Tagesarchiv für 14. Januar 2015

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Tagesthemen: Die Pariser Politikerinszenierung

Mittwoch, den 14. Januar 2015
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SO 11.01.2015 | 23.05 Uhr | Das Erste

Jetzt schreien sie wieder alle LÜGENPRESSE! Und regen sich auf und drehen an der Uhr. Dabei hilft es manchmal schon, mal ein bisschen nachzudenken. Gern auch zweimal.
Bei der großen Demonstration am Sonntag in Paris setzten auch Dutzende Politiker ein Zeichen und gingen ebenfalls auf die Straße. Sie hakten sich unter und marschierten ein paar Meter.
Im Fernsehen sah das tatsächlich so aus, als würden sie die Demo anführen, und es sei total voll.
War aber nicht so. In Paris war zu sehen, wie da die Politikermasse stand, und dahinter lange niemand mehr. Eine reine Inszenierung?

Der ARD wird vorgeworfen, die Bilder aus Paris manipuliert zu haben. Dass man das nur der ARD vorwirft, ist allerdings interessant, wo doch auch viele (alle?) anderen Sender drüber berichteten. Natürlich zeigten auch die “Tagesthemen” am Abend die Bilder, und vielleicht kam die Szene da nicht ganz raus, so wie sie war. Vielleicht sollten die Kommentatoren das Ganze noch sauberer einordnen. Während der nachmittäglichen Live-Übertragung war es allerdings ganz deutlich sichtbar, wie sich die Szene darstellte. Dass der Pulk da alleine stand.

Aber was wirft man der ARD und den Politikern da eigentlich vor? Dass die Politiker ein Symbol, ein Zeichen setzen wollten? Dass es wegen der vielen Kameraleute vor ihnen kaum möglich war, zu marschieren? Dass es offenbar die Sicherheitslage nicht hergab, dass sich die Politiker inmitten der Million Demonstranten stellten? Was wäre passiert, wenn es einen Anschlag gegeben hätte, wer hätte da aufgeschrien, dass die Franzosen die Politiker nicht absichern konnten?
Sicher, in irgendeiner Hinsicht war das Bild, der sich einhakenden und ein paar Schritte gehenden Politiker eine Inszenierung. Aber so ziemlich alles ist inszeniert. So ziemlich jedes Foto ist inszeniert. Manchmal ist es eben so, dass das Bild, die Geste mehr zählt. Dass es mehr zählt, dass all die Politiker nach Paris kamen und sich da hinstellten.

Die ARD hat im Laufe der Übertragung beide Positionen gezeigt. Und wer darüber nachdenkt sollte auch zu dem Schluss kommen, dass alles andere Irrsinn gewesen wäre und sicherheitsmäßig kaum zu vertreten.
Die Diskussion darum erscheint mir mal wieder unfassbar albern.

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Klara Holm: Möwenfraß – Ein Ostsee-Krimi

Mittwoch, den 14. Januar 2015
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Mord auf Rügen. In Vitt, ganz in der Nähe vom Kap Arkona, wird eine schlimm zugerichtete weibliche Leiche gefunden.
Es ist Luka Kroczeks erster Fall bei der Kripo Bergen. Weil seine Frau einen Job an der Küste angenommen hat, hat auch er seinen Job in Düsseldorf sausen lassen und ist mit ihr nach Rügen gezogen. Die Ermittlungen beginnen schnell, aber irgendwie kommen die Kommissare nicht weiter. War es ein Immobilienhändler? War es der Musiklehrer, der nebenan in Vitt ein Haus hat? Und was hat eigentlich der kleine Maik damit zu tun?

Es sind durchaus spannende Ermittlungen, die Klara Holm in ihrem Roman “Möwenfraß” niedergeschrieben hat. Sie führen in die Touristenorte Binz und Baabe, an den Herthasee mitten im Wald und auf eine Konzertmuschel in Sassnitz. Wir lernen etwas über Wendegewinner und nie vergessene Scharmützel in der DDR-Zeit.
Holm vermischt Heimat- und Urlaubskolorit sehr gut mit ihrem Fall, der immer neue Wendungen aufweist. Und das mit einer einfachen, aber nicht lapidaren Sprache. Das Buch liest sich sehr flüssig und fix.
Schade, dass der Verlag beim Cover das offenbar kaufwirksamste Motiv ausgewählt hat – nämlich die Seebrücke in Sellin. Sie spielt im Buch im Grunde genommen gar keine Rolle.

Klara Holm: Möwenfraß – Ein Ostsee-Krimi
ro ro ro, 316 Seiten
8/10

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