Tagesarchiv für 19. Dezember 2014

aRTikel

Schiff in der Schwebe

Freitag, den 19. Dezember 2014
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Ein Kran hob in Marwitz das 14 Tonnen schwere Gefährt vom Laster

MAZ Oranienburg, 19.12.2014

MARWITZ
Ein großes Knirschen – und schon hängt „Beethoven“ am Kran und schwebt über Marwitzer Boden. Ein 14 Tonnen schweres und 19 Meter langes ehemaliges Passagierschiff befindet sich seit gestern Vormittag auf dem Gelände der „Historischen Bauelemente“ am Bärenklauer Weg in Marwitz. Ein Kran hatte es vom Sattelschlepper rüber auf das Firmengelände gehoben.

Eigentlich sollte das Schiff – in seiner Vergangenheit trug es die Namen „Beethoven“ und „Stadt Bamberg“ – auf ein Wassergrundstück nach Berlin-Heiligensee gebracht werden, erklärte gestern Geschäftsführer Olaf Elias. Dort war ein Kindercafé geplant. Nach der Restaurierung des 1927 erbauten Schiffes sollte es auch wieder auf der Havel unterwegs sein. Doch der Kauf besagten Grundstücks war in letzter Minute geplatzt. Nun musste eine schnelle Entscheidung her, wo das Schiff erst mal hin soll. So strandete es gestern in Marwitz. „Wir haben uns vorher ausgerechnet, ob es überhaupt hier reinpasst“, erzählte Olaf Elias am Vormittag. „Es war perfekt.“

Was mit dem Schiff nun konkret passiert, ist offen. „Wir werden es hier erst mal sichern, dass es nicht mehr dem weiteren Verfall augesetzt ist“, so Olaf Elias. Es hat keinen Motor mehr, der Stahlrumpf muss saniert werden.
Das Schiff kommt von einer aufgelösten Werft in Dresden, es wäre in der Schrottpresse gelandet, wenn Elias nicht zugegriffen hätte. Zuvor war es lange in Düsseldorf und später in Bamberg unterwegs gewesen. Wenn die „Historischen Bauelemente“ in Marwitz im kommenden Jahr ihr 25. Jubiläum feiern, ist auch eine Kinderparty geplant. „Vielleicht finden wir Partner, das Schiff bis dahin flott zu machen“, sagt Olaf Elias. Auch will er weiter nach passenden Grundstücken Ausschau halten, die am Wasser liegen und für das Schiffskindercafé geeignet wären.
Aber auch nach Bamberg gibt es Kontakte. „Es gibt dort einen Dampferverein“, erzählt Olaf Elias. Vielleicht kehrt das Schiff irgendwann auch dahin zurück.

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RT im Kino

Auf das Leben!

Freitag, den 19. Dezember 2014

Alles leer. Jonas (Max Riemelt) hat mit seinen Möbelpackerkollegen ganze Arbeit geleistet. Ruth (Hannelore Elsner) muss umziehen, weil sie sich ihre alte Wohnung nicht mehr leisten kann. Sie ist verbittert und traurig. Als Jonas sie in ihrer Wohnung zurücklässt und wenig später noch mal zurückkehrt, findet er sie in ihrer Badewanne – mit aufgeschnittenen Pulsadern. Er bringt sie in die Klinik.
Nach und nach erfahren wir, was mit den beiden los ist. Jonas hat seine Freundin verlassen, er will nicht, dass sie erfährt, dass er an einer schlimmen Krankheit leidet. Er ist pleite und zieht erst mal in Ruths Wohnung, während sie in der Klinik liegt.
Dort entdeckt er alte Filme von ihr. Ruth war in den 70ern eine gefeierte Sängerin jiddischer Lieder, und im Zweiten Weltkrieg entkam sie nur knapp dem KZ. Und: Sie hatte einen Freund, der Jonas verdammt ähnlich sieht.

Manchmal sind die Handlung und die darin enthaltenen Rückblicke ein wenig dick aufgetragen, ansonsten aber ist es berührend, was Uwe Janson in seinem Film erzählt. “Auf das Leben!” klingt wie ein Trinkspruch, wie eine Hoffnung auf das, was noch kommen wird.
Hier geht es um zwei Menschen, die in der Vergangenheit schon viel Schlimmes erlebt haben, die auf der Flucht sind und die gemeinsam – und auch jeder für sich – einen Weg suchen, mit der Zukunft fertig zu werden.
Max Riemelt spielt den jungen Mann, der einerseits anpackend ist, andererseits aber große Angst hat, toll. Hannelore Elsner ist ebenfalls wundervoll – eine Frau, die nach und nach wieder Lebensmut bekommt.

Auf das Leben!
D 2014, Regie: Uwe Janson
Camino, 90 Minuten, ab 12
8/10

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RTZapper

Nuhr 2014 – Der Jahresrückblick

Freitag, den 19. Dezember 2014
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DO 18.12.2014 | 23.00 Uhr | Das Erste

Ein Mann auf einer Bühne. Er redet und redet und redet. Eine Stunde lang, ohne Unterbrechung. Für das heutige Fernsehen ist die Kabarettshow von Dieter Nuhr fast schon Bildungsfernsehen: keine Einspielfilme, keine Gäste, keine Musik.
Und trotzdem – oder gerade deshalb: Das Ganze war sehenswert.

Eine Stunde lang hat Kabarettist Dieter Nuhr das Jahr 2014 auseinandergenommen. Vom Fußballer-Outing bis zu den Hasspredigern war alles dabei.
Und viel Wahres dran. Wenn Nuhr davon erzählt, dass Deutschland immer hysterischer wird, hat er Recht. Jeder Veränderung steht man ängstlich gegenüber, sofort herrscht Panik. Das Internet hat sich zum Gericht gewandelt, jeder darf jeden verurteilen, obwohl kein Richter je Recht gesprochen hat. Lästert Nuhr über Vegetarier – Shitstorm. Lästert er über fanatische Glaubenskrieger – Shitstorm. Überall lauert der Shitstorm, aber davon lässt sich Nuhr nicht beirren.

Nicht nur die “heute-show” zeigt, wie wichtig, wie erhellend, wie klug Satire heutzutage ist oder macht. Auch “Nuhr 2014 – Der Jahresrückblick” war ein Lichtblick in der Fernsehlandschaft.

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RTelenovela

Pendelverkehr: Gransee – Fürstenberg

Freitag, den 19. Dezember 2014
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Seit ich neulich beim Umzug eines Freundes mitgeholfen habe, kenne ich mich auf der Strecke zwischen Gransee und Fürstenberg ganz gut aus. Wir arbeiteten gewissermaßen im Pendelverkehr. Immer hin und her und hin und her. Dreimal innerhalb von etwas mehr als vier Stunden.

Sehr idyllisch ist beispielsweise die Eisenbahnbrücke bei Dannenwalde. Die ist – auch wenn es nicht danach aussieht – eine Baustelle. Die Brücke ist so marode, dass der Verkehr nur noch einspurig rüberführen darf. Wer weiß, vielleicht würde die Überführung sonst schlapp machen. Irgendwann, also sicher irgendwann bald, könnte es mal eine neue Brücke geben. An der Ampel, die den Verkehr dort wechselseitig regelt, kann man schon die eine oder andere Minute verbringen. Und Zeitung lesen zum Beispiel. Oder was aus dem Kofferraum holen. Oder der Familie im Auto dahinter zuwinken.

Danach – der Zeitverlust ist schließlich immens – hat natürlich kaum noch jemand Lust, die erlaubten 80 Sachen zu fahren, immer wieder kommt es zu gefährlichen Überholmanövern. Einige Leute scheinen die B96 für eine vierspurige Autobahn zu halten – eine, bei denen man die beiden Gegenspuren leider vergessen hat. Egal, auch vor Kurven wird links gefahren. Man gännt sich ja sonst nichts.

Völlig aus dem Nichts steht dann das Ortsschild von Fürstenberg an der Straße. Wenn man dort die vielen “B96 raus aus der Stadt!”-Schilder sieht, kann man nur erahnen, wie genervt die Menschen dort vom Verkehrslärm sind. Allerdings ist es auch krass, wie schmal die B96 im Ortskern wird und sich durch die Innenstadt quält. In der Rushhour könnte das tatsächlich problematisch werden.

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