Tagesarchiv für 22. Januar 2015

RT liest

Hape Kerkeling: Der Junge muss an die frische Luft – Meine Kindheit und ich

Donnerstag, den 22. Januar 2015

Mit seinem Buch über seine Wanderung auf dem Jakobsweg – “Ich bin dann mal weg” – hat Hape Kerkeling einen Bestseller geschrieben, den bis heute etwa fünf Millionen Leute gelesen haben. 2015 soll die Story als Film ins Kino kommen.
Nun hat der Entertainer nachgelegt. Anlass war sicherlich sein 50. Geburtstag, was ja – wie so oft zu runden Jubiläen – gern mal Anlass für eine Rückschau ist. So berichtet Kerkeling in “Der Junge muss an die frische Luft” aus seiner Kindheit.

Alles beginnt damit, dass Hape Kerkeling erzählt, wie sein Alter Ego Horst Schlämmer seinen letzten Auftritt hat. Nicht vor großem Publikum, sondern für ein todkrankes Kind. Das macht ihn nachdenklich, er berichtet von einer Begegnung mit einem Kind in Mosambik, das traumatische Erlebnisse hinter hat. Diesem Kind dann erzählt Kerkeling von seiner Jugend.
Wie er in der ländlichen Vorstadtidylle aufgewachsen ist, wie er Tag für Tag im Laden seiner Oma rumsaß und seine Mitmenschen studiert hat. Und – das ist durchaus einer der Schwerpunkte im Buch – wie seine Mutter mehr und mehr in die Depression abglitt, wie die Familie damit umging, was es mit dem kleinen Hans-Peter gemacht hat. Und wie er damit klar kam, als sich seine Mutter umbrachte.

Kerkelings Buch ist durchaus ein Wechselbad der Gefühle. Der Einstieg ist sehr rührend, als er von seiner Begegnung mut den kranken Kindern erzählt. Die Kindheitserlebnisse von ihm selbst sind über weite Strecken interessant, nur manchmal, es sind vielleicht zwei bis drei Kapitel, hat man das Gefühl, dass die Erzählungen ein bisschen egal sind.
Doch das ändert sich. Mit viel Gefühl, durchaus präzise erzählt er vom zwischenheitlichen Niedergang der Familie. Aber auch davon, wie er wieder raus kam aus dem Seelenchaos, wie einige Familienmitglieder ihn stützten, ihn vor dem Schmerz schützten.
Kerkeling schreibt sehr anschaulich, sehr persönlich, gefühlvoll, und auch lustig und pointiert.
Er sagt, eigentlich sollte es die übliche Promistory sein, wie üblichen Geschichten aus dem Showleben, das er führt(e). Nun beließ er es bei den Kindheitsgeschichten. Aber vielleicht kommt der nächsten Teil ja zu seinem 60.?

Hape Kerkeling: Der Junge muss an die frische Luft – Meine Kindheit und ich
Piper, 311 Seiten
8/10

ORA aktuell

Asylstreit: Zweite Doppeldemo in Oranienburg

Donnerstag, den 22. Januar 2015
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Zum zweiten Mal fanden in der Oranienburger Innenstadt gleich zwei Demonstrationen zur Asylproblematik statt. Zum einen fand ein “Abendspaziergang für eine angemessene Asylpolitik” statt, zum anderen eine überparteiliche Gegendemonstration des Bündnisses “Oberhavel nazifrei”.
Insgesamt kamen etwa 500 Menschen, auf beiden Seiten etwa gleich viel. 400 Polizisten waren in Oranienburg anwesend.
Alles in allem blieb der Abend friedlich.

RTelenovela

Die Oma ist tot – und ganz schön braun

Donnerstag, den 22. Januar 2015
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Neulich hatte ich hier schon mal über einen neuen Nostalgie-Ernährungstrend geschrieben. Es gibt jetzt DDR-Schulküchen-Tomatensoße, NVA-Erbsensuppe – und Tote Oma.

Auf der Grünen Woche in Berlin bin ich neulich drauf gestoßen. Ich finde es ja schon merkwürdig, dass man sich ausgerechnet auf DDR-Schulküchenfraß und NVA-Truppenübungsplatzmahlzeiten rückbesinnt. Und irgendwie sperre ich mich dagegen, so was zu kaufen und das auch noch gut zu finden.
Und jetzt zu allem Überfluss auch die Tote Oma.

Klar, ich kenne Tote Oma. Man sagt auch Frische Wurst, Blutwurst oder auch Grützwurst. Es ist der braune Pamps, der mir zugegebermaßen ganz gut schmeckt. Jedenfalls ab und zu mal. Und klar, viele haben das Zeug zu DDR-Zeiten Tote Oma genannt.
Aber möchten die Leute wirklich ein Produkt kaufen, das auch ganz offiziell als “Tote Oma” bezeichnet wird? Wo der Name so auf der Büchse steht? Das auch noch mit einem unfassbar langweiligen und zum nichtkaufen einladenden Etikett (Zum Glück ist keine tote Oma drauf zu sehen)?
Mich stößt das ab. Als ich bei der Grünen Woche am Stand der Herstellerfirma rumstand und ein sichtbar irritiert-angeekeltes Gesicht machte, fragte mich die Frau am Tresen, ob ich mal kosten möchte. Ich lehnte dankend ab.