Tagesarchiv für 18. Februar 2015

RTZapper

Schawinski: Harald Schmidt

Mittwoch, den 18. Februar 2015
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MO 16.02.2015 | 22.55 Uhr | SRF1

Showdown im Schweizer Fernsehen: Der Mann, der 2003 Harald Schmidt von Sat.1 vertrieb, empfing ihn nun in der eigenen Sendung.
Na ja, ganz so war das ja nicht, wie wir nun wissen. Das klärten Harald Schmidt und Roger Schawinski am Montagabend im SRF1 auf. Sie führten eine halbe Stunde lang ein recht spannendes Gespräch.

Schmidt zu seinem Sat.1-Ausstieg 2003: Er hatte genug, mit Schawinski hatte das eigentlich nur wenig zu tun. Worauf der allerdings Ausschnitte aus der Sat.1-Show zeigte, die einen anderen Eindruck machten. Und halb Kulturdeutschland trauerte, sei so auch nicht beabsichtigt worden.
Sein Wechsel ins Erste sei ein Fehler gewesen, seine Rückkehr zu Sat.1 floppte, weil alles gesagt war, und als er zu Sky wechselte, wurde da irgendwann die Quotenmessung mangels Quote eingestellt.

Aber er fehlt. Seine bissige Tagesrückschau gehörte lange zum Abendausklang, und bisher gibt es niemanden, der ihm das abnimmt. Jan Böhmermann versucht es im ZDF, bis zur wahren Late Night ist es aber ein weiter Weg. Zu ihm wollte sich Schmidt seltsamerweise nicht äußern, obwohl ja Böhmermann sogar mal zu Schmidts Team gehörte.

Der Auftritt am Montag im SRF1 zeigte, dass Harald Schmidt es immer noch kann, dass es immer noch spannend ist, was er zu erzählen hat. Aber leider wird er wohl keinen Sender finden, der das finanziert – und er selbst scheint ja auch nicht mehr zu wollen.
Schade. Für uns.

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RTelenovela

Vorspiel mit Christian Grey

Mittwoch, den 18. Februar 2015
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Wie viele der Männer, die sich mit ihren Frauen im Kino “Fifty Shades of Grey” ansehen, machen das eigentlich freiwillig? Es sind einige, die sich mit ihren Frauen im Oranienburger Filmpalast einfanden, um die geheimen Sexpraktiken des Christian Grey kennenzulernen.
Was erwarten sie sich davon? Eine Belohnung im Anschluss an den Film? Einmal “Sportschau” gucken ohne Augenrollen der Freundin? Eine Stunde “Telekolleg Sado-Maso”? Einkaufstipps für den Baumarkt (“Einmal Kabelbinder, bitte!” Zwinker, zwinker!)?

Was das Pärchen in der Sitzreihe hinter mir mitbekommen hat, weiß ich nicht genau. Er wisperte ihr immer wieder “Ich liebe dich” ins Ohr, worauf sich die beiden innig und ausführlich küssten. Das Pärchen in der Reihe davor sorgte dagegen für einen Live-Audio-Kommentar. Sie sagte nichts, er trank sein Bier und gab immer wieder seinen Senf dazu. Als Christian Grey sich das erste Mal auszieht, geht ein Murmeln durch den Saal, und die beiden hinter mir knutschten wieder (oder immer noch). Vermutlich nur das Vorspiel. Wobei ich nicht genau weiß, woher die weißen Flecken auf den Stühlen in der Reihe hinter mir kommen. Geht etwa gerade in deutschen Kinosälen nicht nur auf der Leinwand die Post ab?

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RT im Kino

Fifty Shades of Grey

Mittwoch, den 18. Februar 2015
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Endlich ist es mal nicht unangenehm, sich einen Fickelfilm im Kino anzusehen. Ist ja sonst eher peinlich. Wenn es aber um “Fifty Shades of Grey” geht, dann rennt Deutschland scharenweise in die Filmpaläste. Da werden viele aber enttäuscht sein. Es wird im Film gefickt, ja. Aber lange nicht so oft und ausführlich wie man hätte denken können. Immerhin ist das Filmchen ja ab 16 – also nicht so, nun ja, schlimm.

Anastasia Steele (Dakota Johnson) führt ein Interview für die Unizeitung und trifft dafür den reichen Unternehmer Christian Grey (Jamie Dornan) – und sogleich funkt’s. Und das, obwohl Grey ein Arsch zu sein scheint. Aber vielleicht macht Anastasia gerade das an.
Als Christian ihr dann auch noch eröffnet, was für geheime Leidenschaften hat – Stichwort: Spielzimmer -, ist sie hin- und hergerissen. Bleiben? Gehen?

SM wird salonfähig. Die dreckigen Spielchen haben es auf die große Leinwand geschafft. Wobei “Fifty Shades of Grey” aber auch zeigt, dass SM immer auf Gegenseitigkeit beruht. Einer ist dominant, der andere lässt sich fallen, voller Vertrauen. Dazu kommen klare Grenzen.
Dieses Hin-und-Her-Spiel, dieses Knistern zwischen den beiden, kommt recht gut rüber. Christian, der nicht mit Frauen schläft, sondern sie hart fickt und dominiert, verliebt sich, und das macht ihm genauso viel Angst wie Anastasia seine SM-Spielchen. Beide können zunächst nicht über ihren Schatten springen, obwohl sie sich gegenseitig immer weiter annähern.
Aber diese Wortgefechte machen durchaus einen Reiz aus.
Dass die beiden Hauptdarsteller sehr schön anzusehen sind, macht diesen Film natürlich auch aus. Dennoch dürften einige der Buchkenner enttäuscht sein. Das Buch erzählt viele Dinge intensiver. Während sich Dakota Johnson völlig frei macht, bleibt Jamie Dornan den Zuschauern eine bestimmte Sache schuldig.
Sind eben doch prüde, die Amis.

Fifty Shades of Grey
USA 2014, Regie: Sam Taylor-Johnson
Universal, 125 Minuten, ab 16
7/10

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