Monatsarchiv für März 2015

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Prag in Berlin

Dienstag, den 31. März 2015
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MO 30.03.2015 | Berlin, C-Club

Ich war in Prag. Nein, Halt, das stimmt nicht. Ich war bei Prag. Und zwar in Berlin.
Klingt komisch? ist aber so!
“Prag” heißt die Band um Schauspielerin Nora Tschirner. Mit dem zweiten Album “Kein Abschied” hat sie Anfang des Jahres lauter wunderbare Songs abgeliefert. Sie handeln von der Liebe, vom Abschied, von der Heimat, der Freundschaft und vielem mehr.
Das Besondere an dem Album sind neben den hörenswerten Texten auch die tolle Instrumentierung. Zum Einsatz kommen neben Gitarre, Bass und Klavier auch Streichinstrumente. Klingt alles sehr edel.

Im Grunde ist bei so einem Album schon vorher klar: Live kann das eigentlich nicht so gut werden. Und der C-Club in Berlin-Tempelhof ist eigentlich auch nicht die richtige Location für so eine edle Musik, irgendwie muss da was Festlicheres her.

Wer das Album der Band oder überhaupt die Songs nicht kennt, für den könnte der Abend langweilig gewesen sein. Die Akustik gab es einfach nicht her, dass man live den Texten genauer folgen konnte. Aber vermutlich ist das in einem Club auch nicht machbar, und die Fans können die Texte sowieso.
Auch wenn Prag meistens keine Abgeh-Songs liefern, die Stimmung im C-Club war trotzdem prächtig. Dafür sorgt auch Nora Tschirner, die immer einen guten Spruch auf den Lippen hat. Locker-lustig führte sie durch den Abend, und das hatte Charme. Zumal die Band zum Tourabschluss ein Heimspiel hatte.
Zwei Stunden dauerte das Konzert, und die allermeisten Gäste werden danach glücklich den C-Club verlassen haben.

RTelenovela

Schießerei am Toten Meer

Dienstag, den 31. März 2015
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Reisebüros gehören zu der Branche, die vom Tode bedroht sind. Heutzutage suchen sich die Leute die Reisen lieber selbst im Internet zusammen.
Ich bin da allerdings ein Muffel. Ein Hotel zu buchen, das mache ich im Netz auch. Mir aber einen Urlaub zusammenzubuchen, also ein Hotel und einen Flug irgendwo im Ausland, irgendwas Nettes Pauschales, dazu habe ich eher weniger Lust. Und da kommt das Reisebüro ins Spiel.
Wer ins Reisebüro geht, muss nur sagen, was man will – und es wird rausgesucht. im Reisebüro schauen sie genauso wie wir zu Hause vorm Computer, was am besten ist, was am billigsten ist oder auch, wo eventuell Tücken sind. Und in der Regel kostet das nicht mehr, als wenn man sich zu Hause selbst die Mühe macht.

Wir wussten zwar, wann wir Zeit haben, zu verreisen. Aber nicht so wirklich wohin. Außer: Irgendwo hin, wo wir beide noch nicht waren.
Wir gingen also ins Reisebüro am Potsdamer Platz in Berlin.
Weitere Orte schwirrten in der Luft: Malta. Menorca. Lanzarote. Irgend sowas.
Oder Venedig? War ich zwar schon mal, aber nur auf Klassenfahrt ein paar Stunden. Lissabon? Kenne ich. Barcelona? Kennt meine Reisebegleitung schon.

Die nette Frau suchte am PC. Zunächst Venedig. Hotel 1 sah doof aus. Fand sie, fanden wir. Hotel 2 war toll – aber sehr weit weg von Venedig. Und Venedig selbst? Zu teuer zu unserer Reisezeit.
Barcelona kam auch noch mal ins Spiel. Würden Sie auch mit Germanwings reisen? Man müsse nach der vergangenen Woche ja immer fragen, sagte sie. Für uns kein Problem. Jetzt erst recht, meinte ich. Und sie: Billiger wird’s dadurch aber nicht.

Florenz? Sie suchte hier, sie suchte da, und fand. Manko: kein Direktflug, Zwischenlandung in München. Aber das Hotel sieht nett aus, das Ganze kostet nicht allzu viel. Wir haben uns erst mal vormerken lassen.

Wir wollten aber eine Alternative. Und die ist: Istanbul. Ich muss zugeben: Istanbul reizt mich. Eine andere Kultur, die Grenze zwischen Europa und Asien, viele Sehenswürdigkeiten. Und das Dasein vor Ort könnte preiswerter sein als in Florenz.
Nicht jeder finde Istanbul gut, sagte die Reisebürofrau, und ab und zu passiere da ja auch etwas. Sie erzählte von Kunden, die eine Reise stornieren mussten. Es habe eine Schießerei am Toten Meer gegeben. Fast hätte ich gesagt: “Kein Wunder, dass das Meer nach der Schießerei tot ist.” Aber ich hab’s mir verkniffen.

Und wie geht’s jetzt weiter? Wir bekommen per Mail ein Istanbul-Angebot, und dann können wir immer noch entscheiden.
Florenz oder Istanbul. Die Entscheidung – bald!

RT im Kino

Der Nanny

Sonntag, den 29. März 2015

Seine Kinder nennen ihn Clemens. Nicht Papa, denn dazu ist er zu selten da, und Zeit für irgendwelche Unternehmungen ist auch nicht. Stattdessen sucht sich Clemens (Matthias Schweighöfer) für die Kinder eine Nanny.
Die neueste Nanny (Veronica Ferres) verlässt das Haus nach einem Nervenzusammenbruch. Die Kinder ekeln eine Nanny nach der anderen raus.
Dann aber kommt Rolf (Milan Peschel). Eigentlich ist er zu Clemens gekommen, weil er ihm die Meinung sagen wollte. Clemens will mit seinem Geschäftspartner (Joko Winterscheidt) nämlich ein altes Wohnviertel plattmachen. Das Viertel, in dem Rolf wohnt.
In einer Kneipe trinkt Rolf eine Krombacher-Fassbrause und berät sich mit seinen Nachbarn, die ein Krombacher-Bier trinken. (Entschuldigung, das musste ich erwähnen, weil sich Matthias Schweighöfer ja so viel Mühe gemacht hat, seinen Werbepartner so nett zu platzieren.)
Rolf muss sich also kümmern: als Nanny um Clemens’ Kinder, überhaupt um die kaputte Familie – und um die Rettung seiner Heimat.

“Der Nanny” ist der neue Schweighöfer-Film, und er soll nicht nur Klamauk sein. Sondern auch eine Botschaft haben. Ja, die hat er auch. Die Familie und so, die geht vor. Und, ja, das alte Berlin, das muss bewahrt bleiben.
Das alles erzählt er knapp zwei Stunden lang in einer durchaus kurzweiligen Dramödie. Überraschungen oder eine außergewöhnliche Inszenierung bleiben aber aus.
Besonders die ersten Minuten des Films kranken an nahezu unerträglichem Overacting. Alle sind sie übertrieben albern, übertrieben böse, übertrieben übertrieben.
Das lässt glücklicherweise später stark nach. Die anfängliche Unerträglichkeit der Familiensituation ist aber leider nahezu unerträglich dargestellt worden.
So ist “Der Nanny” am Ende durchaus handwerklich soldide, leichte Kost für den Kinogänger, der Schluss gefühlsduselig und auch wenig glaubwürdig (aber Filme sind ja auch ein Stück weit Märchen), aber das ganz große Ding mit dem gewissen Etwas ist er nicht.

Der Nanny
D 2015, Regie: Matthias Schweighöfer
Warner, 110 Minuten, ab 12
6/10

RTelenovela

Wegbegleiter (9): Könnte mal wieder geleert werden

Sonntag, den 29. März 2015
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(8) -> 25.3.2015

Oft habe ich einen Gedanken, wenn ich mir diesen Wegbegleiter ansehe: Könnte mal wieder geleert werden. Es handelt sich dabei um meinen Papierkorb. An sich kein besonderer Gegenstand, allerdings habe ich den auch schon weit mehr als 25 Jahre. Er stand schon in meinem Kinderzimmer zu DDR-Zeiten.

Es ist ein dementsprechend auch ein genormtes DDR-Modell. Er aus kleinen Holzteilchen (wer weiß, was da sonst noch in der Beschichtung drin ist), in hell-brauner und grüner Farbe. Er ist auch schon ein bisschen kaputt.
Aber er ist immer noch im Dienst und steht quasi in meiner kleinen Büroabteilung direkt neben einem Mülleimer.
Momentan ist er übrigens nur zu einem Viertel voll, und bis zur nächsten Leerung ist noch Zeit.

RTZapper

Musikantenstadl

Sonntag, den 29. März 2015
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SA 28.03.2015 | 20.15 Uhr | Das Erste

Och, schade! Die Stimmung war doch gerade sooo gut! Aber irgendjemand muss beim BR in München plötzlich den Stecker gezogen haben. Vielleicht lag es aber auch daran, dass der zuständige Mitarbeiter auf dem Mischpult eingeschlafen ist und seine Nase auf dem Aus-Knopf landete.
Man weiß es nicht.

Es war genau 22.45 Uhr, als am Sonnabend im Ersten während des “Musikantenstadls” der Hinweis “Tagesthemen im Anschluss” eingeblendet worden ist. Genau da fror das Bild ein. Und taute auch nicht mehr auf. Testbild. Grünbild. Und auf Wiedersehen. Nach Programmhinweisen begannen – dann doch noch einigermaßen pünktlich – die “Tagesthemen”.

Ob die deutschen Zuschauer – beim hauptübertragenden ORF2 in Österreich lief die Show wohl weiter – noch etwas verpasst haben, wissen wir momentan nicht.
Zum Zeitpunkt des Ausfalls ist jedenfalls erschreckend wenig in der Show passiert. Zu einem Playback-Mix aus diversen Musiken liefen im gesamten Saal irgendwelche Kapellen herum, tanzten Leute, unterhielten sich Leute, und irgendwie schien die Regie oft selbst nicht genau zu wissen, was sie jetzt zeigen soll. Es wirkte, als ob die Show schon zehn Minuten zu Ende sei und noch viel, viel Zeit mit Nichts gefüllt werden müsse.

Es ist nicht das erste Mal, dass die ARD den “Musikantenstadl” vorzeitig beendet. Wegen eines Boxkampfes blendete man sich absichtlich schon mal früher aus.

Ansonsten stand die Show gleich aus drei Gründen unter genauerer Beobachtung. Erstens: Karl Moik ist vor wenigen Tagen gestorben, der Stadl-Gründer. Zweitens: Die Show lief wenige Tage nach dem Flugzeugabsturz. Drittens: Es ist der vorletzte “Stadl” mit Andy Borg.
Andy Borg muss die Show verlassen, weil der ORF den “Musikantenstadl” verjüngen will. Und es ist ein Dilemma: Einerseits ist es nicht schlimm, dass es Shows gibt, die fast ausschließlich von älteren Leuten gemocht wird. Andererseits: Die Show ist wirklich extrem trutschig, die Art wie Borg moderiert, ist lahm und anstrengend.
Nur: Egal, wer nach Andy Borg kommt – der “Musikantenstadl” hat genau das Image, was ihn momentan ausmacht. Ob sich das rumreißen lässt, ist mehr als fraglich. Vielleicht ist es sinnvoller, die Show zu beenden und sich etwas Neues auszudenken.

RTZapper

Neo Magazin Royale: Exclusiv im Netz

Samstag, den 28. März 2015
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DO 26.03.2015 | zdf.de

“Die Anstalt”: verschoben.
“TV total” am Dienstag: abgesagt.
“extra 3″: abgesagt.
“Neo Magazin Royale”: im Fernsehen abgesagt, wird nur im Netz gezeigt.
“heute show”: abgesagt.
“Luke! Die Woche und ich”: abgesagt.
“SWR3latenight”: abgesagt.

Darf man in dieser Woche noch lustig sein? Ist Satire in den Tagen nach dem Flugzeugabsturz nicht möglich?
Die Antwort lautet: ja und nein.

Die Ereignisse rund um den flugzeugabsturz in Südfrankreich sind erschütternd.
Aber ganz klar: Auch in traurigen Zeiten ist es gut und wichtig, auch mal zu lachen, Zersteuung zu finden. Deshalb ist es auch nicht verwerflich, Comedyserien auszustrahlen oder den Echo zu verleihen.
Das Problem bei den wochenaktuellen Comedy- und Satireshows ist ein ganz anderes: Worüber soll man sich in der “heute show” auslassen? Im Grunde gab es in dieser Woche nur das eine traurige Thema, und da etwas Lustiges zu finden, ist unmöglich. Alle anderen Themen, über die man spotten könnte, sind in den Hintergrund getreten. Sendungen wie “extra 3″ oder die “heute show” funktionieren in dieser Woche schlicht nicht.

Das sieht man ganz gut am “Neo Magazin Royale”. Die Show, die donnerstags bei zdf_neo und freitags im ZDF läuft, ist am Mittwoch aufgezeichnet worden. Zu sehen ist sie nur auf zdf.de im Internet. Ob sie noch im Fernsehen laufen, ist derzeit ungewiss. Der Teil von Böhmermanns Shows, der sich mit wochenaktuellen Themen beschäftigt, ist nicht groß, und das Flugzeugunglück kommt darin auch nicht vor. Die Show ist ganz okay, aber irgendwie ist da ein schales Gefühl.

Bei “politischen Erdbeben” ist Satire ein Muss. Aber es gibt Momente, da bleibt der Satire nichts anderes, als zu schweigen.

RTelenovela

Wie funktioniert ein Osterkalender?

Samstag, den 28. März 2015
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Wie ein Adventskalender funktioniert, ist völlig klar: Am 1. Dezember öffnet man Tür 1, am 24. Dezember die Tür 24.
Aber wie funktioniert eigentlich ein Osterkalender?

Die Dinger stehen im Supermarkt rum, haben lustige, bunter Osterbilder – und genau 21 Türchen. Und nun?
Heißt das, man beginnt 21 Tage vor Ostern mit dem Türenöffnen? Aber beginnt man mit der 1 oder mit der 21? Sozusagen als Ostercountdown?
Das würde bedeuten, man muss am Montag drei Wochen vor Ostern anfangen. Ganz schön kompliziert. Oder beginnt man erst zu Ostern und darf dann drei Wochen lang naschen? Schließlich beginnt die Osterzeit ja Ostern und dauert bis Pfingsten, wie ich erst heute gelernt habe.
Sinnvoller wird so ein Osterkalender dann aber auch nicht.

Kein Wunder, dass solche Osterkalender hierzulande nur wenig verbreitet sind. Ich fange dann erst wieder am 1. Dezember an, Türchen zu öffnen.