Monatsarchiv für April 2015

RTelenovela

So sprechen Oranienburger

Donnerstag, den 30. April 2015
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Pfannkuchen oder Eierkuchen? Oder doch eher Palatschinken? Unsere deutsche Sprache ist regional vielfältig, und erst neulich herrschte Aufregung darüber, dass Dialekte drohen, auszusterben. Kein Wunder: Wenn ein Schwabe nach Oranienburg zieht, wird er beim Bäcker ganz sicher keine Schrippe bestellen oder beim Imbiss nebenan einen Broiler kaufen.

Im Internet macht gerade ein Test die Runde, bei dem man rausfinden kann, wie wir wo sprechen. 24 Fragen sind zu beantworten. Zum Beispiel der gebratene, flache Fleischklops: Wie nennst du ihn? Bulette? Frikadelle? Oder gar Hacktäschli? (Nicht wirklich, oder?) Nennst du das Ding Bulette, dann bist du einer von hier (und hier ist in diesem Fall: Berlin und das Umland).
Oder die Hausschuhe: Latschen? Puschen? Schluffen? Und ganz brisant: die Uhrzeit 10.15 Uhr. Viertel nach zehn? Viertel elf? Viertel ab zehn? Viertel über zehn?

Der Test besteht aus lauter solchen Sprachfeinheiten. Und weil das Internet alles weiß, passte das Ergebnis des Tests wie die Faust aufs Auge: Auf Platz 1 meiner wahrscheinlichste Wohnorte ist Oranienburg. Passt. Ich kann’s eben nicht verleugnen.

-> Der Test

RTZapper

Forrest Gump

Donnerstag, den 30. April 2015
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MI 29.04.2015 | 20.15 / 23.00 Uhr | Sat.1

Wie tief ist eigentlich ein ehemals großer und wichtiger Privatsender gefallen, wenn zur Primetime ein 21 Jahre alter Spielfilm läuft und dieser dann direkt nach dessen Ende noch einmal gezeigt wird?

Genauso war’s am Mittwochabend in Sat.1. Um 20.15 Uhr begann “Forrest Gump” von 1994, und um 23 Uhr, direkt im Anschluss, gleich noch mal.
Das ist nichts anderes als eine Bankrotterklärung!
Und nächsten Mittwoch macht Sat.1 das noch mal – mit dem Film “Terminal”, der ist immerhin aus den 2000ern…

RT im Kino

Big Eyes

Donnerstag, den 30. April 2015

Margaret (Amy Adams) malt. Und wie. Die Mädchen auf ihren Bildern haben allesamt riesige Augen. Es ist Margarets Markenzeichen.
Als sie auf einem Trödelmarkt Walter Keane (Christoph Waltz) kennenlernt, ändert sich ihr ganzes Leben. Auch Walter malt, aber nicht besonders gut. Sie beschließen, gemeinsame Sache zu machen. Gemeinsam auszustellen.
Aber Walter muss recht schnell feststellen, dass sich niemand für seine Werke interessiert, sondern immer nur für die Mädchenaugen seiner Frau. Kurzerhand behauptet er, die Bilder seien von ihm.
Und Margaret? Die traut sich nicht, die Wahrheit zu sagen, denn Walter hat sie unter Kontrolle.

Die Geschichte der “Big Eyes”, die in den USA der 60er-Jahre spielt, ist echt. Es hat damals offenbar wirklich einen Hype um diese Augenbilder gegeben. Und das, obwohl sie so unheimlich sind, so abstoßend. Aber Walter ist ein grandioser PR-Mann gewesen, er hat die Bilder regelrecht auf den Markt gedrückt.
Tim Burton erzählt diese durchaus wahnsinnige Geschichte, und für wahnsinnige Rollen ist Christoph Waltz ja sowieso prädestiniert. Allerdings sollte der Österreicher aufpassen, diese Rollen nicht überzustrapazieren. Denn in “Big Eyes” trägt er manchmal ganz schön heftig auf.
“Big Eyes” ist unterhaltsames Kino und liefert einen interessanten Blick in die Kunst-, Medien- und Gesellschatsszene. Wenn der Film an einigen Stellen ein bisschen mehr Tempo drauf gehabt hätte, hätte ihm das noch besser getan.

Big Eyes
USA 2014, Regie: Tim Burton
Studiocanal, 107 Minuten, ab 0
7/10

aRTikel

Mit Fotoapparat und Klemmbrett die Innenstadt abgeklappert

Dienstag, den 28. April 2015
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Für Google Maps hat Maximilian Schmidt (22) Geschäfte in der Oranienburger City ins Bild gesetzt

MAZ Oranienburg, 28.4.2015

ORANIENBURG
Maximilian Schmidt ist neuerdings ein echter Kenner der Oranienburger Innenstadt. Der 22-jährige Fürstenberger hat nämlich etwa 120 Läden fotografiert. Das aber nicht aus reinem Spaß an der Freude. Sondern, um sie im Internet bekannter zu machen.
Sechs Wochen lang absolvierte er ein Praktikum bei der Werbeagentur „Chicken on Speed“ in der Stralsunder Straße in Oranienburg. Sein Hauptprojekt nannte sich „City 100“. Dabei ging es darum, 100 Geschäfte (am Ende waren es ein paar mehr) ins Bild zu setzen und die Fotos bei Google Maps im Internet hochzuladen. „Das ist für die Leute, die hier noch nie waren, oder wissen möchten, wie das Geschäft aussieht, wonach sie gerade gesucht haben“, erklärt er.

Zwei Tage lang war er in Oranienburg unterwegs: entlang der Stralsunder Straße, Schul- und Mittelstraße, Bernauer und Lehnitzstraße, am Schloss vorbei zur Breiten Straße und zum Bötzower Platz. „Wir haben uns auf die Innenstadt beschränkt“, sagt er. Mit Fotoapparat und Klemmbrett lief er durch die Stadt – und fiel auf. „Meistens bin ich auch in die Läden rein, um Bescheid zu sagen“, sagt Maximilian. „Manche kamen auch gleich raus.“ Wenn er dann erklärt hat, worum es bei dem Projekt geht, haben es die meisten auch verstanden. „Einige kannten Google Maps aber gar nicht“, so der Fürstenberger. Auch musste er ab und zu erklären, dass er die Läden von außen auch ohne zu fragen rein rechtlich fotografieren darf.

Nachdem er zwei Tage lang in Oranienburg unterwegs war, setzte er sich im Büro der Werbeagentur an den Computer, um alles zu bearbeiten. Wer bei Google Fotos hochlädt, kann dazu den passenden Standort eingeben und die Läden so noch besser markieren. Im Idealfall erscheint, wenn sich Nutzer auf der Google-Maps-Seite im Oranienburger Stadtgebiet umschauen oder speziell den Namen eines Geschäfts eingeben, dann auch die Bilder der dort befindlichen Läden. „Das waren ziemlich viele Geschäfte“, sagt Maximilian und lächelt. „Ich habe immer gedacht, dass die Stadt, was die Läden angeht, recht klein ist.“

Maximilian Schmidt geht auf das Hennigsdorfer Eduard-Maurer-Oberstufenzentrum. Sein Bildungsgang: gestaltungstechnischer Assistent. „Es geht zum Beispiel um Gestaltung, Werbung und Videoschnitt“, so der 22-Jährige. Innerhalb dessen musste er sich einen Praktikumsplatz suchen. „So sollen wir auf das Berufsleben vorbereitet werden.“ Seinem Chef René Tausch war es wichtig, ihm auch eine sinnvolle Aufgabe zu geben. „Es ist immer gut, so ein Praktikum mit etwas Handfestem abzuschließen“, sagt er. „Praktikanten sollen schließlich nicht nur Kaffee kochen“, ergänzt er mit einem Augenzwinkern.
Maximilian kann sich vorstellen, als Mediengestalter zu arbeiten. Bald stehen erst mal die Prüfungen für das Fach-Abi an. Vielleicht gründet er mal sein eigenes Label für Textildesign. „Beim Praktikum habe ich auf jeden Fall schon mal ein bisschen Routine mitbekommen“, sagt er. Und wenn er in Zukunft auf Google Maps nachschaut, wird er immer wieder auf seine Fotos stoßen.

RTelenovela

Wegbegleiter (14): Der Sack mit den Postkarten

Dienstag, den 28. April 2015
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(13) -> 21.4.2015

Bis in die frühen 90er habe ich Postkarten gesammelt. Heute habe ich den kleinen Sack in meinem Schrank entdeckt. Es sind allerdings nicht Postkarten, die mal an mich geschickt worden sind (die sind woanders, und dazu gibt es Teil 15), sondern entweder an andere oder sie sind leer.

Es sind weit mehr als 1000 Karten. Sie sind beschrieben oder auch nicht. Sie gingen an die Familie, an Freunde, an Nachbarn. Es sind sogar Karten dabei, die an Leute adressiert sind, die ich gar nicht kenne.
Die Älteste ist von 1939 – so habe ich es jedenfalls mal als Notiz drauf geschieben. Sie kommt aus Trier und ist komplett beschrieben – von einem längst verstorbenen Familienmitglied. Offenbar gab es mal einen Umschlag mit der Adresse und einem Poststempel, irgendwoher muss ich jedenfalls mal gewusst haben, von wann die Karte stammt. Die 1000. ist unbeschrieben und zeigt das Rathaus in Bonn (da war ich 1991).

Viele der Karten sind an meine Oma Klara, auch noch an Familie Max Tiesler, meinem 1979 verstorbenen Opa. Von meinem Vater ist eine Postkarte aus Bad Harzburg von 1955 dabei. Eine Urlaubskarte von meinem Bruder an meine andere Oma, von 1990 aus Boltenhagen. Grüße vom DDR-Kreuzfahrtschiff “Arkona” von 1988 an unsere damaligen Nachbarn.

Ich habe mir überall, wo ich war, Postkarten für meine Sammlung gekauft, damals aber keine verschickt – was sich später wieder geändert hat.
In der Sammlung sind Karten von Orten, viele aus der DDR, von unseren Nachwende-Reisen in Westdeutschland, unbeschriebene Karten aus Moskau, unzählige Oster- und Weihnachtskarten, Karten mit Tieren, mit Blumen und mit DDR-Stars (aus der “Frösi”).

Und es ist wieder ein Phänomen: Wenn man einmal anfängt zu kramen …
… dann hat man auch schon eine neue Serien-Idee für diesen Blog. Wenn die “Wegbegleiter” durch sind, dann geht’s weiter mit einer Reihe mit besonders skurrilen Postkartengrüßen.

ORA aktuell

Ehemalige Kaufhalle in der Bernauer Straße wird abgerissen

Montag, den 27. April 2015

Am Montag stand nur noch die Front. In der Bernauer Straße in Oranienburg wird die ehemalige Kaufhalle abgerissen. Darüber informierte die Stadtverwaltung. Das Gebäude war noch ein Relikt aus DDR-Zeiten.

Zuletzt war dort ein Restpostenlager für Möbel. Nun baut die Wohnungsbaugesellschaft dort einen eingezäunten Meieterparkplatz.

RTZapper

Wochenspiegel vom 29.4.1990

Montag, den 27. April 2015
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SO 26.04.2015 | 1.35 Uhr (Mo.) | ARD-alpha

Im April vor 25 Jahren ist Oskar Lafontaine bei einer Wahlkampfveranstaltung niedergestochen worden. ARD-alpha zeigte am späten Sonntagabend im “Wochenspiegel” vom 29. April 1990, wie darüber berichtet worden ist.
Das ist durchaus interessant, denn überaus zimperlich ist man auch damals mit Attentätern nicht umgegangen. Die Täterin ist mit vollem Namen genannt und als geisteskrank und psychisch gestört bezeichnet worden.

Nun ist natürlich der große Unterschied zum Co-Piloten des im März in den Alpen abgestürzten Flugzeuges, dass die Frau 1990 ihre Tat in aller Öffentlichkeit – vor vielen Kamera verübt hat. Sie zeigte ihr Gesicht und wurde, auch weil so das genauso wollte, eine Person der Öffentlichkeit.
Aber auch damals zeigte man schon den blutenden Politiker, man spekulierte und schnüffelte. Wenn so was 2015 passiert wäre – kaum auszudenken, wie Medien, Zuschauer und Social-Media-Nutzer ausgerastet wären.

Interessanter Randaspekt: Ein Politiker sagte, man könne keinen Rundumschutz für Politiker garantieren. Außer man trete nur noch hinter Glas auf. Also genau so, wie es Obama 2013 in Berlin getan ist. Irgendwann werden Vision immer Wirklichkeit.