF wieder in Ordnung.

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RT im Kino

Hedi Schneider steckt fest

Montag, den 11. Mai 2015
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Angst. Herzinfarkt? Schlaganfall? Auf jeden Fall: lebensbedrohlich. Ganz sicher! Hedi (Laura Tonke) bekommt keine Luft mehr. Es geht nichts mehr. Sie steckt fest.
Und dabei lief doch alles so gut. Mit ihrem Mann Uli (Hans Löw) und ihrem Sohn Finn (Leander Nitsche) hat sie sich gut eingerichtet, im Job läuft es so lala. Und dann das: Panik. Notarzt.
In der Klinik stellen sie nichts fest, es war nur eine Panikattacke. Aber die Angst bleibt. Die Lähmung. Und mit ihr wird auch Uli in den Strudel gerissen.

“Hedi Schneider steckt fest” handelt davon, was die Psyche mit den Menschen und ihren Angehörigen anstellen kann. Hedi gerät in einen Depressionsstudel, ihre Lebensfreude ist dahin, sie kann nicht mehr allein. Tage. Wochen.
Der Film von Sonja Heiss zeigt, was in einem Menschen vorgeht, wenn die Psyche die Regie übernimmt. Und was das mit den Menschen macht, die mit der Kranken leben müssen. Leben wollen. Helfen wollen.
Sonja Heiss nähert sich dem Thema auf heitere Weise, aber ganz schleichend verschwindet die Heiterkeit, der Ernst der Lage wird dem Zuschauer nach und nach bewusst.
Das alles ist toll dargestellt, Hedis Krankheit anzusehen tut weh. Laura Tonke und Hans Löw spielen eindringlich, der kleine Leander ist eine wirklich Schauspielentdeckung.
Ein Film, der dafür sorgen kann, über Depressionen ins Gespräch zu kommen. Ein Tabu zu enttabuisieren.

Hedi Schneider steckt fest
D 2014, Regie: Sonja Heiss
Pandora, 92 Minuten, ab 12
8/10

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