Tagesarchiv für 24. Januar 2015

RT im Kino

Frau Müller muss weg!

Samstag, den 24. Januar 2015
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Schlechte Stimmung in der Klasse. Kein erkennbares Lehrkonzept. Schlechte Noten. Gar keine Frage: Frau Müller muss weg! Eine Gruppe Eltern (u.a. Anke Engelke und Ken Duken) macht sich auf den Weg zur Schule, um Frau Müller (Gabriela Maria Schmeide) erstens mal ordentlich die Meinung zu geigen und zweitens, um sie zu bitten, doch die Klasse besser abzugeben.
Aber nicht mit Frau Müller, denn die hat da auch mal was zu sagen: Von bockigen Kindern, von Schlägereien, von Hausaufgaben, die der Vater erledigt.
Als die Eltern danach Zeit haben, um über alles noch mal nachzudenken, wendet sich das Blatt – aus, sagen wir mal: verschiedenen Gründen.

Sönke Wortmann hat mit seinem neuesten Film ein gesellschaftliches Phänomen beleuchtet: die sogenannten Helikoptereltern, die total um ihre Kinder kreisen und unglaublich besorgt sind, wenn es ihnen mal gerade nicht so gut geht, weil ihnen jemand was ganz doll Böses will.
Da rennen also die Eltern in die Schule, weil ihnen die Lehrerin nicht passt. Weil sie angeblich unfähig ist.
Aber Wortmann macht in “Frau Müller muss weg!” einen hochinteressanten und alles andere als weit hergeholten Gegensatz sichtbar: Eltern, die den Spagat zwischen Erziehung und Loslassen nicht kennen und Lehrer, die es mit den Schülern und ihren Eltern immer schwer haben.
Niemand ist fehlerlos, die Lehrer nicht, die Eltern nicht, die Schüler schon gar nicht.
Wortmann zeigt das in einem Kammerspiel, das über weite Strecken nur in dem einen Klassenzimmer spielt. Lustige Wortgefechte und überraschende Wendungen (inklusive netter Schlussgag) machen diesen Film sehr sehenswert – vor allem natürlich für Eltern und für Lehrer auch. Letztere ist Wortmanns Film Wasser auf ihre Mühlen.

Frau Müller muss weg!
D 2014, Regie: Sönke Wortmann
Constantin, 88 Minuten, ab 6
8/10

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RTelenovela

Manchmal ist Demokratie anstrengend

Samstag, den 24. Januar 2015
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Demokratie ist eine wirklich tolle Sache. Wenn die Menschen wollen, dann können sie auch mitreden. Sie können sich Bundestagsdebatten ansehen, Sitzungen des Landtages, der Stadtverordneten und Gemeindevertreter und der Ortsbeiräte. Leider nutzen erschreckend wenige Menschen diese Gelegenheit. In den Ortsbeiräten, die ja nun wirklich die unmittelbarsten Themen der Bewohner ansprechen, sind oft nur eine Handvoll Gäste.
In den drei letztgenannten können die Leute sogar direkt mitreden, in der Regel gibt es in den Gremien eine Bürgersprechstunde, in der aktuelle Probleme angesprochen werden können.

Allerdings gibt es Momente, da driftet diese Sache ins Absurde ab. Wie zum Beispiel neulich in Bötzow. Genau zwei Leute saßen als Gäste im Zuschauerraum. Eine Frau hatte da mal ein paar Fragen. Zu Busverbindungen (gibt zwar unheimliche viele in Bötzow, aber die sind irgendwie alle nicht so passend, und die Hunderte Bewohner, die den Bus gerne nutzen möchten, können leider nie in den Ortsbeirat kommen, weil ja kein Bus fährt, oder so). Zu irgendwelchen Hecken. Zu unaktuellen Internetseiten (die in Wirklichkeit aber aktuell sind). Zu was weiß ich.
Alles in Ordnung. Aber wenn jede dieser Fragen sich in ein Streitgespräch mit dem kompletten Gremium ausweitet, dann ist das, nun ja, langanhaltend.
Besagte Frau hatte in der zweieinhalbstündigen (!) Sitzung fast mehr Wortanteile als die eigentlichen Ortsbeiratsmitglieder, was mich zu der Frage führt, warum die gute Frau eigentlich nicht selbst im Gremium sitzt, warum sie sich nicht zur Wahl stellt. Schließlich leben wir zwar in einer Demokratie, aber so ein Beiratsgremium ist nicht dafür gedacht, dass man die ganze Zeit mitreden, dazwischenquatschen, mitdiskutieren müsste. Denn irgendwann nervt’s dann einfach auch mal.

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