Tagesarchiv für 14. April 2015

RTZapper

Newtopia live: Produktionsbesprechung

Dienstag, den 14. April 2015
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SO 12.04.2015 | 2.00 Uhr (Mo.) | Sat1.de

Im Newtopia-Livestream war in der Nacht zu Montag mal wieder Sendepause. Also, fast. Irgendwer muss vergessen haben, auch noch die letzte Kamera auszuschalten. Nur doof, dass es ausgerechnet die wichtigste Kamera war.

Alles echt. Das wahre Leben. Das sollte “Newtopia” sein, das ganz große Ding aus dem Hause John de Mol. Ein Jahr lang sollte eine Gruppe Menschen auf einem abgeschotteten Gelände in Zeesen bei Berlin leben und, ja, einfach leben. Irgendwie, mit irgendwas, mit ihren Ideen eben, die sie so spontan haben. Und das live im Internet und fünfmal pro Woche auf Sat.1.

Spontan. Zwinker, zwinker.
Aber nun hat es sich ausgezwinkert. Denn die Livestream-Zuschauer konnten am frühen Montagmorgen mitverfolgen, wie die Bewohner um 2 Uhr nachts zu einem Meeting gerufen worden sind. Und dabei gefilmt wurden – denn die eine Kamera lief weiter und übertrug live ins Netz.

Die Producerin, betrunken, wie sie selbst sagte, sprach über die Produktion und den Druck und darüber, wie es denn bei Newtopia weitergehen könne. Die Kühe könne man doch verkaufen. Und ein Lokal eröffnen. Das wünsche sich auch John de Mol. Und man entschuldige sich, dass man bei den Besprechungen nicht immer alle Bewohner hinzugezogen habe.
Nach nur 50 Minuten muss irgendjemand gemerkt haben, dass… Dass, nun ja, die Kacke schwer am dampfen ist. Denn nun war es raus: Es wird eben doch Einfluss genommen bei “Newtopia”.

Überraschend ist das nicht. Ein Jahr leben Menschen so dahin, die Quoten sinken, und irgendwie ist die Sause ganz schon langweilig. Klar, dass man da irgendwas machen muss, und klar, dass die Fernsehsehleute da schon mal ihre, ähm, Wünsche äußern.
Und klar, dass man seine Zuschauer und, wenn es sie noch gibt, Fans ganz schön verarscht.
Sat.1 sagt sorry. Die Produktionsfirma sagt sorry. Konsequenzen? Mal sehen.
Und die Zuschauer sind stinkig. Immerhin soll es ja Leute geben, die für den Livestream zahlen, und die immer wieder Ausfälle beklagen, während der, wie wir nun ahnen, irgendwelche wichtigen Besprechungen stattfinden. Besprechungen, die es ja angeblich nicht gibt.

Nun ist Fernsehen immer irgendwie gescriptet, und die Zuschauer nehmen das auch so hin (oft: leider). Aber wenn Sat.1 immer wieder beteuert, bei “Newtopia” werde kein Einfluss genommen, dann müssen sich Sender und Produktion die Häme, die jetzt einprasseln, gefallen lassen.
Und für John de Mol könnte es auch eng werden, denn “Newtopia” (oder “Utopia”) ist ein Weltprodukt, und im Herkunftsland Niederlande, wo auch auf die Echtheit der Show gepocht wird, wird man auch auf Deutschland schauen. John de Mol muss sich fragen lassen, wie ernst er seine Zuschauer nimmt.

Das Image von “Newtopia” ist nun jedenfalls endgültig im Arsch. Ob Sat.1 dennoch an der Reihe festhält, dürfte spannend werden, denn billig ist der Ex-Spaß für den Sender nicht.

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RTelenovela

Wegbegleiter (12): Wenn ich groß bin, werde ich Straßenbauer!

Dienstag, den 14. April 2015
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(11) -> 8.4.2015

Es ist mal wieder eine komplette Fahrspur gesperrt. Die Fahrbahn muss erneuert werden. Das geht nun schon viele Jahre so, und es scheint sich auf der Baustelle seit einer halben Ewigkeit nichts mehr zu tun.
Aber in den weit über 20 Jahren, seit es das Straßennetz gibt, hat sich dennoch viel getan. Das Autobahnkreuz ist umgebaut worden, die Tangenten und Zufahrten sind entschärft. Die Zufahrten zur Raststätte sind neu gestaltet. Im Bereich der Ab- und Zufahrten sind Kreisverkehre eingefügt.
Und so weiter.

Es muss 1992 oder 1993 gewesen sein. Ich hatte sehr viel langweiligen Unterricht. Vor allem Chemie. Chemie war ganz übel. In Chemie habe ich irgendwann angefangen, zu malen. Autobahnen. Straßen. Zufahrten. Parkplätze.
Alles mit Bleistift. Denn fertig war ich nie. Hier mal eine Baustelle, da eine Verlegung von Straßen. Dazu Schilder, Fahrstreifen und alles, was man so braucht.
Am Ende waren es mindestens vier Blätter, die zusammengehörten. Wenn ich die Sammlung aber durchgucke, könnten es sogar sechs Blätter sein.

Vielleicht wäre ich ja Straßenbauer geworden, wenn es mit meinem Job nicht geklappt hätte. Oder zumindest Planer.

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